Betamethason

Betamethason ist ein Glukokortikoid, das entzündungshemmend, antiallergisch und immunsuppressiv wirkt. Der Wirkstoff hat ein breites Anwendungsgebiet und kann sowohl lokal bei entzündlichen und allergischen Hautreaktionen als auch systemisch bei Autoimmunerkrankungen und anaphylaktischen Reaktionen verabreicht werden.

Anwendung

Anwendungsgebiete

Systemisch:

  • Akutbehandlung nach Bienen- bzw. Wespenstichen bei Insektengiftallergie.
  • Orale Anfangsbehandlung von Autoimmunerkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes
  • Aktive Phasen von Systemvaskulitiden wie Panarteriitis nodosa (bei gleichzeitig bestehender positiver Hepatitis-B-Serologie sollte die Behandlungsdauer auf zwei Wochen begrenzt werden).
  • Aktive rheumatoide Arthritis mit schwerer progredienter Verlaufsform, z.B. schnell destruierend verlaufende Formen und/oder mit extraartikulären Manifestationen.
  • Juvenile idiopathische Arthritis mit schwerer systemischer Verlaufsform (Still-Syndrom) oder mit lokal nicht beeinflussbarer Iridozyklitis.
  • Rheumatisches Fieber mit Karditis.

Lokal:

  • Chronische oder nicht akut verlaufende trockene Dermatosen, die auf eine äußerliche Therapie mit stark wirksamen Kortikosteroiden ansprechen, z.B.: Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris), chronische Ekzeme bzw. allergische Hautentzündungen (u.a. Berufsekzeme), Knötchenflechte (Lichen ruber planus), Fischschuppenkrankheit (Ichthyosis).

Anwendungsform

Betamethason ist als Creme, Salbe, Gel, Schaum, Lotion, Lösung zur Anwendung auf der Haut, in Form von Tabletten, einer Injektionssuspension, Lösung zum Einnehmen und als Ampullen auf dem deutschen Markt verfügbar.

Pharmakologie

Pharmakodynamik

Betamethason ist ein fluoriertes Glukokortikoid, das eine etwa 25fach stärkere antientzündliche Wirkung als das natürliche Nebennierenrindenhormon Cortisol besitzt.

Die mineralokortikoide Wirkungskomponente, die hauptsächlich für Nebenwirkungen verantwortlich ist, fehlt dagegen fast vollkommen.

Betamethason aktiviert die Transkription von kortikoidsensitiven Genen, wodurch entzündungshemmende, immunsuppressive und antiproliferative Effekte ausgelöst werden

Pharmakokinetik

  • Betamethason wird nach oraler Anwendung schnell und nahezu vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. Die Halbwertszeit der Resorption beträgt 0,5 Stunden.
  • Maximale Plasmakonzentrationen werden 1 bis 2 Stunden nach oraler Einnahme gemessen.
  • Das Maximum der biologischen Wirkung wird demgegenüber verzögert erreicht (in der Regel nicht vor 6 bis 12 Stunden).
  • Die Plasmahalbwertszeit beträgt ca. 7 Stunden.
  • Mit einer Halbwertszeit der biologischen Wirkung von 36 bis 54 Stunden gehört Betamethason zu den lang wirkenden Steroiden.
  • Es wurde kein spezieller Zusammenhang zwischen Dauer der Wirkung und Plasmakonzentration.
  • Betamethason wird als Glucuronsäurekonjugat vorwiegend biliär eliminiert.
  • Die Ausscheidung über den Urin beträgt nur ca. 5 %. Die renale Clearance wird mit 2,9 ± 0,9 ml/min angegeben.

Dosierung

Topische Anwendung

Creme/Gel/Salbe/Lotion:

Zur Behandlung von entzündlichen Hautkrankheiten, bei denen die symptomatische Anwendung von stark wirksamen topischen Glucocorticoiden angezeigt ist, wie z.B. bei Psoriasis oder zur Initialbehandlung des schweren atopischen Ekzems:

Die entsprechenden Darreichungsformen werden anfangs ein- bis zweimal täglich (morgens und gegebenenfalls abends) dünn auf die erkrankten Hautstellen, später einmal täglich aufgetragen und einmassiert.

Art der Anwendung

Bei hartnäckigeren Läsionen kann die Wirkung von Betamethason Creme, falls nötig, durch Abdecken der behandelten Stellen mit Plastikfolie verstärkt werden (Okklusion). Es wird empfohlen okklusive Verbände über Nacht anzulegen. Später genügt eine normale Anwendung ohne Okklusion. Im Allgemeinen werden Cremes bei nässenden Hautprozessen sowie bei fettigem Hautzustand angewendet. Betamethason Salbe bzw. Gel ist nicht zur Anwendung unter Okklusivverbänden vorgesehen.

Bei klinischer Besserung ist häufig die Anwendung eines schwächeren Glucocorticoids zu empfehlen. Sobald die Erkrankung unter Kontrolle ist, sollte die Behandlung mit topischen Corticosteroiden schrittweise abgesetzt und mit einer Hautpflege als Basistherapie fortgesetzt werden. Bei topischer Behandlung umschriebener Körperstellen soll der Gewöhnungseffekt vermieden werden, indem eine Tandemtherapie mit Pflegepräparaten zwischengeschaltet wird.

Dabei wird einmal pro Tag die Anwendung von Betamethason und nach 12 Stunden die Anwendung eines geeigneten wirkstofffreien Externums empfohlen.

Ebenso kann eine Intervalltherapie geeignet sein, mit ca. wöchentlich wechselnder Anwendung von Betamethason und einem wirkstofffreien Externum.

Liegt eine Infektion der zu behandelnden Stellen vor, sollte die Notwendigkeit einer zusätzlichen antibakteriellen bzw. antimykotischen Therapie überprüft werden.

Lösung zur topischen Anwendung

Zur Behandlung von entzündlichen Hautkrankheiten der Kopfhaut, bei denen die symptomatische Anwendung von stark wirksamen topischen Glucocorticoiden angezeigt ist, wie z. B. Psoriasis capitis:

Im Allgemeinen wird die Lösung auf die zu behandelnden Stellen anfangs morgens und abends aufgetragen, bis eine Besserung eintritt. Die Anwendung kann auf einmal morgens oder abends, später auf etwa drei bis viermal wöchentlich reduziert werden.

Art der Anwendung

Die Lösung wird in Flaschen mit Tropfeinsatz geliefert, und lässt sich so direkt auf die zu behandelnde Stelle der Kopfhaut auftragen, ohne das Haar vollständig zu benetzen.

Kinder und Jugendliche

Bei Kleinkindern wird Betamethason nur einmal täglich angewendet.

Die Anwendung bei Kindern sollte über einen möglichst kurzen Behandlungszeitraum bei geringstmöglicher Dosierung, die noch wirksam ist, erfolgen. Die Behandlung bei Kindern sollte nicht länger als zwei Wochen dauern und kleinflächig (weniger als 10% der Körperoberfläche) erfolgen. Eine sorgfältige Beobachtung bezogen auf Anzeichen und Symptome systemischer Effekte ist zu empfehlen.

Ältere Patienten

Es gibt keine Unterschiede hinsichtlich der Wirksamkeit zwischen älteren und jüngeren Patienten. Aufgrund von Nieren- oder Leberfunktionsstörungen bei älteren Patienten kann die Elimination im Falle systemischer Resorption vermindert sein. Daher sollte die Behandlung auf die kleinste Menge und die kürzeste Dauer beschränkt werden, die den gewünschten Effekt zeigt

Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionsstörungen

Bei Anwendung auf einer großen Fläche über einen längeren Zeitraum kann das Risiko einer systemischer Resorption bestehen. Bei Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionsstörungen können Metabolismus und Elimination verzögert sein, so dass das Risiko systemischer Toxizität erhöht ist. Daher sollte die Behandlung auf die kleinste Menge und die kürzeste Dauer beschränkt werden, die den gewünschten Effekt zeigt.

Dauer der Behandlung

Eine längerfristige (länger als 3 Wochen) oder großflächige (mehr als 20% der Körperoberfläche) Anwendung von Betamethason sollte vermieden werden.

Ein plötzliches Absetzen ist zu vermeiden, da dies zu einem Wiederaufflammen der vor der Behandlung vorliegenden Dermatosen führen kann (Rebound-Phänomen).

Orale Anwendung

Lösung zum Einnehmen

Die Höhe der Dosierung ist abhängig von der Art und Schwere der Erkrankung und vom individuellen Ansprechen des Patienten auf die Behandlung. Im Allgemeinen werden relativ hohe Initialdosen angewendet, die bei akuten schweren Verlaufsformen deutlich höher sein müssen als bei chronischen Erkrankungen.

Allergologie:
  • Bienen- bzw. Wespenstiche bei Insektengiftallergie:

Je nach Grad der Anaphylaxie (z.B. bei Auftreten von Atemnot, Schwellung im Mund-/Rachenbereich oder Kreislaufbeschwerden) muss zunächst Epinephrin (Adrenalin) verabreicht werden.

Unmittelbar nach dem Stichereignis nehmen Erwachsene 30 ml einer 0,5%igen Betamethason-Lösung (entsprechend 15 mg Betamethason) auf einmal ein. Zusätzlich muss ein Antihistaminikum eingenommen werden.

Kinder und Jugendliche

Eine Dosierungsempfehlung für Kinder und Jugendliche kann nur aufgrund praktischer Erfahrungen, nicht jedoch auf Basis vorhandener Daten aus klinischen Prüfungen gegeben werden. In den aktuellen Behandlungsleitlinien ist folgende Dosierungsempfehlung für Betamethason auf Basis des Körpergewichts zu finden:

<15kg: 0,5 mg/kg, der Einfachheit halber kann in Notfallsituationen etwa eine drittel bis halbe Flasche (=7,5 mg) gegeben werden (entspricht 15 ml einer 0,5%igen Lösung)

15 – 30 kg: 7,5 mg (entspricht 15 ml einer 0,5%igen Lösung)

>30kg: 15 mg (entspricht 30 ml einer 0,5%igen Lösung)

Autoimmunerkrankungen/Rheumatologie:
  • Panarteriitis nodosa:

6 − 15 mg/Tag (bei gleichzeitig bestehender positiver Hepatitis-B-Serologie sollte die Behandlungsdauer auf zwei Wochen begrenzt werden).

  • Aktive Phasen von rheumatischen Systemerkrankungen:

systemischer Lupus erythematodes 6 − 15 mg/ Tag

  • Aktive rheumatoide Arthritis mit schwerer progredienter Verlaufsform:

bei schnell destruierend verlaufenden Formen 12 − 15mg/Tag, bei extraartikulären Manifestationen 6 − 12 mg/Tag

  • Juvenile idiopathische Arthritis mit schwerer systemischer Verlaufsform (Still-Syndrom) oder mit lokal nicht beeinflussbarer Iridozyklitis: 12 − 15 mg/Tag.
  • Rheumatisches Fieber mit Karditis: 12 − 15 mg/Tag
Kinder und Jugendliche
  • Kinder über 6 Jahre:

Für Kinder über 6 Jahren gelten die für Erwachsene vorgesehenen Mindestmengen, insbesondere bei kurzer Behandlungsdauer.

  • Kinder unter 6 Jahren:

Die Dosierung für Kinder und Kleinkinder erfordert besondere Sorgfalt. Die Anfangsdosen betragen etwa 0,1 mg/kg Körpergewicht pro Tag. Bei länger dauernder Behandlung sollte eine Dosisreduktion auf eine Erhaltungsdosis von ca. 0,015 mg/kg Körpergewicht und Tag erfolgen. Eine Langzeitbehandlung wird nicht empfohlen.

Patienten mit Leberzellschädigung und Patienten mit Hypothyreose:

Bei Hypothyreose oder bei Leberzirrhose kann eine Dosisreduktion erforderlich sein.

Art der Anwendung

Bei der Therapie sollte die Tagesdosis möglichst als Einzeldosis morgens verabreicht werden (zirkadiane Therapie). Bei Patienten, die eine Hochdosistherapie benötigen, ist jedoch häufig eine mehrmalige tägliche Gabe erforderlich. Die Möglichkeit zur alternierenden Therapie (jeden 2. Tag die doppelte Dosis der üblichen Tagesmenge) in Abhängigkeit vom Krankheitsbild und der individuellen Reaktion ist zu prüfen. Grundsätzlich sollten Dosis und Behandlungsdauer so hoch bzw. lang wie nötig, aber so gering bzw. kurz wie möglich gehalten werden. Die Dosis sollte grundsätzlich stufenweise reduziert werden. Ist eine Langzeittherapie erforderlich, so sollte auf Prednison/Prednisolon umgestellt werden, da es hierbei zu einer geringeren Nebennierenrindensuppression kommt.

