Rote-Hand-Brief zu Adenuric (Febuxostat) und anderen febuxostathaltigen Arzneimitteln

Adenuric und andere febuxostathaltige Arzneimittel weisen ein erhöhtes Risiko für kardiovaskulär bedingte Mortalität und Gesamtmortalität in der CARES-Studie auf. Patienten mit bestehender schwerer kardiovaskulärer Erkrankung sollten deshalb nicht mit Febuxostat behandelt werden, wenn es andere Therapieoptionen gibt.

Rote-Hand-Brief

Die Zulassungsinhaber von febuxostathaltigen Arzneimitteln informieren in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) darüber, dass in der CARES-Studie, einer klinischen Phase-lV-Studie, ein signifikant höheres Risiko für Gesamtmortalität und für kardiovaskulär bedingte Todesfälle bei Patienten mit Gicht und einer schweren kardiovaskulären Erkrankung in der Vorgeschichte ermittelt wurden, wenn diese mit Febuxostat statt mit Allopurinol behandelt wurden.

Zusammenfassung

  • In einer klinischen Phase-IV-Studie (der CARES-Studie) an Patienten mit Gicht und einer schweren kardiovaskulären Erkrankung in der Vorgeschichte wurde bei Patienten, die mit Febuxostat behandelt wurden, ein signifikant höheres Risiko für Gesamtmortalität und für kardiovaskulär bedingte Todesfälle beobachtet als bei Patienten, die mit Allopurinol behandelt wurden.
  • Bei Patienten mit bestehender schwerer kardiovaskulärer Erkrankung (z. B. Myokardinfarkt, Schlaganfall oder instabile Angina pectoris) sollte die Behandlung mit Febuxostat vermieden werden, es sei denn, es bestehen keine anderen Therapiemöglichkeiten.

Die CARES-Studie

Die Phase-IV-Studie CARES (Cardiovascular safety of febuxostat and allopurinol in patients with gout and cardiovascular comorbidities, TMX-67_301) war eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde Nichtunterlegenheitsstudie, die in den USA, Kanada und Mexiko durchgeführt wurde, um die kardiovaskuläre Sicherheit von Febuxostat und Allopurinol bei Patienten mit Gicht und schweren kardiovaskulären Komorbiditäten zu untersuchen. Es wurden über 6.000 Patienten rekrutiert, um die Ergebnisse für kardiovaskuläre Ereignisse bei der Anwendung von Febuxostat mit denen bei Allopurinol zu vergleichen.

Der primäre Endpunkt bei CARES war der Zeitpunkt des ersten Auftretens von schweren, unerwünschten kardiovaskulären Ereignissen (MACE), die sich aus nicht-tödlichem Herzinfarkt (MI), nicht-tödlichem Schlaganfall, kardiovaskulärem Tod und instabiler Angina Pectoris mit dringender Koronarrevaskularisation zusammensetzen. Es erfolgte eine Intention-to-Treat-Analyse (ITT) der primären und sekundären Endpunkte. Dabei wurden alle Patienten einbezogen, die randomisiert worden waren und mindestens eine Dosis der doppelt verblindeten Studienmedikation erhalten hatten.

Insgesamt 56,6 % der Patienten brachen die Prüfbehandlung vorzeitig ab und 45 % der Patienten erschienen während der Studie nicht zu allen Untersuchungen. Insgesamt 6.190 Patienten wurden im Median 32 Monate lang begleitet, die Behandlungsdauer betrug im Median 728 Tage bei Patienten in der Febuxostat-Gruppe (n = 3.098) und 719 Tage in der Allopurinol-Gruppe (n = 3.092).

Der primäre MACE-Endpunkt trat mit vergleichbarer Häufigkeit in den Febuxostat-und Allopurinol-Behandlungsgruppen auf (10,8 % vs. 10,4 % der Patienten; Hazard Ratio [HR] 1,03; 95 %-Konfidenzintervall [CI] 0,87-1,23).

Bei der Analyse der einzelnen Faktoren von MACE (sekundärer Endpunkt) war die Häufigkeit von Todesfällen durch kardiovaskuläre Ursachen bei Febuxostat signifikant höher als bei Allopurinol (4,3 % vs. 3,2 % der Patienten; HR 1,34; 95 % CI 1,03-1,73). Die Häufigkeiten der anderen MACE-Ereignisse waren in der Febuxostat-und der Allopurinol-Gruppe vergleichbar, d. h. nicht-tödlicher MI (3,6 % vs. 3,8 % der Patienten; HR 0,93; 95 % CI 0,72-1,21), nicht-tödlicher Schlaganfall (2,3 % vs. 2,3 % der Patienten; HR 1,01; 95 % CI 0,73-1,41) und dringende Koronarrevaskularisation wegen instabiler Angina Pectoris (1,6 % vs. 1,8 % der Patienten; HR 0,86; 95 % CI 0,59-1,26). Die Gesamtmortalität war bei Febuxostat ebenfalls signifikant höher als bei Allopurinol (7,8 % vs. 6,4 % der Patienten, HR 1,22; 95 % CI 1,01-1,47), was hauptsächlich auf der höheren Häufigkeit von kardiovaskulären Todesfällen in dieser Gruppe beruht.

FAST-Studie

In Europa wurde von den EU-Regulierungsbehörden die Phase-IV-Studie FAST (Febuxostat vs Allopurinol Streamlined Trial) gefordert, um die Sicherheit von Febuxostat im Vergleich zu Allopurinol bei Patienten mit chronischer symptomatischer Hyperurikämie und kardiovaskulären Risikofaktoren zu untersuchen. Die Studie läuft derzeit noch und die Ergebnisse werden bis zum zweiten Quartal 2020 erwartet.

Änderung von Fachinformationen und Packungsbeilagen

Die Fachinformation und die Packungsbeilage werden aktualisiert, um die Ergebnisse der CARES-Studie widerzuspiegeln und um spezifische Empfehlungen für die verschreibenden Ärzte aufzunehmen.

PDF öffnenRote-Hand-Brief Adenuric (Febuxostat)

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 27.06.2019

Quelle:

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und Zulassungsinhaber

  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: