Früherkennung der bronchopulmonalen Dysplasie

Die Früherkennung der bronchopulmonalen Dysplasie mittels Bildgebung war bislang aufgrund der hohen Belastung für die Frühchen nicht möglich. Mit einem innovativen MRT-Protokoll gibt es nun ein schonendes Bildgebungsverfahren zur Diagnostik der Entwicklungsstörung.

MRT

Hintergrund

Die Beatmung von Frühgeborenen mit unreifer Lunge kann eine bronchopulmonale Dysplasie (BPD) hervorrufen. Die BPD führt zu einer Beeinträchtigung der Lungenentwicklung. Bei den Betroffenen bestehen häufig bleibende Einschränkungen der Lungenkapazität und-funktion sowie eine erhöhtes Risiko für die Entwicklung chronischer Lungenerkrankungen (CLE) im Erwachsenenalter.

Früherkennung zur Schadensbegrenzung

Wenn man frühzeitig therapeutisch eingreifen könnte, wäre es eventuell möglich den Schaden durch die BPD zu begrenzen. Eine Früherkennung gibt es jedoch nicht. „Bis jetzt kann nur sehr spät und wenig differenziert diagnostiziert werden, welches Baby die Lungenerkrankung entwickelt und welches nicht“, berichtet Privatdozentin Dr. Anne Hilgendorff. Sie leitet die Arbeitsgruppe „Mechanismen der chronischen Lungenerkrankung bei Neugeborenen“ am Institut für Lungenbiologie (ILBD) und am Comprehensive Pneumology Center (CPC) des Helmholtz Zentrums München [1].

Bildgebung ohne schädliche Strahlung

Die Früherkennung scheiterte bislang auch daran, dass für die Kontrolle der Lungenentwicklung der Frühgeborenen keine geeignete bildgebende Diagnostik ohne schädliche Strahlung und ohne die Notwendigkeit einer Narkose zur Verfügung stand. Ein neues MRT-Protokoll und die Nutzung des Spontanschlafs der Frühgeborenen eröffnet nun jedoch die Möglichkeit, die Entwicklung der Lungen genau zu beobachten, ohne die Kinder schädlicher Strahlung auszusetzen [2].

Zielsetzung

Das Ziel der Studie bestand darin, auf MRT-Aufnahmen nach einem neuen Protokoll hochsensitive Kennzeichen für die BPD zu identifizieren und zu validieren.

Methodik

In der prospektiven Studie wurden 61 Frühgeborene im Schwangerschaftsalter von 36 Wochen untersucht. Zum Zeitpunkt der MRT-Untersuchung atmeten die Frühgeborenen selbstständig. Die Untersuchungen wurden vorgenommen, wenn die Kinder nach einer Mahlzeit spontan schliefen. Der Spontanschlaf der Kinder während der Untersuchung konnte durch eine spezielle Bettung natürlich (ohne Narkose) aufrechterhalten werden.

MRT-Untersuchung

Die Untersuchung wurde mit einem 3-Tesla-Ganzkörper-Scanner nach einem neuen MRT-Protokoll durchgeführt. Um die lungenstrukturellen Änderungen von Frühgeborenen mit BPD zu erfassen und zu charakterisieren wurden transverse (T2) und longitudinale (T1) Kartierungssequenzen genutzt. Darüber hinaus fanden Lungenfunktionsüberprüfungen nach amerikanischen und europäischen Leitlinien für spontanatmende Kinder statt.

Ergebnisse

Erhöhte T2- und erniedrigte T1-Relaxationszeiten auf den MRT-Aufnahmen zeigten strukturelle Veränderungen, die auf eine BPD hinwiesen. Diese strukturellen Charakteristika korrelierten auch mit den Daten aus den Lungenfunktionsprüfungen und der weiteren Lungenentwicklung bzw. dem weiteren Behandlungsbedarf der Frühgeborenen.

Fazit

Hilgendorff zieht folgendes Fazit aus den Ergebnissen: „Unsere Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt in Richtung einer verbesserten, bildgebenden Phänotypisierung von Säuglingen mit Krankheitsrisiko.“ Die neue Methode zur Früherkennung der BPD könne genutzt werden, um die Überwachung und Betreuung von Frühgeborenen individuell zu optimieren.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 14.05.2019

Quelle:
  1. Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, Pressemitteilung, 08.05.2019
     
  2. Förster et al. (2019): Altered Relaxation Times in Magnetic Resonance Imaging Indicate Bronchopulmonary Dysplasia. Thorax, DOI: 10.1136/thoraxjnl-2018-212384
     
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