Ambroxol

Ambroxol zählt zu den Hustenlösern (Sekretolytika und Mukolytika) und wird bei akuten und chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma, Bronchitis oder COPD eingesetzt, um festsitzende Bronchialsekrete zu lösen. Durch seine lokalanästhetischen Eigenschaften kann der Wirkstoff auch bei Halsschmerzen angewendet werden.

Anwendung

Ambroxol wird in folgenden Indikationen angewendet:

  • akute und chronische bronchopulmonale Erkrankungen, die mit einer Störung der Schleimbildung und des Schleimtransports einhergehen, z. B. Asthma oder COPD
  • akute Schübe chronischer Bronchitiden, Bronchiektasien, asthmoide Bronchitiden
  • Asthma bronchiale, hier jedoch nicht alle Präparate, die Ambroxol enthalten
  • Halsschmerzen
  • In Studien wird derzeit zusätzlich untersucht, ob Ambroxol sich als Chaperontherapie bei verschiedenen Erkrankungen eignet oder aufgrund seiner starken lokalanästhetischen Eigenschaft als örtlich begrenzt wirkendes Mittel bei neuropathischen Schmerzen.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Ambroxol ist ein Metabolit des Bromhexins. Den Effekt als Hustenlöser entfaltet Ambroxol, indem der Wirkstoff Eiweiße aktiviert, die bestimmte Zuckerverbindungen im Bronchialschleim auflösen. Ein Reaktionsweg führt vermutlich über das Surfactant-System und Pneumozyten-Typ 2 in den Alveolen und Clarazellen. Der Bronchialschleim wird so flüssiger. Gleichzeitig sorgt Ambroxol dafür, dass der Bronchialschleim kaum mehr an der Lungenoberfläche anhaftet. Beide Effekte addieren sich und erleichtern das Abhusten. Zudem aktiviert der Wirkstoff die Flimmerhärchen, auf denen das Bronchialsekret nach oben gelangt. Der positive Effekt auf Halsschmerzen wird einer örtlich betäubend wirkenden Eigenschaft von Ambroxol zugeschrieben.

Pharmakokinetik

Ambroxol wird bei oraler Gabe fast vollständig im Darm aufgenommen. Die Verteilung des Wirkstoffs vom Blut ins Gewebe ist schnell und ausgeprägt. Die höchste Konzentration der aktiven Substanz wird dabei in der Lunge gefunden. Die maximale Konzentration ist bei oraler Gabe nach ungefähr ein bis drei Stunden erreicht mit einer Bioverfügbarkeit von ungefähr 80%.
Im Durchschnitt beginnt Ambroxol nach ca. 30 Minuten zu wirken und hält, abhängig von der Höhe der Einzeldosis und der Art der Anwendung, zwischen sechs und zwölf Stunden an.
Das korreliert mit der Halbwertszeit des Wirkstoffes, die nach sieben bis zwölf Stunden erreicht ist. Bis sich jedoch auch die Konzentration seiner Metaboliten halbiert hat, vergehen insgesamt ca. 22 Stunden.

Metabolisiert wird der Großteil des Wirkstoffs in der Leber. In Studien an humanen Lebermikrosomen konnte nachgewiesen werden, dass das Cytochrom P450-Enzym CYP3A4 für die Metabolisierung zu Dibromanthranilsäure verantwortlich ist. Dabei entstehen unter anderem Dibromanthranilsäure und Glukuronide. Zusätzlich unterliegt der Wirkstoff einem ausgeprägten First-Pass-Effekt, bei dem ein Drittel bereits eliminiert wird, bevor er wirken kann. 90% des Wirkstoffs werden metabolisiert über die Nieren ausgeschieden, nur 10% unverändert als Ambroxol.

Dosierung

Ambroxol ist als Lösung zum Einnehmen (3 mg / ml, 6 mg / ml), Brausetabletten (30 mg, 60 mg), Hustensaft (5 mg / 5 ml, 15 mg / 5 ml, 30 mg / 5 m, 30 mg / 2 ml), Hustentropfen (7,5 mg / ml, 15 mg / ml), Tabletten (30 mg, 60 mg), Retardkapseln (75 mg, 100 mg), Lutschtabletten (15 mg, 20 mg), Zäpfchen (nicht mehr verfügbar), Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung (15 mg / 2 ml, 1000 mg / 50 ml) und Ampullen (15 mg / 2ml) auf dem deutschen Markt verfügbar.

Kinder bis 2 Jahre

Abhängig von der Indikation und Darreichungsform kann die Dosierung variieren. Empfohlen werden bei oraler Gabe für Kinder bis 2 Jahren 15 mg pro Tag, aufgeteilt in zwei Einzeldosen.

Kinder von 2 bis 5 Jahren

Kinder von 2 bis 5 Jahren bekommen eine tägliche Dosis von 22,5 mg aufgeteilt auf zwei Mal. Ab dem sechsten Lebensjahr kann die Tagesdosis auf 30 bis 45 mg in zwei bis drei Dosen angesetzt werden.

Kinder ab dem 12. Lebensjahr und Erwachsene

Ab dem 12. Lebensjahr und für Erwachsene werden für den die ersten zwei bis drei Tage 90 mg des Wirkstoffs in zwei bis drei Einzeldosen empfohlen. Danach sollte die Dosis auf maximal 60 mg pro Tag und aufgeteilt auf zwei Einzeldosen reduziert werden. Eingenommen wird der Wirkstoff nach den Mahlzeiten.

Patienten mit Leber- oder Nierenfunktionsstörungen

Bei Patienten, die eine Leber- oder Nierenfunktionsstörung haben, sollte die Dosierung dementsprechend angepasst werden, um Überdosierungen zu vermeiden.

Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Ambroxol zählen Übelkeit, Taubheitsgefühle in Mund oder Rachen (gewollt bei Halsschmerzen) und Geschmacksstörungen.
Aufgelistet nach Häufigkeit können diese weiteren Nebenwirkungen auftreten:

Häufig:

  • Übelkeit
  • Geschmacksstörungen
  • Taubheitsgefühl im Mund oder Rachen.

Gelegentlich:

  • Bauchschmerzen, Erbrechen
  • Durchfall
  • Dyspepsie
  • Fieber
  • Schleimhautreaktionen
  • Mundtrockenheit.

Selten:

  • Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag, Atemnot, Fieber
  • Hautausschlag
  • Nesselsucht (Urtikaria)
  • Trockenheit im Hals.

Sehr selten:

  • Sialorrhoe.

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit:

  • anaphylaktischer Reaktionen einschließlich anaphylaktischem Schock, Angioödem und Juckreiz
  • Erythema multiforme
  • Stevens-Johnson-Syndrom
  • toxische epidermale Nekrolyse
  • akute generalisierte exanthemische Pustulose
  • Atemnot.

Wechselwirkungen

Antitussiva (z. B. Codein, Dextromethorphan): aufgrund des eingeschränkten Hustenreflexes kann ein gefährlicher Sekretstau ausgelöst werden.

Kontraindikation

Der Wirkstoff ist kontraindiziert, wenn eine Überempfindlichkeit gegen Ambroxol bekannt ist.

Alternativen

Als Alternativen können sich andere Mukolytika und Sekretolytika wie Acetylcystein oder Bromhexin eignen. Auch ätherische Öle wie Fenchel-, Eukalyptus- oder Anisöl können schleimlösend wirken. Daneben sind klassische Hausmittel wie Inhalationen, Dampfinhalationen und heiße Duschen ebenfalls mukolytisch.

Schwangerschaft/Stillzeit

Ambroxol ist plazentagängig und geht in die Muttermilch über. Deshalb sollte es sowohl während der Schwangerschaft als auch in der Stillzeit nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung gegeben werden.

Verkehrstüchtigkeit

Bis dato gibt es keine Hinweise, dass Ambroxol die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinflusst.

Wichtige Hinweise

  • Es gibt Berichte über schwere Hautreaktionen. Daher sollte im Falle von Symptomen oder Anzeichen eines progredienten Hautausschlages die Anwendung von Ambroxol unverzüglich beendet und ärztlicher Rat eingeholt werden.
  • Der Wirkstoff sollte nicht mit 5%igen-Glucoselösungen gemischt werden, da dabei das Abbauprodukt N-A 873 CL entstehen kann.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
18683-91-5
Molare Masse:
378.1 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 9.0 H
Q0-Wert:
0.9
Kindstoff(e):
Ambroxol hydrochlorid (CAS 23828-92-4)

Autor: Sonja Klein (Medizinjournalistin)

Stand: 15.01.2019

Quelle:
  1. Freissmuth M, Offermanns S, Böhm, S. Pharmakologie und Toxikologie. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Heidelberg: Springer-Verlag, 2016.
     
  2. Aktories K, Förstermann U, Hofmann F, Starke K. Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 12. Auflage. München: Elsevier, 2017.
     
  3. 1A Pharma. Ambroxol 30 Tabletten, 15 Saft, 30 Saft, 30 Tropfen [Internet]. Zuletzt aktualisiert Juni 2016. [zitiert 03.01.2019]. URL:
     
  4. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm)/Boehringer Ingelheim, Gellermann JH. Mucosolvan Injektionslösung Ambroxol-HCl Injektionslösung – Mischen mit kommerziell verfügbaren 5%igen Glucose-Infusionslösungen [Internet]. Zuletzt aktualisiert 07.08.2013. [zitiert am 03.01.2019]. URL:
     
  5. ratiopharm GmbH. Ambroxol ratiopharm Hustensaft [Internet]. Zuletzt aktualisiert Februar 2015. [zitiert am 03.01.2019]. URL:
     
  6. SANDOZ. Ambroxol Sandoz 7,5 mg/ml Tropfen zum Einnehmen, Lösung [Internet]. Zuletzt aktualisiert April 2007. [zitiert am 03.01.2019]. URL:
     
  7. de Mey C, Patel J, Lakha DR, Richter E, Koelsch S. Efficacy and Safety of an Oral Ambroxol Spray in the Treatment of Acute Uncomplicated Sore Throat. Drug Research 2015; 65 (12): 658 – 667. DOI: 10.1055/s-0035-1547229
     
  8. Naria A. et al. Ambroxol chaperone therapy for neuronopathic Gaucher disease: A pilot study. Annals of Clinical and Translational Neurology 2016; 3(3): 200-215. DOI: 10.1002/acn3.292
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
68 Präparate mit Ambroxol
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: