Risikomarker falsch-positive Mammographiebefunde

Forscher fanden in einer großen internationalen Studie erhöhte Langzeitrisiken in Zusammenhang mit falsch positiven Mammographiebefunden. Radiologische Veränderungen können eine erhöhte biologische Anfälligkeit anzeigen. Betroffene Frauen sollten intensiver überwacht werden.

Brust-Drüsengewebe-stilisiert

Hintergrund

Die Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs wurde in einige europäischen Staaten schon in den 70er Jahren eingeführt. In Deutschland wurde ein nationales Mammographie-Screeningprogramm seit 2005 aufgebaut. Das Screening ist umstritten. Ein wichtiger Vorteil: bessere Heilungschancen. Die Mammographie kann Brustkrebs im Frühstadium entdecken. Dadurch sinkt das Risiko, an Brustkrebs zu sterben. Ein wichtiger Nachteil: Überdiagnosen, die zu Operationen oder Bestrahlungen führen, die unnötig sind.

In den letzten Jahren sind zahlreiche Nutzen-Schaden-Abwägungen von internationalen Expertengremien veröffentlicht worden. Es gibt jedoch keine feste Richtlinie, in welcher Höhe sowie in welcher Art und Weise gerettete Leben und Überdiagnosen gegeneinander aufgewogen werden können oder sollten. Gremien wie die Euroscreen Working Group, die U.S. Preventive Services Task Force und die International Agency for Research on Cancer der World Health Organization bewerten den Nutzen des Screenings höher als den Schaden. Das IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) gibt keine Bewertung zu seiner Nutzen-Schaden-Bilanz ab [1].

Zielsetzung

Ein internationales Wissenschaftlerteam um Marta Román vom Department of Epidemiology and Evaluation, IMIM (Institut Hospital del Mar d'Investigacions Mèdiques) in Barcelona, Spanien, untersuchte das Langzeitrisiko von Brustkrebserkrankungen, die durch das Screening oder im Intervall entdeckt wurden, bei Frauen mit einem ersten oder zweiten falsch-positiven Testergebnis [2]. Damit ergänzen sie die Diskussion um einen weiteren Aspekt.

Methodik

Die Wissenschaftler verwendeten Daten auf individueller Ebene aus drei bevölkerungsbasierten Screeningprogrammen in Europa für eine gemeinsame Analyse. Insgesamt wurden Daten von 75.513 Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren aus Dänemark (aus den Jahren 1991 bis 2010), von 556.640 Frauen aus Norwegen (1996 bis 2008) und von 517.314 Frauen aus Spanien (1994 bis 2010) erfasst. Die Forscher nutzten teilweise konditionale Cox-Risikomodelle, um den Zusammenhang zwischen falsch positiven Ergebnissen und dem Risiko einer nachfolgenden Brustkrebserkrankung, die durch das Screening oder im Intervall entdeckt wurde, zu bewerten.

Ergebnisse

Im Verlauf der Nachuntersuchung wurden 1.149.467 Frauen 3.510.450 Vorsorgeuntersuchungen unterzogen. Dabei wurden 10.623 bei einem Screening entdeckte und 5.700 im Intervall festgestellte Karzinome diagnostiziert. Im Vergleich zu Frauen mit negativen Tests hatten die Frauen mit falsch positiven Ergebnissen ein zweifaches Risiko für ein Brustkrebserkrankung, die durch das Screening entdeckt wurde (Hazard Ratio [HR] = 2,04, 95%-Konfidenzintervall [KI]: 1,93–2,16) und für eine Brustkrebserkrankung, die im Intervall entdeckt wurde (HR = 2,18, 95%KI: 2,02– 2,34).

Frauen mit einem zweiten falsch positiven Ergebnis hatten ein über vierfach höheres Risiko für eine Brustkrebserkrankung, die durch das Screening oder im Intervall entdeckt wurde (HR = 4,71, 95%-KI: 3,81–5,83 und HR = 4,22, 95%-KI: 3,27–5,46). Bei Frauen mit einem falsch positiven Ergebnis lag 12 Jahre lang ein erhöhtes Risiko vor.

Die Autoren schließen aus den Ergebnissen, dass ein Zusammenhang zwischen falsch positiven Befunden im Mammographiescreening und dem Langzeitrisiko, an Brustkrebs zu erkranken, besteht. Sie vermuten, dass nicht übersehene Karzinome oder vorhandene Krebsvorstufen für das erhöhte Risiko verantwortlich sind, sondern dass bei den betroffenen Frauen eine biologische Suszeptibilität vorliegt.

Fazit

Frauen mit früheren falsch positiven Ergebnissen im Brustkrebsscreening hatten über ein Jahrzehnt ein erhöhtes Risiko für eine Brustkrebserkrankung, die durch das Screening oder im Intervall zwischen den Untersuchungen entdeckt wurde. Die Autoren der Studie empfehlen, diese Informationen dazu zu nutzen, personalisierte Screeningstrategien basierend auf dem individuellen Risiko zu entwerfen.

Die Studie wurde durch mehrere nichtkommerzielle und öffentliche Fördermittelgeber unterstützt. Sie ist unter der Nummer NCT02874989 bei ClinicalTrials.gov registriert.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 17.01.2019

Quelle:
  1. Fügemann und Kääb-Sanyal (2016): Mammographie-Screening: Nutzen-Schaden-Abwägung im internationalen Vergleich. Deutsches Ärzteblatt
     
  2. Román et al. (2018): Long-term risk of screen-detected and interval breast cancer after false-positive results at mammography screening: joint analysis of three national cohorts. British Journal of Cancer; DOI: 10.1038/s41416-018-0358-5
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