Schwangerschaft senkt Brustkrebsrisiko – unter bestimmten Bedingungen

Es ist bekannt, dass Schwangerschaften einen gewissen Schutz vor Brustkrebs bieten können. Ab welcher Schwangerschaftswoche die protektive Wirkung beginnt, war bislang unbekannt. Eine in nature communications publizierte Studie hat jetzt das Zeitfenster für eine schwangerschaftsbedingte Brustkrebsrisiko-Reduktion definiert.

Schwangere Babybauch

Hintergrund

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Dass das Brustkrebsrisiko sowohl durch die Zahl der Geburten als auch durch das Alter der Frau bei der Geburt beeinflusst werden kann, ist seit langem bekannt. So können Geburten vor dem 30. Lebensjahr vor Brustkrebs schützen. Dabei verringert sich das Risiko mit jeder weiteren vollendeten Schwangerschaft. Kurzzeitige Schwangerschaften, z. B. aufgrund von Frühgeburten oder Abtreibungen, haben hingegen keinen protektiven Effekt. Eine dänisch-norwegische Arbeitsgruppe hat jetzt ermittelt, wie lange eine Schwangerschaft mindestens andauern muss, um das Brustkrebsrisiko langfristig zu reduzieren.

Zielsetzung

Ziel dieser Kohortenstudie war es, den Zusammenhang zwischen der Dauer einer Schwangerschaft und dem langfristigen Risiko von Brustkrebs zu untersuchen [1]. Es sollte die minimale Schwangerschaftsdauer bestimmt werden, die mit einer Senkung des Brustkrebsrisikos bei Frauen assoziiert ist. Dadurch sollen Erkenntnisse der potenziell protektiven Mechanismen gewonnen werden.

Methodik

Unter Verwendung der dänischen nationalen Register für Geburten und Krebs hat die Arbeitsgruppe um Mads Melbye, Leiter des Statens Serum Institut in Kopenhagen, eine landesweite Kohorte mit über 2,3 Millionen Frauen implementiert. Die über einen Zeitraum von durchschnittlich 20 Jahren erhobenen Daten der Frauen wurden analysiert und dabei mehr als 3 Millionen Geburten erfasst. Etwa 2,7% der Frauen erkrankten im Beobachtungszeitraum an Brustkrebs. Schließlich wurden die Daten mit denen einer äquivalenten norwegischen Kohorte von 1,6 Millionen Frauen abgeglichen, um das Ergebnis zu verifizieren.

Ergebnisse

Wie erwartet fanden die Autoren eine Senkung des Brustkrebsrisikos in Abhängigkeit vom Alter der Frau bei der Geburt. Die erste Geburt vor dem 30. Lebensjahr senkte das langfristige Brustkrebsrisiko um durchschnittlich 5%, die zweite Geburt um 6,4% und die dritte Geburt um 9,4%. Bei Geburten, die mit 30 Jahren oder später erfolgten, war keine konsistente Risikoreduktion zu beobachten. Die Forscher konnten in der Population der Unter-30-jährigen Mütter eine Korrelation zwischen der Schwangerschaftsdauer und dem selteneren Auftreten von Brustkrebs nachweisen: Nur Schwangerschaften von 34 Wochen oder länger waren mit einem signifikant reduzierten späteren Brustkrebsrisiko von 12,9% pro Geburt assoziiert. Bei einer Schwangerschaftsdauer von 33 Wochen oder weniger war kein protektiver Effekt erkennbar.

Um den Einfluss des Stillens zu untersuchen, wurden die Auswirkungen von Totgeburten auf das Brustkrebsrisiko betrachtet. Dabei zeigte sich, dass sowohl Lebend- als auch Totgeburten mit einem verringerten Brustkrebsrisiko verbunden waren, jedoch nur bei einer Geburt in Woche 34 oder später. Offenbar spielt das Stillen bei der Risikoreduktion eine untergeordnete Rolle.

Die Forscher replizierten ihre Analysen in einer vergleichbaren norwegischen Kohorte. Auch hier war erst ab der 34. Schwangerschaftswoche eine Schutzwirkung zu verzeichnen. Die durchschnittliche Verringerung des langfristigen Brustkrebsrisikos betrug in dieser Kohorte 14,5%. Was sich bei Frauen in der 34. Schwangerschaftswoche verändert und welche biologischen Mechanismen in diesem engen Zeitfenster zu der Schutzwirkung führen, bleibt jedoch nach wie vor ein Rätsel.

Fazit

In dieser großen Kohortenstudie wird gezeigt, dass eine schwangerschaftsbedingte, langfristige Senkung des Brustkrebsrisikos nur erfolgt, wenn mindestens zwei Voraussetzungen erfüllt sind:

  • die Geburt erfolgt vor dem 30. Lebensjahr
  • die minimale Schwangerschaftsdauer beträgt 34 Wochen. Bei einer Schwangerschaftsdauer von 33 Wochen oder weniger ist keine Brustkrebsrisiko-Reduktion zu beobachten.

Autor: Dr. Gabriele Dufhues (Medizinjournalistin)

Stand: 13.11.2018

Quelle:
  1. Husby et al. (2018): Pregnancy duration and breast cancer risk. Nature Communications. DOI: 10.1038/s41467-018-06748-3
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