Rote-Hand-Brief zu Lemtrada (Alemtuzumab)

Die EMA überprüft das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Lemtrada, da es unter der Anwendung zu schweren kardiovaskulären Ereignissen, Autoimmunhepatitis und hämophagozytischer Lymphohistiozytose kam.

Rote-Hand-Brief

Der Hersteller Sanofi Belgium Nv informiert in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) über die Einschränkung der Anwendung von Lemtrada (Wirkstoff Alemtuzumab) bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS).

Aufgrund von Berichten nach der Markteinführung zu schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen, neu identifizierter Autoimmunhepatitis und hämophagozytischer Lymphohistiozytose unter Lemtrada-Therapie untersucht die EMA nun das Nutzen-Risiko-Verhältnis des monoklonalen Antikörpers.

Hinweise zur Therapie mit Alemtuzumab

Der Hersteller gibt in dem Rote-Hand-Brief Empfehlungen, die bis zum Abschluss der Überprüfung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses angewendet werden sollten:

  • Eine neue Therapie mit Lemtrada sollte nur bei erwachsenen Patienten mit hochaktiver schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (RRMS) erfolgen, wenn:
    ° bereits eine vollständige und adäquate Therapie mit mindestens zwei anderen krankheitsmodifizierenden Therapien (disease modifying treatments [DMTs]) erfolgt ist oder
    ° alle anderen DMTs kontraindiziert oder aus anderen Gründen nicht geeignet sind.
  • Sowohl vor als auch in regelmäßigen Abständen während der Alemtuzumab-Infusion sollten die Vitalparameter, einschließlich Blutdruck, des Patienten überprüft werden. Treten klinisch relevante Veränderungen der Vitalfunktion auf, sollte eine Beendigung der Infusion und eine zusätzliche Überwachung (incl. EKG) erwogen werden.
  • Die Leberfunktion sollte vor und während der Therapie überwacht werden.
  • Sollten Symptome einer Leberschädigung oder andere schwerwiegende immun-vermittelte Reaktionen auftreten, so sollte die Therapie nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung fortgeführt werden.
  • Patienten sollten darüber informiert werden, dass sie umgehend ärztliche Hilfe beanspruchen, wenn es einige Tage nach der Infusion zum Auftreten allgemeiner Symptome oder zu Symptomen einer Leberschädigung kommt.
  • Patienten, die bereits mit Lemtrada therapiert werden und von der Therapie profitieren, können in Absprache mit ihrem behandelnden Arzt die Therapie fortsetzen.

Hintergrund

Am 11. April 2019 hat die EMA ein Sicherheitsverfahren eingeleitet, in dem die Bewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses von Lemtrada erfolgt. Grund dafür sind neue Erkenntnisse über ernsthafte Sicherheitsbedenken nach der Markteinführung. Konkret handelt es sich um kardiovaskuläre Nebenwirkungen in enger zeitlicher Verbindung zur Infusion mit Lemtrada und immunvermittelte Erkrankungen mit teils letalem Ausgang. Es wird auch geprüft, ob die derzeitigen Maßnahmen zur Risikominimierung ausreichend und effektiv sind.

Aufgrund der Datenlage besteht der Verdacht, dass Alemtuzumab mit verschiedenen Ereignissen in Zusammenhang steht.

Autoimmune Hepatitis und Leberschädigung

Unter den Patienten, die mit Alemtuzumab behandelt wurden, traten Fälle von Leberschädigung auf, einschließlich der Erhöhung von Serumtransaminasen und autoimmune Hepatitis (auch mit tödlichem Verlauf).

Weitere schwerwiegende Reaktionen in zeitlichem Zusammenhang

Nach der Markteinführung wurde über Fälle von pulmonaler alveolärer Blutung, Myokardinfarkt, Schlaganfall (einschließlich ischämischer und hämorrhagischer Schlaganfall) und Dissektionen zervikozephaler Arterien (etwa A. vertebralis, A. carotis) berichtet. Diese Reaktionen traten in der Regel 1-3 Tage nach der Lemtrada-Infusion auf.

Hämophagozytische Lymphohistiozytose

Die hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH) ist ein lebensbedrohliches Syndrom, das durch eine pathologische Immunaktivierung ausgelöst wird und sich mit Symptomen einer hochgradigen systemischen Entzündung äußert. Wird die Erkrankung nicht frühzeitig diagnostiziert und behandelt, ist die HLH mit einer hohen Sterblichkeitsrate assoziiert. Das Auftreten einer HLH bei Patienten unter Alemtuzumab zeigte sich wenige Monate bis vier Jahre nach Therapiebeginn.

Weitere Informationen lesen Sie im beigefügten Rote-Hand-Brief und hier.

PDF öffnenRote-Hand-Brief Lemtrada

Autor: Dr. Melanie Klingler

Stand: 24.04.2019

Quelle:

sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Paul-Ehrlich-Institut (PEI)

  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: