Alprazolam

Alprazolam ist ein Wirkstoff zur Behandlung der Symptome von Angststörungen und Panikstörungen sowie bei Unruhezuständen.

Alprazolam 0,25 mg Tabletten (Zum Einnehmen)
Alprazolam 0,5 mg Tabletten (Zum Einnehmen)
Alprazolam 1 mg Tabletten (Zum Einnehmen)

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Alprazolam wird zur symptomatischen Behandlung von Angstzuständen eingesetzt. Die Indikation gilt nur für Angststörungen, wenn diese schwer oder behindernd sind, oder wenn der Patient durch die Störungen unter extremen Beschwerden leidet.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Alprazolam gehört zu den Benzodiazepin-Derivaten. Benzodiazepine sind aus einem siebengliedrigen 1,4-Diazepinring und einem Benzenring aufgebaut. Typisch, und bei nahezu allen Vertretern zu finden, ist ein 5-Arylsubstituent.

Alprazolam gehört zu den Benzodiazepinen mittlerer Wirkungsdauer. Es entfaltet seine Wirkung im Gehirn an den Rezeptoren für Gamma-Amino-Buttersäure (GABA). GABA ist ein Neurotransmitter, der dämpfend auf das Zentralnervensystem wirkt, woraus beruhigende und angstlösende Eigenschaften resultieren.

Der Wirkstoff Alprazolam und auch die übrigen Benzodiazepine besitzen zusätzlich zu ihrer anxiolytischen Wirkung auch sedative, hypnotische, muskelrelaxierende und antikonvulsive Eigenschaften.

Pharmakokinetik

Nach oraler Einnahme wird Alprazolam schnell resorbiert. Die orale Bioverfügbarkeit liegt bei 80 %. Maximale Plasmakonzentrationen werden 1 - 2 Stunden nach der oralen Einnahme erreicht.

Nach Einmalgabe sind die Plasmaspiegel direkt proportional zur Dosis, die verabreicht wurde. Alprazolam wird zu 70 % an Serumproteine gebunden.

Hauptmetaboliten, die über den Urin ausgeschieden werden, sind α-Hydroxyalprazolam und ein Benzophenonderivat. Letzteres besitzt nahezu keine pharmakologische Aktivität. Im Plasma kommen α-Hydroxyalprazolam und 4-Hydroxyalprazolam als Hauptmetabolite vor. α-Hydroxyalprazolam ist in seiner biologischen Aktivität vergleichbar mit Alprazolam, wohingegen 4-Hydroxyalprazolam eine 10fach geringere Aktivität aufweist. Die Plasmaspiegel der Metaboliten sind niedrig, die Plasmahalbwertszeiten vergleichbar mit Alprazolam.

Die mittlere Halbwertszeit beträgt 12 – 15 Stunden. Alprazolam hat, wie auch Triazolam, im Vergleich zu den anderen Benzodiazepin-Derivaten eine wesentlich kürzere Plasmaeliminationshalbwertszeit. Bei älteren Patienten ist diese signifikant erhöht. Die Ausscheidung von Alprazolam und seinen Metaboliten erfolgt vorwiegend über den Urin.

Dosierung

Die jeweils optimale Dosierung von Alprazolam richtet sich nach der Schwere der Symptomatik und dem Ansprechen des Patienten.

Erwachsene

Die Anfangsdosierung beträgt 0,25-0,5 mg 3-mal täglich. Falls erforderlich, kann die Dosis in Abständen von 3-4 Tagen erhöht werden, dabei sollte zuerst die Dosierung am Abend erhöht werden, bevor die Dosierung am Tag erhöht wird. Die Erhaltungsdosierung beträgt 0,5 mg bis maximal 3-4 mg/Tag, aufgeteilt in mehrere Einzelgaben.

Ältere Patienten, geschwächte Patienten oder Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionsstörungen

Die Anfangsdosierung bei älteren Patienten beträgt 0,25 mg 2- oder 3-mal täglich. Falls erforderlich, kann die Dosis in Abständen von 3-4 Tagen erhöht werden. Die Erhaltungsdosierung beträgt maximal 1,5 mg/Tag, aufgeteilt in mehrere Einzelgaben.
Für ältere gebrechliche Patienten oder geschwächte Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionsstörung wird eine niedrigere Dosis von maximal 0,75 mg/Tag, aufgeteilt in mehrere Einzelgaben, empfohlen.

Kinder und Jugendliche

Da die Sicherheit und Wirksamkeit von Alprazolam bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht belegt ist, wird die Anwendung nicht empfohlen.

Alkoholabhängige Patienten und Patienten, die zuvor noch nie mit psychotropen Substanzen therapiert wurden

Diese Patienten benötigen geringere Dosen als Patienten, die bereits psychotrope Substanzen eingenommen haben. Zur Vermeidung einer zu starken Sedierung wird empfohlen, die niedrigste wirksame Dosis einzusetzen.

Behandlungsdauer

Die Behandlungsdauer sollte so kurz wie möglich sein, wobei die Gesamttherapiedauer einschließlich der Absetzphase einen Zeitraum von 8-12 Wochen nicht überschreiten darf. In bestimmten Fällen kann jedoch eine längere Behandlung nötig werden, dabei sollte der Zustand des Patienten vor einer Fortführung der Behandlung erneut beurteilt werden. Der Behandlungsbedarf mit Alprazolam und die entsprechende Dosierung sind bei jedem Patienten regelmäßig zu überprüfen.

Dosisreduktion und Absetzen der Behandlung

Bei Auftreten von Nebenwirkungen ist die Dosis zu reduzieren. Zum Absetzen sollte die Dosis ebenfalls schrittweise vermindert werden, dabei sollte die Tagesdosis von Alprazolam bis maximal 0,5 mg alle 3 Tage verringert werden. Falls erforderlich kann bei einigen Patienten das Absetzen in noch kleineren Schritten erfolgen.

Nebenwirkungen

Im Folgenden sind die Nebenwirkungen von Alprazolam nach ihrer Häufigkeit aufgelistet.

Sehr häufig:

  • Sedierung
  • Verschlafenheit (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung).

Häufig:

  • Appetitmangel
  • Verwirrtheit (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung)
  • Depression (v. a. bei depressiver Prädisposition)
  • Ataxie (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung)
  • Konzentrationsstörungen
  • Schwindel
  • Verschwommenes Sehen (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung)
  • Obstipation
  • Übelkeit
  • Asthenie
  • Reizbarkeit.

Gelegentlich:

  • Hyperprolaktinämie
  • Halluzinationen
  • Wutanfälle, aggressives Verhalten und andere paradoxe Reaktionen
  • Angst
  • Nervosität
  • Amnesie
  • Dystonie (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung)
  • Tremor
  • Erbrechen
  • Leberfunktionsstörungen
  • Ikterus
  • Dermatitis
  • Muskuloskelettale Schwäche (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung)
  • Inkontinenz
  • Harnretention
  • Sexuelle Funktionsstörungen
  • Menstruelle Unregelmäßigkeiten
  • Gewichtsveränderungen
  • Anstieg des Augeninnendrucks.

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit:

  • Appetitzunahme
  • Störungen des vegetativen Nervensystems
  • Emotionale Stumpfheit (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung)
  • Verminderte Aufmerksamkeit (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung)
  • Doppeltsehen (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung)
  • Tachykardie
  • Hypotonie
  • Verstopfte Nase
  • Diarrhoe
  • Mundtrockenheit
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Dysphagie
  • Hepatitis
  • Angioödem
  • Hautreaktionen
  • Peripheres Ödem
  • Ermüdung (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung).

Unter der Therapie mit Benzodiazepinen wurde kann es zu psychischer Abhängigkeit kommen. Führt die Anwendung zur Entwicklung einer körperlichen Abhängigkeit, so ist zu beachten, dass bei einem Behandlungsabbruch Entzugserscheinungen oder ein Rebound-Phänomen auftreten können.

Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Einnahme von Alkohol kann die Wirkung von Benzodiazepinen verstärken, weshalb eine gleichzeitige Einnahme nicht empfohlen wird.

Arzneimittel, die zu einer Beeinträchtigung der Atemfunktion führen, z. B. Opioide, sollten nur mit Vorsicht angewandt werden. Dies betrifft insbesondere ältere Patienten.

Die gleichzeitige Anwendung von Alprazolam und anderen zentral dämpfenden Substanzen sollte nur mit Vorsicht erfolgen. Eine Verstärkung des zentraldämpfenden Effektes kann bei Kombination mit folgenden Wirkstoffgruppen auftreten:

  • Antipsychotika
  • Hypnotika
  • Anxiolytika/Sedativa
  • Einigen Antidepressiva
  • Opioiden
  • Antikonvulsiva
  • Anästhetika
  • Sedierende H1-Antihistaminika.

CYP3A4-Inhibitoren

Bei gleichzeitiger Anwendung von CYP3A4-Hemmern und Alprazolam kann es durch pharmakologische Wechselwirkungen zum Anstieg des Alprazolam-Plasmaspiegels kommen. Die gleichzeitige Anwendung von Alprazolam und folgenden Wirkstoffen und Wirkstoffgruppen sollte daher mit Vorsicht erfolgen:

Bei einer gleichzeitigen Anwendung sollte eine erhebliche Dosisreduktion in Betracht gezogen werden.

Weitere Wechselwirkungen

Bei gleichzeitiger Anwendung von Alprazolam und Digoxin wurde, gerade bei älteren Personen, über eine Zunahme der Digoxin-Plasmaspiegel berichtet. Es sollte eine engmaschige Überwachung auf Anzeichen und Symptome einer Digoxinüberdosierung geachtet werden.

Der CYP3A4-Indiktor Carbamazepin kann zu einer Verringerung der Wirkung von Alprazolam führen. Dies trifft auch auf weitere CYP3A4-Induktoren, etwa Propranolol, Phenytoin oder Johanniskraut, zu.

Die gleichzeitige Anwendung von Alprazolam und Muskelrelaxanzien kann insbesondere zu Therapiebeginn zu einer Verstärkung der muskelrelaxierenden Wirkung führen.

Unter gleichzeitiger Anwendung von Clozapin und Alprazolam ist das Risiko eines Atem- und/oder Herzstillstandes erhöht.

Die gleichzeitige Anwendung von bis zu 4 mg Alprazolam täglich und Imipramin oder Desipramin führte zu einem Anstieg von deren Steady-State-Plasmakonzentrationen. Die klinische Bedeutung dessen ist bisher unklar.

Kontraindikation

Eine Überempfindlichkeit gegen Alprazolam oder einen der sonstigen Bestandteile des jeweiligen Arzneimittels stellt eine Kontraindikation dar.

Daneben existieren weitere Kontraindikationen:

  • Myasthenia gravis
  • Schwere Ateminsuffizienz
  • Schlafapnoe-Syndrom
  • Schwere Leberfunktionsstörungen
  • Akute Intoxikationen durch Alkohol oder andere ZNS-aktive Substanzen.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Alprazolam sollte nicht im 1. Trimenon der Schwangerschaft und im 2. und 3. Trimenon nur bei zwingender Indikation verordnet werden.
Eine Benzodiazepin-Exposition im ersten Trimester geht zwar nicht mit einem erhöhten Risiko einer schweren Fehlbildung einher, allerdings ist ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Gaumenspalten festgestellt worden.
Eine hochdosierte Behandlung mit Benzodiazepinen während des 2. und/ oder 3. Trimenons führt zu einer Abnahme der fetalen Bewegungen und zu Schwankungen des fetalen Herzrhythmus.
Ist eine Behandlung erforderlich, sind hohe Dosen zu vermeiden und mögliche Entzugssymptome oder ein Floppy-Infant-Syndrom sowie Atemdepression oder -stillstand und Hypothermie beim Neugeborenen zu überwachen.

Stillzeit

Alprazolam sollte in der Stillzeit nicht angewendet werden, da Alprazolam in geringen Mengen in die Muttermilch übergeht und dort akkumuliert. Wenn die Therapie in der Stillzeit zwingend indiziert ist, sollte abgestillt werden.

Verkehrstüchtigkeit

Patienten sollten angewiesen werden, während der Behandlung keine Fahrzeuge und Maschinen zu bedienen. Dies gilt in besonderem Maße zu Therapiebeginn, nach Dosiserhöhung, nach unzureichender Schlafdauer und in Zusammenwirken mit Alkohol oder anderen zentraldämpfenden Substanzen.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
28981-97-7
Molare Masse:
308.77 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 13.0 H
Q0-Wert:
0.7
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