ASCO 2019: PARP-Inhibitor Olaparib wirksam bei gBRCA-mutiertem Pankreaskarzinom

Olaparib zeigte in Zwischenergebnissen eine Verlängerung der progressionsfreien Zeit. Auch wurde die Lebensqualität der Patienten nicht beeinträchtigt.

Pankreas (Bauchspeicheldrüse)

Die Phase-III-Studie POLO, deren Daten im Rahmen der Plenary Session beim ASCO-Meeting präsentiert wurden, beschäftigte sich mit der Frage, ob eine Erhaltungstherapie mit dem PARP-Inhibitor Olaparib bei Patienten mit metastasiertem, Pankreaskarzinom und einer Keimbahnmutation im BRCA1- oder BRCA2-Gen nach platinhaltiger Chemoinduktionstherapie die progressionsfreie Zeit ohne wesentliche Beeinträchtigung der Lebensqualität verlängern kann.

Wie Dr. Hedy L. Kindler (Chicago, IL, USA) berichtete, weisen 4-7 % der Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom eine solche Keimbahnmutation (gBRCAm) auf. Die Rationale des Einsatzes eines PARP-Inhibitors bei Patienten mit gBRCAm Pankreaskarzinom liegt darin, dass diese Substanzen bereits ihre Wirksamkeit in der Erhaltungstherapie bei Patientinnen mit fortgeschrittenem BRCAm Ovarialkarzinom unter Beweis gestellt haben. Zudem sprechen BRCAm Pankreaskarzinome ebenso wie BRCAm Ovarialkarzinome vergleichsweise gut auf eine platinbasierte Chemotherapie an – eine weitere Gemeinsamkeit, die eng mit dem BRCA-Mutationsstatus zusammenhängt. Bisher sei noch nie eine zielgerichtete Therapie in einer nach Biomarkern vorselektierten Patientenpopulation in einer Phase-III-Studie beim Pankreaskarzinom getestet worden, betonte Kindler.

154 Patienten mit metastasiertem, gBRCAm Pankreaskarzinom ohne Progress nach platinhaltiger Chemotherapie wurden 3:2 randomisiert und erhielten entweder Olaparib (300 mg bid; n = 92) oder Plazebo (n=62). Die Behandlung begann 4 bis 8 Wochen nach der letzten Chemotherapie. Die Patienten waren im Mittel 57 Jahre alt; zwei Drittel trugen BRCA1- und der Rest BRCA2-Mutationen.

In einer Zwischenanalyse (Datenschnitt 15. Januar 2019), die beim ASCO vorgestellt wurde, führte Olaparib zu einer statistisch signifikanten und klinisch relevanten Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (PFS) gegenüber Plazebo (median 7,4 vs. 3,8 Monate; HR 0,53; p = 0,0038). (Abb.)

PA Pankreaskarzinom POLO

POLO-Studie: medianes PFS bei Patienten mit gBRCAm Pankreaskarzinom unter einer Erhaltungstherapie mit Olaparib vs. Plazebo

Damit wurde das Progressionsrisiko unter Olaparib um 47 % vermindert. Nach zwei Jahren waren 22,1 % der Patienten unter Olaparib noch ohne Progress im Vergleich zu 9,6 % unter Plazebo. Die Daten zum Gesamtüberleben sind noch nicht reif, so dass hier noch keine Aussage getroffen werden kann.

Wichtig war Kindler die Feststellung, dass das Sicherheitsprofil von Olaparib dem aus anderen Studien entsprach und die Erhaltungstherapie mit dem PARP-Inhibitor die Lebensqualität der Patienten nicht beeinträchtigte. Sollten sich die Daten dieser Zwischenanalyse weiter erhärten, dürfte sich eine neuer Therapiestandard etablieren, von dem aber leider nur ein Bruchteil der Patienten mit Pankreaskarzinom – nämlich die mit gBRCAm Tumoren – profitieren kann.

Autor: Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann, DER PA ONKOLOGIE & HÄMATOLOGIE

Stand: 12.08.2019

Quelle:

Kindler HL et al. J Clin Oncol 37;2019 (suppl;abstr LBA4)

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