Hodentumoren: erste S3-Leitlinie finalisiert

Aus einer großen Anzahl hochwertiger internationaler Konsensuspapiere filterte ein Expertengremium aus fünf Fachgesellschaften und 15 Arbeitsgruppen unter Beteiligung von Patientenvertretern evidenz- und konsensbasierte Handlungsempfehlungen für Ärzte und Patienten heraus.

Arzt Gespraech Patient

Mit jährlich rund 4.000 Neuerkrankungen sind Keimzelltumoren des Hodens die häufigste Krebserkrankung bei Männern zwischen 20 und 44 Jahren. Keimzelltumoren des Hodens zählen zu den Krebserkrankungen mit den höchsten Überlebenswahrscheinlichkeiten und entsprechend hohen relativen 10-Jahres-Überlebensraten von 95%.

Allerdings zeigen Analysen des Nationalen Zweitmeinungsprojekts Hodentumor nach zehn Jahren Laufzeit und über 6.000 Zweitmeinungen, dass jede fünfte Zweitmeinung zu einer Optimierung der Therapieplanung führt.

„Die S3-Leitlinie soll die Prognose für alle Patienten verbessern und Über- sowie Untertherapie vermeiden“, sagt DGU-Leitlinienkoordinatorin Professor Dr. Sabine Kliesch. Die Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzelltumoren des Hodens“ enthält in zwanzig Kapiteln auf 240 Seiten evidenz- und konsensbasierte Handlungsempfehlungen für die an der Behandlung beteiligten Ärzte sowie für die Patienten.

Empfehlungen für die Nachsorge

Die neue S3-Leitlinie gibt folgende Empfehlungen zur Nachsorge:

  • Patienten mit metastasiertem Hodenkrebs sollen in Einrichtungen mit ausgewiesener Expertise behandelt werden.
  • Bei der Nachsorge sollte zur Minderung der Strahlenbelastung die Computertomographie des Abdomens und Beckens durch die Magnetresonanztomographie ersetzt werden, wenn diese an Zentren mit ausgewiesener Erfahrung erfolgen.
  • Für eine adäquate Nachsorge zum Ausschluss eines Rezidivs empfiehlt die Leitlinie den verschiedenen Risikogruppen entsprechende Nachsorgeuntersuchungen und stellt tabellarische Pläne zum Download zur Verfügung.
  • Außerdem berücksichtigt die Leitlinie therapiebedingte Spätfolgen und Langzeitschäden wie den Testosteronmangel oder kardiovaskulären Risiken und legt besonderes Augenmerk auf den Fertilitätserhalt. Spätestens vor Beginn einer Chemo- oder Strahlentherapie soll den Patienten die Kryokonservierung von Spermien angeboten werden. Die Kostenübernahme für diese Maßnahme durch die Krankenkassen stehe unmittelbar bevor, betont Kliesch.

Vorgehen bei Risikofaktoren

Es werden Empfehlungen zum allgemeinen Screening sowie zum Verhalten beim Vorliegen von Risikofaktoren gegeben:

  • Ein allgemeines Screening zur Früherkennung empfiehlt das Expertengremium nicht, hält jedoch die regelmäßige Selbstuntersuchung der Hoden insbesondere bei jungen Männern für sinnvoll. „Anleitung zur Selbstuntersuchung gibt die DGU auf ihrem Internetportal, das Jugendliche und Männer ab dem Pubertätsalter zur regelmäßigen Eigenuntersuchung der Hoden aufruft“, erinnert DGU-Pressesprecher Professor Wülfing.
  • Bei Vorliegen von Risikofaktoren sollte ein möglicher Keimzelltumor abgeklärt werden. Anerkannte Risikofaktoren sind die Vorerkrankung mit einseitigem Hodentumor, ein Hodenhochstand, eine positive Familienanamnese sowie Infertilität.

Ausbau des Leitlinienprogramms

Mit der Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzelltumoren des Hodens“ haben die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. und das Leitlinienprogramm Onkologie ihr Leitlinienangebot erneut ausgebaut und nach den S3-Leitlinien zum Prostatakarzinom, zum Nierenzellkarzinom und dem Harnblasenkarzinom nun die vierte onkologische Leitlinie höchster Klassifikation publiziert. Eine begleitende Patientenleitlinie zu Hodentumoren ist derzeit in Arbeit.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 06.06.2019

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