Neue S3-Leitlinie zu Kehlkopfkrebs

Erstmals behandelt eine Leitlinie maligne Tumore des Kehlkopfes. Die Leitlinie soll eine frühere Diagnose und die richtige Therapieentscheidung ermöglichen.

Palpation Halsregion

Das Larynxkarzinom (Kehlkopfkrebs) ist die dritthäufigste Krebserkrankung im Kopf-Hals-Bereich. Männer sind siebenmal häufiger betroffen als Frauen. Am häufigsten tritt die Erkrankung zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf.

Zur Therapie existieren zahlreiche Optionen, die bisher sehr uneinheitlich umgesetzt werden, so die Autoren der Leitlinie. Dies soll sich mit der neuen Leitlinie ändern. „Vor allem die Entscheidung über ein an die spezielle Situation angepasstes Therapieverfahren beim Kehlkopfkrebs erfolgt bislang immer noch sehr unterschiedlich“, erklärt Professor Dr. Friedrich Bootz von der Universitätsklinik Bonn, Koordinator der neuen S3-Leitlinie [1]. „Die Leitlinie legt die Grundlage für eine verbesserte Entscheidungsfindung über die optimale Behandlung im individuellen Fall.“

Inhalt der Leitlinie zum Larynxkarzinom

An der Erstellung der Leitlinie waren insgesamt zwanzig Fachgesellschaften und Organisationen beteiligt. Federführend bei der Erstellung war die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. (DGHNO-KHC).

Die Leitlinie deckt von der Früherkennung bis zur Nachsorge alle relevanten Bereiche ab und ist in einer Kurz- und einer Langversion verfügbar [2]. In verschiedenen Abschnitten wird die aktuelle Evidenzlage zu Diagnostik, therapeutischen Verfahren, Früherkennung, funktioneller Rehabilitation nach Therapie, Therapieempfehlungen zur Behandlung der Lymphabflusswege, Konzepte der palliativen Therapie und Nachsorge aufgeführt.

Empfehlungen zur Therapie von Larynxkarzinomen

Bei über der Hälfte der Tumoren im Kopf-Halsbereich sind diese zum Zeitpunkt der Diagnose bereits lokal fortgeschritten. Interdisziplinär abgestimmte komplexe Therapieverfahren sind notwendig. In Abhängigkeit von Lokalisation und Stadium des Tumors bestehen verschiedene Therapiemöglichkeiten. Grundsätzlich sollten resektable Tumore operativ entfernt werden. Bei bereits fortgeschrittenen Tumoren kann eine adjuvante Radiotherapie oder Radiochemotherapie erfolgen. Im nicht-resektablen Stadium können verschiedene Therapieverfahren von Radiochemotherapie über Induktionschemotherapie mit anschließender OP und Radiotherapie bzw. Radiochemotherapie gewählt werden.

Empfehlungen zur Auswahl und Durchführung der verschiedenen Optionen gibt die neue S3-Leitlinie. Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem, nicht metastasiertem Larynxkarzinom empfiehlt die Leitlinie beispielsweise die Radiochemotherapie als Standard, da hier das Gesamtüberleben im Vergleich zur alleinigen Radiotherapie signifikant besser ist.

Patienten über Einschränkungen aufklären

„Die verschiedenen Behandlungsstrategien beim Kehlkopfkrebs sind jeweils mit spezifischen Vor- und Nachteilen verbunden. Vor Behandlungsbeginn ist es deshalb wichtig, im interdisziplinären Dialog für jeden Patienten das individuell bestmögliche Konzept zu ermitteln. Da mehrere Funktionen, wie Stimmbildung, Schlucken und Atmung beeinträchtigt sein können, müssen den Betroffenen die möglichen Störungen, die nach einem solchen Eingriff entstehen können, detailliert erklärt werden“, betont Professor Dr. Susanne Singer von der Universitätsmedizin Mainz.

HPV-Infektionen und Kehlkopfkrebs

Die Leitlinie behandelt auch Risikofaktoren, die zur Entstehung von Larynxkarzinomen führen können. Neben Alkohol- und Tabakkonsum als Risikofaktoren geht die Leitlinie auch auf Infektionen mit Humanen Papillom-Viren (HPV) ein.

Im Gegensatz zum Oropharynxkarzinom ist die Infektion mit Hochrisiko-Typen von HPV, besonders HPV16, als Risikofaktor zur Entstehung eines Larynxkarzinoms weniger bedeutend. Aktuelle Untersuchungen, die bei der Erstellung der Leitlinie zu Rate gezogen wurden, stufen die Rate HPV-positiver Larynxkarzinom im Vergleich zu älteren Untersuchungen herab. Die Rate wird mit 5,7% angegeben. Um eine kausale Beteiligung bei HPV-positiven Patienten mit Larynxkarzinom zu untersuchen, muss zusätzlich der Nachweis der mRNA der viralen Onkoproteine E6 oder E7 erfolgen. Der alleinige Nachweis einer p16(INK4A)-Proteinexpression sei „beim Larynxkarzinom im Gegensatz zum Oropharynxkarzinom kein guter Surrogatmarker für einen HPV-assoziierten Tumor“, heißt es in der Leitlinie.

Fazit

Die Autoren möchten mit der Leitlinie erreichen, dass Patienten in einem früheren Stadium zur Therapie kommen. Dies soll durch die Empfehlungen zur standardisierten Diagnose und Maßnahmen zur Früherkennung gelingen. Weiterhin soll die Leitlinie beim Erreichen therapeutischer Ziele unterstützen.

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 21.03.2019

Quelle:
  1. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. (DGHNO-KHC), Deutsche Krebsgesellschaft e. V., Pressemeldung, 19.03.2019
     
  2. S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Larynxkarzinoms“, AWMF-Registernummer: 017/076OL, Stand Januar 2019
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