Amitriptylin

Der Wirkstoff Amitriptylin zählt wie Doxepin und Trimipramin zu den trizyklischen Antidepressiva. Amitriptylin wird vor allem als Amitriptylinhydrochlorid in der Behandlung von Depressionen eingesetzt, bei denen eine beruhigende und angstlösende Wirkung erwünscht ist.

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Der Wirkstoff wird vor allem als Amitriptylinhydrochlorid in der Behandlung von Depressionen eingesetzt, bei denen eine beruhigende und angstlösende Wirkung erwünscht ist. Amitriptylin gilt aufgrund der sehr gut nachgewiesenen Wirksamkeit als Mittel der ersten oder zweiten Wahl bei der Prophylaxe von Migräne. Zahlreiche Studien belegen darüber hinaus den Nutzen gegen Spannungskopfschmerzen.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Amitriptylin aus der Klasse der trizyklischen Antidepressiva gehört zu den psychotropen Substanzen und besitzt eine ausgeprägte sedierende Wirkungskomponente sowie eine schmerzlindernde Wirkung. Akut gegeben, hemmt Amitriptylin die neuronale Aufnahme der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin und erhöht dadurch die Konzentration dieser beiden Neurotransmitter im synaptischen Spalt. Außerdem beeinflusst Amitriptylin den Acetylcholin-Kreislauf im Gehirn. Die erhöhte Verfügbarkeit der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin sowie die anticholinerge Wirkung erklären den dämpfenden und beruhigenden Effekt des Wirkstoffes.

Die schmerzlindernde Wirkung von Amitriptylin ist durch den Einfluss auf die Serotonin-Konzentration zu erklären. Serotonin spielt eine wichtige Rolle bei der Schmerzwahrnehmung im Gehirn, indem es eingehende Schmerzsignale filtert.

Weiterhin besitzt der Wirkstoff antagonistische Eigenschaften an den M-Cholinrezeptoren (M1 und M2), Histaminrezeptoren (H1 stärker als H2), an α-Adrenozeptoren (α-1 stärker als α-2) und Serotoninrezeptoren (5-HT2 stärker als 5-HT1).

Pharmakokinetik

Nach oraler Aufnahme erfolgt eine langsame, aber vollständige Resorption des Wirkstoffs. Maximale Plasmakonzentrationen werden nach 1-5 (-8) Stunden erreicht. Die systemische Bioverfügbarkeit beträgt verglichen mit der intravenösen Verabreichung etwa 50 %. Aufgrund der ausgeprägten Lipophilie von Amitriptylin erfolgt die Verteilung im gesamten Organismus. Der Wirkstoff wird überwiegend an Gewebs- und Plasma-Eiweiße gebunden. Nur 3-6 % liegen frei im Plasma vor.

Die Metabolisierung erfolgt hauptsächlich in der Leber durch N-Demethylierung (CYP3A4) und Hydroxylierung. Ca. 3-5 % der Bevölkerung können sehr hohe Plasmaspiegel aufweisen, da sie aufgrund genetisch bedingter Unterschiede im Cytochrom P450-System eine verminderte Fähigkeit zur Hydroxylierung besitzen.

Die Metabolite werden sowohl in freier als auch in konjugierter Form ausgeschieden. Die Plasmahalbwertszeit nach oraler Gabe beträgt ca. 10-28 Stunden. Ältere Menschen weisen eine verlängerte Halbwertszeit auf.

Dosierung

Die Dosierung von Amitriptylin erfolgt ein- bzw. ausschleichend. Ambulant beträgt die Tageshöchstdosis maximal 150 mg, im stationären Setting kann die Dosis bis auf 300 mg täglich gesteigert werden.

Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Amitriptylin zählen die für viele Antidepressiva typischen Symptome wie Mundtrockenheit, Schwindel, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Auch Magen-Darm-Beschwerden sind nicht selten, ebenso ein Verlust an sexueller Lust oder Potenz. Diese Nebenwirkungen und andere unerwünschte Effekte wie Herzrasen oder niedriger Blutdruck gehen in der Regel mit fortdauernder Anwendung zurück.

Im Folgenden werden sehr häufige und häufige Nebenwirkungen von Amitriptylin genannt:

Sehr häufig (≥ 1/10):

Herzrhythmusstörungen, Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel, Sprachstörungen, Tremor, verstopfte Nase, Mundtrockenheit, Obstipation, Schwitzen, Hypotonie, orthostatische Dysregulation, Gewichtszunahme, passageres Ansteigen der Leberenzymaktivität, Aggression. Mit diesen Nebenwirkungen ist vor allem zu Beginn der Behandlung zu rechnen. Akkommodationsstörungen sind ebenfalls eine sehr häufige Nebenwirkung. Diese kann aber zu jedem Zeitpunkt der Behandlung auftreten.

Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10):

Hyponatriämie, Miktionsstörungen, Hautausschläge, Durstgefühl, Libidoverlust, Impotenz, innere Unruhe, bei älteren Patienten erhöhtes Risiko für das Auftreten von deliranten Syndromen.

Bei Kindern besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Karies. Es wird geraten, verstärkt auf die tägliche Zahnpflege zu achten. Bei Patienten mit einem hirnorganischen Psychosyndrom ist die mögliche Erzeugung eines pharmakogenen Delirs zu bedenken.

Wechselwirkungen

Interaktionen mit verschiedenen Wirkstoffen und Substanzklassen können die Wirkung von Amitriptylin beeinträchtigen bzw. durch dessen Wirkung selbst in ihrer Wirkung beeinflusst werden.

Wirkverstärkung von Amitriptylin unter:

Wirkungsminderung von Amitriptylin unter:

Amitriptylin verstärkt die Wirkung folgender Arzneistoffe und Substanzklassen:

  • zentraldämpfend wirkende Arzneimittel
  • sympathomimetische Amine

Amitriptylin mindert die Wirkung folgender Arzneistoffe und Substanzklassen:

Antihypertensiva vom Typ des Guanethidin bzw. des Clonidin. Bei mit Clonidin behandelten Patienten besteht die Gefahr einer Rebound-Hypertension.

Irreversible MAO-Hemmer sollen in jedem Fall mindestens 14 Tage, reversible MAO-Hemmer mindestens 1 Tag, vor Beginn der Therapie mit Amitriptylin abgesetzt werden. Sonst muss mit schweren Nebenwirkungen wie Erregung, Delir, Koma, Hyperpyrexie, Krampfanfällen sowie starken Blutdruckschwankungen gerechnet werden. Nur bei therapieresistenten Depressionen und unter Beachtung aller notwendigen Vorsichtsmaßnahmen und einer langsamen Steigerung der Dosis ist eine zusätzliche Gabe von MAO-Hemmern im Einzelfall möglich.

Amitriptylin kann Einfluss auf die Wirkung von Cumarin-Derivaten (z.B. Phenprocoumon) nehmen. Bei gleichzeitiger Einnahme von Amitriptylin und Cumarinen ist eine fortlaufende Kontrolle der Blutgerinnungsparameter notwendig.

Die gleichzeitige Gabe von Arzneistoffen, die auch zu einer Verlängerung des QT-Intervalls führen (z. B. Antiarrhythmika Klasse IA oder III, Cisaprid, Antibiotika, Malaria-Mittel, Antihistaminika, Neuroleptika), zu einer Hypokaliämie führen (beispielsweise bestimmte Diuretika) oder den hepatischen Abbau von Amitriptylin hemmen können (z. B. MAO-Hemmer, Imidazol-Antimykotika) ist zu vermeiden.

Kontraindikation

In folgenden Fällen ist die Anwendung von Amitriptylin kontraindiziert:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • akute Alkohol-, Schlafmittel-, Schmerzmittel- und Psychopharmakavergiftungen
  • Harnretention
  • Delirien
  • unbehandeltes Engwinkelglaukom
  • Prostatahyperplasie mit Restharnbildung
  • Pylorusstenose (Verengung im Bereich des Magenausganges)
  • paralytischer Ileus (Darmverschluss aufgrund einer Darmlähmung).

Schwangerschaft/Stillzeit

Amitriptylin sollte während der Schwangerschaft, insbesondere im ersten sowie im letzten Trimenon nicht angewendet werden, außer es ist dringend erforderlich. Tierexperimentelle Studien zeigten nach hohen Dosen Amitriptylin reproduktionstoxische Wirkung.
Beim Neugeborenen wurden nach Gabe höherer Dosierungen von Antidepressiva vor der Geburt Entzugserscheinungen in Form von Störungen der Herz- und Atem- funktion, Harn- und Stuhlentleerung sowie Unruhe beobachtet.

Amitriptylin geht in die Muttermilch über und sollte daher nicht während der Stillzeit eingenommen werden. Bei zwingender Indikation sollte abgestillt werden.

Hinweise

Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin sind nach Einschätzung des Arzneimittel-Telegramms für die ambulante Therapie von Depressionen ebenso gut geeignet wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI).

Andere trizyklische Antidepressiva sind beispielsweise

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
50-48-6
Molare Masse:
277.4 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 15.0 H
Q0-Wert:
0.9
Kindstoff(e):
Amitriptylin hydrochlorid (CAS 549-18-8)
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden

27 Präparate mit Amitriptylin

Anzeige

Letzte News zum Wirkstoff

Gelbe Liste Datenbank-Suche

Gelbe Liste Datenbanken

Pharma News

Ärztliche Fachgebiete

Orphan Disease Finder

Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen:

 

Newsletter