Neue S3-Leitlinie Palliativmedizin in der Onkologie

Die S3-Leitlinie für die Behandlung von Patienten mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung wurde jetzt aktualisiert und um acht Kapitel erweitert. So wurden außer dem Thema Fatigue auch Empfehlungen aufgenommen, wie mit den Todeswünschen mancher Patienten umzugehen ist.

Palliativmedizin

Die aus dem Jahr 2015 stammende S3-Leitlinie „Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung“ wurde nun turnusgemäß unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) aktualisiert und erweitert. Hinzu kamen auch acht neue Kapitel

  • Therapiezielfindung und Kriterien der Entscheidungsfindung
  • Fatigue
  • schlafbezogene Erkrankungen / nächtliche Unruhe
  • Übelkeit und Erbrechen (nicht Tumortherapie-induziert)
  • maligne intestinale Obstruktion
  • maligne Wunden,
  • Angst
  • Todeswünsche

Therapieoptionen bei Fatigue

Eigentlich erstaunlich, dass sich die Experten aus 70 verschiedenen Fachgesellschaften und Organisationen erst in dieser Version der Leitlinie dem Thema tumorbedingter Fatigue – der dauerhaften körperlichen, kognitiven und emotionalen Erschöpfung – angenommen haben. Denn die meisten der betroffenen Patienten werden nicht ausreichend versorgt. Das liegt unter anderem daran, dass die Standard-Maßnahmen für Fatigue meist langwierig ist und demzufolge für Palliativpatienten mit ihrer sehr eingeschränkten Lebenserwartung nicht mehr infrage kommen. Dennoch gibt es Behandlungsmöglichkeiten, die sich vor allem an den Symptomen orientieren sollten – beispielsweise Medikamente, Bewegungs- oder auch Verhaltenstherapien, so Prof. Dr. Claudia Bausewein vom Klinikum der Universität München, ebenfalls Koordinatorin der Leitlinie und Vorstandsmitglied der DGP.

Tipps zur Versorgung maligner Wunden

Ebenfalls verwunderlich ist, dass sich das Expertengremium erst in dieser Leitlinien-Ausgabe mit „Malignen Wunden“ befasst. Als maligne Wunde wird der Durchbruch des Tumors durch die Haut bezeichnet. Dies Wunden sind meist sehr schmerzhaft − besonders bei Verbandwechseln. Hier empfiehlt die Leitlinie unter anderem, die Analgetika-Dosis präventiv vor der pflegerischen Maßnahme zu erhöhen. Zudem neigen maligne Wunden häufig zu Blutungen. Das kann gerade bei Tumorpatienten, die oftmals thrombosegefährdet sind und daher Gerinnungshemmer erhalten, zu Risiken führen.

Mit besserer Symptomkontrolle dem Todeswunsch entgegenwirken

Ziel der Leitlinie ist es, die Symptomkontrolle und somit auch die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und Ärzten sowie allen an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen evidenzbasierte Handlungsempfehlungen zu geben. Dazu gehören auch der psychoonkologische Bereich. Hier haben sich die Leitlinienautoren dem schwierigen Thema Todeswunsch angenommen. Dass schwer krebskranke Patienten mit starken Schmerzen oder ständiger Atemnot ihrem Leiden ein Ende bereiten wollen, ist nachvollziehbar. Dieser Todeswunsch muss von den Behandlern wahrgenommen und professionell sowie verantwortungsvoll begleitet werden. In der neuen Leitlinie werden deshalb Strategien zum Umgang mit dem Todeswunsch aufgezeigt – vor allem wird hier auf eine verbesserte Symptomkotrolle gesetzt.

Neue Leitlinie soll bis 2024 gelten

Die Leitlinie, die bis 2024 Gültigkeit behalten soll, kann abgerufen werden unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/palliativmedizin/

Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert. Android-Smartphone-Nutzer finden die App hier. iPhone-Nutzer können die Leitlinien-App hier herunterladen.

Autor: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 26.09.2019

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