Neue Leitlinie: Hustendiagnostik und -therapie

Im Hintergrundtext der neuen Husten-Leitlinie liegt ein Schwerpunkt auf der Physiologie des Hustens, weil hier in den kommenden Jahren innovative Therapieansätze erwartet werden. Darüber hinaus enthält sie den aktuellen Wissensstand über extrapulmonale Hustenursachen.

Husten

Hintergrund

Akuter Husten tritt meist als Symptom viraler Infekte der oberen Atemwege auf und bessert sich nach zwei Wochen von selbst. „Sofern keine schwerwiegenden Symptome wie Bluthusten, Atemnot oder hohes Fieber vorliegen, sind in der Regel keine weiteren Untersuchungen notwendig“, sagt Dr. med. Peter Kardos von der Lungenpraxis an der Klinik Maingau in Frankfurt am Main und federführender Autor der 2019 S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) zur Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten [1].

Systematische  Aufarbeitung des Hustens

Husten, der mehr als zwei und bis zu acht Wochen anhält, gilt als subakuter Husten. Er kann durchaus noch infolge einer Erkältung auftreten. Ein chronischer Husten, der seit mehr als acht Wochen besteht, muss radiologisch und per Lungenfunktionstests  abgeklärt werden. Neben dieser Klassifikation enthält die aktualisierte Leitlinie insgesamt 48 auf Konsensus beruhende Empfehlungen und 16 Statements zur systematischen Diagnostik und Therapie des Symptoms Hustens [2].

Blick über den Tellerrand

Ein Merkmal der aktuellen Leitlinie ist die eingehende Darstellung  der Physiologie des Hustens. Die Autoren haben diesem Thema besondere Aufmerksamkeit gewidmet, weil neue Medikamente zur Linderung chronischen Hustens in Entwicklung sind. „Die klinischen Tests sind jedoch noch nicht abgeschlossen.“; erklärt Kardos. Darüber hinaus wird in der Leitlinie die aktuelle  diagnostische und therapeutische Herangehensweise an extrapulmonale Hustenursachen ausführlich beschrieben.

Zielsetzung

Die aktualisierte Leitlinie richtet sich in erster Linie an Pneumologen und soll auf kommende therapeutische Entwicklungen vorbereiten. Darüber hinaus soll  die Leitlinie dem Pneumologen die neuesten Kenntnisse über extrapulmonale Ursachen des Hustens aus den entsprechenden Nachbardisziplinen vermitteln.

Neue Potentielle Therapieansätze

Als Ursache des chronischen idiopathischen  Hustens vermutet man eine Hypersensitivität des Hustenreflexes durch eine gesteigerte Empfindlichkeit der Hustenrezeptoren  oder veränderte zentrale Hustenprozesse. Man nimmt an, dass hierbei neuronale TRP-Kanälen (transient receptor potential channels) und ATP-getriggerten P2-Purino-Rezeptoren (P2X3) beteiligt sind. Antitussive Effekte vom P2X3-Rezeptor-Antagonist AF-219 bzw. MK 7264 wurden nachgewiesen. Substanzen gegen TRPV1 und TRPA1 zeigten bisher keine relevanten antitussiven Effekte.

Extrapulmonale Hustenursachen

Bei Husten unter ACE-Hemmer-Einnahme sollte in jedem Fall ein Auslassversuch vor Beginn der weiteren Diagnostik durchgeführt werden. Wenn bei einem chronischen Husten keine pulmonale Ursache festgestellt werden kann, sollte nach  einer Erkrankung der oberen Atemwege (Rhinosinusitis, Pharyngitis, Laryngitis oder Vocal cord dysfunction mit laryngealer Hyperreagibilität) gesucht werden. Danach sollte Husten als Asthmaäquivalent oder infolge gastroösophagealer Refluxkrankheit abgeklärt werden.

Fazit

Die auf Konsensus beruhende 2019 S2k-Leitlinie der DGP bereitet in erster Linie Pneumologen auf kommende Entwicklungen vor und vermittelt  den Lungenspezialisten den aktuellen Wissenstand aus Nachbardisziplinen zur diagnostischen und therapeutischen Aufarbeitung des extrapulmonalen Hustens.  Die Husten-Leitlinie für Allgemeinärzte der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin aus dem Jahre 2014 bleibt davon unberührt und behält vorerst ihre Gültigkeit.

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

Stand: 16.04.2019

Quelle:
  1. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.: Wenn der Husten einfach nicht aufhört: Sodbrennen und entzündete Nasenhöhlen können dahinter stecken. Pressemitteilung 9. April 2019 https://pneumologie.de/fileadmin/user_upload/Presse/2019-04_PM_Husten_F.pdf
     
  2. Kardos, Dinh, Fuchs et al.: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zur Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten. Pneumologie 2019; 73 (3); S.140–177  doi.org/10.1055/a-0808-7409  https://www.pneumologie.de/publikationen/leitlinien/
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