Urothelkarzinom: Erdafitinib erfoglreich in Phase-II

Forscher publizierten Ergebnisse einer Phase-II-Studie mit Patienten mit einem metastasierten und vorbehandelten Urothelkarzinom mit FGFR-2- oder FGFR-3-Mutation. Auch nach Chemo- und Immuntherapie zeigte Erdafitinib eine vielversprechende Antitumoraktivität.

Urogenitaltrakt Mann schematisch

Hintergrund

Veränderungen des für den Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor (fibroblast growth factor receptor [FGFR]) kodierenden Gens sind beim Urothelkarzinom häufig und können mit einer geringeren Empfindlichkeit gegenüber Immuninterventionen verbunden sein. Erdafitinib, ein Tyrosinkinaseinhibitor von FGFR1–4, zeigte in präklinischen Modellen und in einer Phase-I-Studie mit Patienten mit FGFR-Veränderungen Antitumoraktivität.

Zielsetzung

Ein wissenschaftliches Team um Dr. Yohann Loriot vom Institut Gustave Roussy und der Université Paris-Saclay in Villejuif, Frankreich, untersuchte im Rahmen einer offenen, multizentrischen Phase-II-Studie die Wirksamkeit und Sicherheit von Erdafitinib bei Patienten mit Urothelkarzinom [1].

Methodik

In diese Studie wurden Patienten mit lokal fortgeschrittenem und nicht resezierbarem oder metastasiertem Urothelkarzinom mit vorher festgelegten FGFR-Veränderungen eingeschlossen. Bei allen Patienten lag während oder nach mindestens einer Chemotherapie oder innerhalb von zwölf Monaten nach einer neoadjuvanten oder adjuvanten Chemotherapie eine Krankheitsprogression vor. Eine vorherige Immuntherapie war erlaubt.

Die Patienten wurden zunächst nach dem Zufallsprinzip einem Studienarm der Dosisauswahlphase zugeordnet. Eine Gruppe erhielt Erdafitinib als intermittierende, eine weitere Gruppe als kontinuierliche Therapie. Auf der Grundlage einer Zwischenanalyse wurde die kontinuierliche Therapie mit einer Anfangsdosis von 8 mg pro Tag für den weiteren Studienverlauf gewählt. Eine pharmakodynamisch gesteuerte Dosissteigerung auf 9 mg war vorgesehen.

Der primäre Endpunkt war die objektive Ansprechrate. Wichtige sekundäre Endpunkte waren das progressionsfreie Überleben, die Ansprechdauer und das Gesamtüberleben.

Ergebnisse

Insgesamt 99 Patienten erhielten in der zweiten Studienphase mit kontinuierlicher Therapie Erdafitinib im Median für fünf Zyklen. Von diesen Patienten hatten 43% mindestens zwei vorangegangene Behandlungszyklen erhalten, 79% hatten viszerale Metastasen und 53% hatten eine Kreatininclearance von weniger als 60 ml pro Minute.

Die Rate des bestätigten Ansprechens auf die Erdafitinibtherapie betrug 40%. 3% aller Patienten zeigten ein vollständiges und 37% ein partielles Ansprechen. Für die 22 Patienten, die sich zuvor einer Immuntherapie unterzogen hatten, lag die bestätigte Ansprechrate bei 59%. Die mediane Dauer des progressionsfreien Überlebens betrug 5,5 Monate, die mediane Dauer des Gesamtüberlebens 13,8 Monate.

Bei 46% der Patienten wurden behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse dritten Grades oder höher berichtet, die hauptsächlich durch Dosisanpassungen adressiert wurden. 13% der Patienten brachen die Behandlung wegen unerwünschter Ereignisse ab. Es gab keine behandlungsbedingten Todesfälle.

Fazit

Die Anwendung von Erdafitinib war bei 40% der Patienten mit lokal fortgeschrittenem und nicht resezierbarem oder metastasiertem Urothelkarzinom mit FGFR-Veränderungen und Vorbehandlung mit einer objektiven Tumorantwort verbunden, schlussfolgern die Studienautoren. Behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse dritten Grades oder höher wurden bei fast der Hälfte der Patienten berichtet.

Die Studie ist unter der Nummer NCT02365597 bei ClinicalTrials.gov registriert und wurde von Janssen Research and Development finanziert.

Autor: Dr. Elke Schlüssel (Medizinjournalistin)

Stand: 08.08.2019

Quelle:
  1. Loriot et al. (2019) Erdafitinib in locally advanced or metastatic urothelial carcinoma. New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa1817323
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige

Meistgelesene Meldungen

Pharma News

Ärztliche Fachgebiete

Orphan Disease Finder

Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen:

 

Newsletter