ASCO 2019: Hormonsensitives Prostatakarzinom: Standardtherapie früh mit Enzalutamid ergänzen

Neue Therapieoption mit Enzalutamid: Männer, die eine Chemotherapie nicht vertragen oder eine geringe Tumorlastaufweisen, profitieren besonders.

Enzalutamid

Das nichtsteroidale Antiandrogen Enzalutamid plus Standardtherapie – mit oder ohne Beteiligung von Docetaxel – erhöhte bei Männern mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom (mHSPC) die 3-Jahres-Überlebensrate auf 80 % gegenüber 72 %, die mit anderen nichtsteroidalen Antiandrogenen erreicht wurden. Das sind die Ergebnisse einer Interimsanalyse der akademischen Phase-III-Studie ENZAMET der Australian and New Zealand Urogenital and Prostate (ANZUP) Cancer Trials Group, die Dr. Christopher Sweeney, Boston, USA, in der Plenary Session beim ASCO-Meeting vorstellte.

Die offene, internationale Studie wollte prüfen, ob Enzalutamid zusätzlich zu Testosteronsuppression durch die stärkere Hemmung des Androgenrezeptors in der Erstlinie das Gesamtüberleben (OS) im Vergleich zu einer Standard-Antiandrogentherapie verlängern kann. 1.125 Patienten wurden zur Testosteronsuppression mit Goserelin, Leuprorelin oder Degarelix behandelt. 563 Patienten erhielten zusätzlich Enzalutamid (160 mg/Tag), 562 Patienten wurden zusätzlich mit Bicalutamid, Nilutamid oder Flutamid behandelt. 503 Patienten erhielten außerdem Docetaxel. Primärer Endpunkt war das OS.

Sweeney präsentierte die Ergebnisse einer vorgeplanten Interimsanalyse nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 34 Monaten. Nach drei Jahren waren noch 80 % der Männer im Enzalutamid-Arm am Leben, im Vergleichsarm waren es 72 % (HR 0,67; p = 0,002). Enzalutamid senkte damit das relative Sterberisiko um 33 % gegenüber den Vergleichsmedikationen. Der sekundäre Endpunkt PFS (Zeit bis zum PSA-Anstieg, klinischer Progression oder Tod), war mit Enzalutamid mit einer HR von 0,39 ebenfalls signifikant besser als mit den Vergleichssubstanzen. (Abb.)

PA ENZAMET Studie

ENZAMET-Studie: Progressionsfreies Überleben bei Patienten mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom unter Enzalutamid oder Vergleichsandrogenen (NSAA), jeweils zusätzlich zur Testosteronsuppression  nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 34 Monaten

Sweeney zeigte sich erstaunt, dass der Überlebensbenefit unter der Beteiligung von Enzalutamid bereits in der ersten Interimsanalyse der Studie so deutlich zum Ausdruck kam.

Die positive Wirkung von Enzalutamid auf das OS war am ausgeprägtesten bei Patienten, die nicht mit Docetaxel behandelt wurden. Die 3-Jahres-Überlebensrate betrug hier 83 % gegenüber 70 % bei den Vergleichsantiandrogenen. Bei Patienten mit Docetaxel zeigte sich in dieser frühen Analyse mit Enzalutamid bislang kein OS-Vorteil, allerdings ein PFS-Vorteil. Enzalutamid wirkte in dieser Interimsanalyse am besten bei Männern mit geringer Tumorlast, die kein Docetaxel bekamen. Zum Zeitpunkt der ersten Datenanalyse nahmen noch 64 % der Patienten Enzalutamid und 34 % die Vergleichsantiandrogene.

Sollten sich die Daten in weiteren Analysen erhärten, steht Patienten mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom laut Sweeney eine neue Therapieoption mit Enzalutamid zur Verfügung, von der insbesondere Männer profitieren, die eine Chemotherapie nicht tolerieren oder eine geringe Tumorlast aufweisen.

Autor: Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann, DER PA ONKOLOGIE & HÄMATOLOGIE

Stand: 12.08.2019

Quelle:

Sweeney C et al. J Clin Oncol 37;2019 (suppl;abstr LBA2)

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