Hanta-Fieber

Auch in Deutschland ist ein hämorrhagisches Fieber endemisch: Hanta-Fieber ist keine exotische Reisekrankheit, sondern wird auch von heimischen Nagetieren übertragen.

Hanta-Fieber

Prävalenz und Vorkommen

  • Fallzahlen: 2.825 Hanta-Virus-Infektionen (3,5 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner) in Deutschland (2012), hohe Dunkelziffer vermutet
  • vor allem Nephropathia epidemica, kurz NE
  • Erreger weltweit verbreitet
  • regionale Schwerpunkte: Mitteleuropa, Balkan, Russland (europäischer Teil)

Ursache und Übertragung

  • Infektion durch europäische oder asiatische Hanta-Viren: Untergruppierungen sind Andes-, Dobrava-Belgrad-, Hantaan-, Puumala-, Seoul- und Sin-Nombre-Viren
  • Übertragung durch Ausscheidungen (Speichel, Urin, Kot) von infizierten Ratten oder Mäusen auf den Menschen über die Atemwege oder Hautverletzungen
  • Mäusebisse oder Bisse anderer infizierter Nager
  • Verzehr von kontaminierten Nahrungsmitteln
  • noch nicht bestätigt: Infektionen durch Maulwürfe und Fledermäuse
  • Inkubationszeit: meist 14 bis 28 Tage, 5 bis 60 Tage möglich.

Symptome

  • häufig unbemerkter Verlauf, ansonsten: abrupt einsetzendes Fieber (höher 38,5 Grad Celsius, Dauer 3 bis 4 Tage), grippeähnliche Beschwerden, Genesung nach wenigen Tagen
  • schwerer Krankheitsverlauf hängt vom Virentyp ab
  • Nephropathia epidemica (NE): Niereninsuffizienz, Hämaturie, Blutdruckabfälle bis Schock (Letalität deutsches Hanta-Fieber: deutlich unter 1 Prozent)
  • hämorrhagisches Fieber mit Nierenbeteiligung (HFRS): Schüttelfrost, Lichtscheue, Sehstörungen, Rachenrötungen und Husten; ausgeprägte Lumbalgien, Abdominalschmerzen, Diarrhoe, Emesis und Vertigo; Hypotension bis Schock; Niereninsuffizienz, Myokarditis, Hepatitis, Thyreoiditis, renaler Hypertonus (Letalität HFRS: 5 bis 15 Prozent – vermehrt europäische und asiatische Hantaviren)
  • Hanta-Virus-induziertes-(kardio)pulmonales-Syndrom (HPS/HCPS): kardiale und pneumologische Symptome wie Husten, Tachypnoe und Dyspnoe, Lungenödem, kardiale und pulmonale Insuffizienz (Letalität: 25 bis 40 Prozent – vermehrt Hantaviren aus Nord- und Südamerika).

Therapie

  • keine ursächliche Therapie gegen Hanta-Fieber verfügbar
  • in seltenen Fällen Therapieerfolge durch frühzeitigen Einsatz des antiviralen Chemotherapeutikums Ribavirin
  • symptomatische Behandlung nach Bedarf, ggfs. intensivmedizinisch.

Prophylaxe/Impfung

  • aktuell (November 2016) keine Impfung verfügbar
  • Prophylaxe auf hygienische Maßnahmen beschränkt
  • Bekämpfung von Nagetieren im direkten Wohnbereich
  • tote Nagetiere mit Handschuhen und Mundschutz entsorgen
  • Kadaver und Exkremente vor Beseitigung mit Desinfektionsmitteln besprühen
  • Lebensmittel sicher vor Tieren und insbesondere deren Ausscheidungen aufbewahren.

Datum: 18.11.2016

Autor: Redaktion Gelbe Liste

Quelle: Robert-Koch-Institut (RKI), Ständige Impfkommission (STIKO)