Asthma- und COPD-Management Programme enttäuschen

In Deutschland fehlen Studien mit hohem Evidenzgrad zur Evaluierung von Disease-Management-Programmen. Eine randomisierte Studie bewertete nun den Nutzen der aktuellen Asthma- und COPD-Disease-Management-Programme und kam zu einem ernüchternden Ergebnis.

Asthma - Inhalator

Hintergrund

Die Disease-Management-Programme (DMP) Asthma und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (chronic obstructive pulmonary disease [COPD]) wurden 2002 in Deutschland eingeführt. Sie haben zum Ziel, die Versorgung der Patienten zu verbessern, die Symptomkontrolle zu optimieren und Exazerbationen vorzubeugen. Die Teilnahme an den DMPs ist für Ärzte und Patienten freiwillig.

Bausteine der DMP

Diagnostik und Therapie der DMP basieren auf den Kriterien der evidenzbasierten Medizin. Schulungsprogramme sollen den eigenverantwortlichen Umgang der Patienten mit ihrer Erkrankung unterstützen und die Therapietreue fördern. Eine bundesweit einheitliche elektronische Dokumentation wurde zur Qualitätssicherung und Evaluation der Programme eingeführt.

Kein Wirksamkeitsnachweis

Im Ausland ist die Wirksamkeit von DMPs durch randomisierte Studien belegt. In Deutschland gibt es solche Studien bislang nicht. Der Evidenzgrad der vorgeschriebenen Dokumentation (Beobachtungsstudie) ist gering, weil eine Kontrollgruppe fehlt. Mit den bisherigen Daten können weder Wirksamkeit noch Nutzen der DMP belegt werden.

Zielsetzung

Die multizentrische randomisierte Querschnittstudie in 39 Arztpraxen hatte zum Ziel, festzustellen, ob es hinsichtlich der Krankheitskontrolle Unterschiede zwischen Teilnehmern [DMP(+)] und Nicht-Teilnehmern [DMP(-)] an den Asthma- und COPD-Disease-Management-Programmen in Deutschland gibt.

Methodik

Die Teilnehmer wurden beim regulären Besuch in ihrer Arztpraxis rekrutiert. Eingeschlossen wurden erwachsene Patienten, deren Diagnose Asthma oder COPD mindestens ein Jahr zurücklag. DMP(+)-Teilnehmer sollten seit mindestens einem Jahr an den Programmen teilnehmen. Die Teilnehmer wurden durch COPD oder Asthma bedingte Fehltage, Krankenhauseinweisung sowie der Dauer von Krankenhausaufenthalten befragt und mussten spezifische Fragebögen ausfüllen. Ergänzend füllten die behandelnden Ärzte Fragebögen zu den medizinischen Daten des Patienten aus.

Eingesetzte Patienten-Fragebögen

Folgende Fragbögen mussten die Patienten ausfüllen:

  • Asthma-Control-Test™ (ACT) / Asthmapatienten
  • Mini Asthma Quality of Life Questionnaire (MiniAQLQ) / Asthmapatienten
  • COPD-Assessment- Test™ (CAT; 12) / COPD-Patienten
  • self-reported Chronic Respiratory Questionnaire (CRQ-SAS) / COPD-Patienten
  • Health Anxiety and Depression Scale (HADS) / alle
  • Fear Avoidance (FEAV) / alle
  • Skalen zur sozialen Unterstützung bei Krankheit (SSUK) / alle.

Endpunkte der Studie

Primäre Endpunkte der Studie waren die Krankheitskontrolle (ACT-Score/Asthma) und die Beeinträchtigung durch die Erkrankung (CAT/COPD). Sekundäre Endpunkte waren unter anderem die Medikation des Patienten, seine Lebensqualität, die Vermeidung von Ängsten, Ängste und Depressionen und soziale Unterstützung.

Ergebnisse

Im Rahmen der Studie wurden die Angaben und medizinischen Daten von 1038 Asthma-Patienten und 846 Patienten mit COPD ausgewertet. Rund 70% der Patienten nahmen an einem DMP teil (Asthma 69,45 %/ COPD 66%). Patienten in der DMP(+)-Gruppe waren meist länger erkrankt als Patienten in der DMP(-)-Gruppe.

Asthma-Patienten

Bei den Asthma-Patienten lag der ACT in der DMP(+)-Gruppe im Durchschnitt um 0,86 Punkte (95 % KI: 0,29-1,43; p = 0,003) höher als in der Gruppe DMP(-). Der statistisch signifikante Unterschied ist jedoch nicht klinisch relevant, weil hierfür mindestens eine Differenz von 3 Punkten im ACT-Score definiert ist. Hinsichtlich der sekundären Endpunkte waren keine Unterschiede zwischen den Gruppen festzustellen.

COPD-Patienten

Hinsichtlich der Beeinträchtigung durch die COPD (CAT) gab es keinen Unterschied zwischen DMP(+) und DMP(-) (MWDiff -0,52; 95% KI: 0,71 – 1,75; p = 0,405). Dies galt auch für die sekundären Endpunkte der Studie. Allenfalls die Bewältigung von Angst und das Auftreten von Ängsten und Depressionen fielen bei den DMP(+)-Patienten etwas günstiger aus.

Fazit

Insgesamt konnten die Autoren keinen klinisch relevanten Unterschied zwischen den Gruppen mit und ohne DMP feststellen. Da im Ausland die Wirksamkeit von DMPs in klinisch randomisierten Studien bewiesen wurde, könnte das darauf hinweisen, dass bei den deutschen Management-Programmen Optimierungsbedarf besteht. Darüber hinaus müssen für die DMPs begleitende randomisierte Studien initiiert werden, um die Programme laufend und evidenzbasiert zu evaluieren.

Die Studie wurde durch die Mundipharma GmbH finanziert.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 14.12.2018

Quelle:
  1. Kanniess et al. (2018): Wirksamkeit von Disease-Management-Programmen für Asthma und COPD? Ergebnisse einer Querschnittstudie. Deutsche medizinische Wochenschrift, DOI: 10.1055/a-0672-2461
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