Kinder: Lokal anzuwendende Medikamente nicht immer geeignet

Nicht alle lokal anzuwendenden Medikamente sind auch für Kinder und Säuglinge geeignet. Manche von ihnen führen zu Hautreaktionen und schweren Nebenwirkungen.

Kind Hautjucken

Der diesjährige Tag der Apotheke am 7. Juni 2019 stand unter dem Motto „Richtige Medikation für Kinder“. Anlässlich des bundesweiten Tag der Apotheke informierte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. (ABDA) über das Nebenwirkungsrisiko verschiedener Substanzen bei der Auftragung auf die Haut von Kindern.  Prof. Dr. med. Peter Höger, Chefarzt der Abteilungen Pädiatrie und Pädiatrische Dermatologie am Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmsstift in Hamburg und Mitglied der Kommission des Neuen Rezeptur Formulariums (NRF), informierte dabei darüber, dass das die Gefahr von Hautreaktionen und anderen Nebenwirkungen nicht nur bei Arzneimitteln, sondern auch bei Kosmetika gegeben ist.

Empfindliche Kinderhaut

Kinderhaut unterscheidet sich deutlich von der Erwachsenenhaut. Kinder besitzen eine wesentlich dünnere Haut. Ihre Oberfläche ist bezogen auf das Körpergewicht viel größer. Die kindliche Hautbarriere ist noch unreif und die Anzahl der Talgdrüsen pro Fläche höher. Verschiedene Substanzen können deshalb leichter durch die Haut aufgenommen werden und ins Blut gelangen.

Neomycin, Gentamicin und Silber-Sulfadiazin nicht auf Kinderhaut

Lokal angewendete Antibiotika, die Neomycin, Gentamicin oder Silber-Sulfadiazin enthalten, können nach Resorption bei Kindern systemische Nebenwirkungen hervorrufen oder Kontaktallergien verursachen. Viele Bakterien sind zudem gegen sie resistent.

Benzocain, Lidocain oder Prilocain – Gefahr einer Methämglobinämie

Lokalanästhetika, die Benzocain, Lidocain oder Prilocain enthalten, können bei Kindern zu einer Methämoglobinämie führen.

Säuglinge & alkoholische Lösungen

Alkoholische Lösungen können bei Säuglingen auch dann das Gehirn oder die Leber schädigen, wenn sie auf die Haut aufgetragen werden.

Kein DEET bei Kindern

Die großflächige Anwendung von Antirepellentien mit dem Wirkstoff N,N-Diethyl-m-toluamid, kurz DEET, ist für Kinder ungeeignet. Es kann zu Nervenschäden kommen.

Duftstoffe

Viele Duftstoffe können Irritationen und Kontaktallergien hervorrufen. Ihr Einsatz ist besonders bei Kindern kritisch zu betrachten.

Kosmetika

Prof. Dr. med. Höger warnt auch vor Kosmetika, seiner Aussage zufolge erhalten bereits Säuglinge im Schnitt 8 verschiedene Hautpflegeprodukte mit durchschnittlich 48 verschiedenen Inhaltsstoffen.  Er plädiert ganz klar für weniger, weist aber auch darauf hin, dass der Begriff "hypoallergen" rechtlich nicht geschützt und in erster Linie Marketingzwecken dient. Pflegeprodukte mit Wollwachsalkoholen beispielsweise können zu Kontaktallergien führen.

Kein Sonnenschutz mit Octocrylen und Ethylhexal-Methoxy-Cinnamat (EHMC) bei Kindern unter 6 Jahren

UV-Filtersubstanzen wie Octocrylen oder Ethylhexyl-Methoxy-Cinnamat (EHMC) sollten keinesfalls bei Kindern bis zum Schulalter eingesetzt werden, so Prof. Dr. Höger. Bei ihnen solle man lieber zu Sonnenschutzcremes mit Mikropigmenten wie Zinkoxid oder Titandioxid greifen, deren Schutz rein physikalisch funktioniert. Der von den Eltern häufig als störend betrachtete Weißungseffekt spielt für Kinder noch keine Rolle, während UV-Filter, die in die Haut einziehen, bei Kindern durch die Haut ins Blut aufgenommen werden können. Einige dieser Substanzen können bei Kindern östrogene Wirkungen haben.

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 12.06.2019

Quelle:

Pressemeldung der ABDA, abgerufen am 12.06.2019

  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige