Lokale Bestrahlung verlängert Überleben bei Prostatakrebs

Bisher hat die Bestrahlung des Primärtumors bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom eine wichtige Rolle in der Palliation. Die Ergebnisse der STAMPEDE-Studie werfen ein neues Licht auf die Prostata-Strahlentherapie, die zu einer Standardtherapieoption für Männer mit neu diagnostiziertem Prostatakrebs und geringer Tumorlast werden könnte.

Prostata

Hintergrund

Die Standardbehandlung für Patienten mit neu diagnostiziertem metastasiertem Prostatakarzinom ist die systemische Androgenblockade. Die Bestrahlung der Prostata wird bislang lediglich als palliative Maßnahme angewandt. Es ist jedoch bekannt, dass eine lokale Strahlentherapie das Überleben von Männern mit lokal fortgeschrittenem (T3-4 N0 M0) Prostatakrebs verbessert. Zudem liefern Tiermodelle und retrospektive Studien bei Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom Hinweise auf eine Verbesserung der Prognose durch die lokale Strahlentherapie.

Zielsetzung

Im Rahmen der STAMPEDE-Studie (Systemic Therapy in Advancing or Metastatic Prostate cancer: Evaluation of Drug Efficacy) soll der Nutzen einer lokalen Strahlentherapie bei Patienten mit neu diagnostiziertem, metastasiertem Prostatakarzinom nach Hormonablation evaluiert werden [1]. Primärer Endpunkt ist das Gesamtüberleben.

Methodik

Insgesamt 2.061 Patienten mit neu diagnostiziertem metastasiertem Prostatakarzinom aus 117 Kliniken in Großbritannien und der Schweiz nahmen an der randomisierten, kontrollierten Phase-3-Studie teil. Alle Studienteilnehmer erhielten eine dauerhafte Androgenblockade, entweder mit einem Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Antagonisten bzw. -Agonisten oder durch Orchidektomie. Das seit Dezember 2015 in Großbritannien zur Hormontherapie zugelassene Zytostatikum Docetaxel wurde ebenfalls bei einem Teil der Patienten eingesetzt.

Bei etwa der Hälfte der Patienten wurde zusätzlich – nach einem vor der Randomisierung festgelegten Zeitplan – eine Bestrahlung der Prostata vorgenommen: Entweder erfolgte die Bestrahlung täglich (55 Gray (Gy) in 20 Fraktionen (f) über 4 Wochen) oder wöchentlich (36 Gy/6f über 6 Wochen).

Stratifiziert wurden die Teilnehmer u. a. nach ihrer Tumorlast. Eine hohe Tumorlast wird definiert als vier oder mehr Knochenmetastasen mit mindestens einer Metastase außerhalb von Becken bzw. Wirbelsäule und/oder viszerale Metastasen. In allen anderen Fällen wird die Tumorlast als gering bezeichnet.

Ergebnisse

Die Patienten waren zwischen 63 und 73 Jahre alt. Mit der Strahlentherapie wurde im Median 95 Tage nach der Hormontherapie (und 35 Tage nach der Randomisierung) begonnen. 54% der Patienten hatten eine hohe Tumorlast; bei 40% war die Tumorlast gering und bei 6% unbekannt.

Die mediane Überlebenszeit in der Kontrollgruppe (ohne Bestrahlung) betrug 46 Monate, die in der Strahlentherapiegruppe 48 Monate. Die 3-Jahres-Überlebensraten lagen bei 62% in der Kontrollgruppe und bei 65% in der Strahlentherapiegruppe.

Über die gesamte Population betrachtet, verbesserte die lokale Prostata-Bestrahlung zwar das progressionsfreie Überleben (13 vs. 17 Monate; Hazard Ratio (HR) 0,68; 95%-Konfidenzintervall (KI) 0,68-0,84; p<0,0001), nicht aber das Gesamtüberleben (HR 0,92; 95% KI 0,80-1,06; p=0,266).

Eine Subgruppenanalyse zeigte, dass die lokale Strahlentherapie bei Patienten mit niedriger Tumorlast zu einer signifikanten Verlängerung der Überlebenszeit führte (HR 0,68; 95% KI 0,52-0,90; p= 0,007). Die 3-Jahres-Überlebensrate betrug 73% in der Kontrollgruppe und 81% in der Strahlentherapiegruppe. Im Gegensatz dazu konnte die Strahlentherapie die Überlebenszeit der Patienten mit hoher Tumorlast nicht verbessern.

Insgesamt wurden die Bestrahlungen der Prostata gut vertragen. Bei 5% der Patienten kam es im Verlauf der Strahlentherapie zu Nebenwirkungen Grad 3-4. Bei 4% der Patienten traten Nebenwirkungen im Anschluss an die Strahlentherapie auf.

Fazit

Die lokale Bestrahlung des Primärtumors führte bei unselektierten Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom nicht zu einer Verlängerung der Gesamtüberlebenszeit. In einer Subgruppenanalyse zeigte sich jedoch, dass die lokale Strahlentherapie mit einem signifikant längeren Überleben bei Patienten mit geringer Tumorlast assoziiert ist.

Autor: Dr. Gabriele Dufhues (Medizinjournalistin)

Stand: 05.12.2018

Quelle:
  1. Parker et al. (2018): Radiotherapy to the primary tumour for newly diagnosed, metastatic prostate cancer (STAMPEDE): a randomised controlled phase 3 trial. Lancet, DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)32486-3
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