Intraartikuläre, periartikuläre, intrabursale, intramuskuläre, intradermale bzw. intraläsionale (nicht subkutane) Anwendung und Infiltrationstherapie

Injektionssuspension in 1 ml Ampulle

Intraartikuläre Injektion bei entzündlichen und degenerativen Erkrankungen der Gelenke:

Die Dosis richtet sich nach der Größe des Gelenks: Sehr große Gelenke (Hüfte): 1,0 – 2,0 ml Große Gelenke (Knie, Sprunggelenke, Schulter): 1,0 ml Mittelgroße Gelenke (Ellenbogen, Handgelenk): 0,5 – 1,0 ml Kleine Gelenke (Finger, Zehen): 0,25 – 0,5 ml

Art der Anwendung

Intraartikuläre Injektionen sind wie offene Gelenkeingriffe zu betrachten und nur unter streng aseptischen Bedingungen durchzuführen. Eine lokale Injektion in ein infiziertes/septisches Gelenk sollte vermieden werden. Zudem sollten Glucocorticoide nicht in instabile Gelenke oder Zwischenwirbelräume injiziert werden. Wiederholte Injektionen in Gelenke, die von Osteoarthritis betroffen sind, können die Gelenkzerstörung beschleunigen. Direkte Injektionen von Kortikosteroiden in Sehnen sind unbedingt zu vermeiden, da im späteren Verlauf sich dadurch Sehnenrupturen entwickeln können. Nach einer intraartikulären Therapie ist eine übermäßige Belastung dieses Gelenks vermeiden.

Dauer der Anwendung

In der Regel reicht eine einmalige intraartikuläre Injektion aus. Wird eine erneute Injektion als notwendig erachtet, sollte diese frühestens nach 3 – 4 Wochen erfolgen, die Zahl der Injektionen pro Gelenk ist auf 3 – 4 pro Jahr zu beschränken.

Intraläsionale, intrabursale und periartikuläre Injektion bzw. Infiltrationstherapie bei entzündlichen und degenerativen Erkrankungen des Bindegewebes:

Die Einzeldosis beträgt 0,25 – 1 ml. Für den Erfolg der Behandlung ist es wichtig, dass der Ort der stärksten Schmerzempfindlichkeit bei Druck oder Bewegung genau festgestellt wird. Sind mehrere Schmerzareale vorhanden, werden auch diese infiltriert.

  • Bursitis: 0,5 ml bis 1 ml, meistens mehrere Injektionen.
  • Synovialzyste: Erst wird nach Punktion versucht Exsudat abzusaugen. Anschließend werden 0,25 ml bis 0,5 ml injiziert und ein Druckverband angelegt.
  • Sudecksche Atrophie: Die Infiltration erfolgt periartikulär und muss eventuell nach 5 bis 7 Tagen wiederholt werden.
  • Ganglion: Punktion der Zyste, Entleerung, Injektion (1 ml) und Kompressionsverband.
  • Bei aseptischen Entzündungen kann in Schleimbeutel, Synovialzysten, Ganglien, Muskelansätze und Sehnenscheiden (nicht in die Sehnen) injiziert werden.
  • Bei Epikondylitis humeri (Tennisellenbogen), Tendopathien, Weichteilrheumatismus etc. wird in das Gebiet der größten Schmerzhaftigkeit fächerförmig infiltriert.
Pneumologische Indikationen:
  • Akuter Asthmaanfall:

Bei Erwachsenen werden 2ml (entspricht zwei Ampullen à 1ml Injektionssuspension) intramuskulär verabreicht.

  • Induktion der Lungenreife bei drohender Frühgeburt (24. – 32. SSW)

Es werden zweimal 2 ml im Abstand von 24 Stunden intramuskulär injiziert, wobei die Wirkung für 7 Tage anhält. Danach ist ggf. eine Wiederholung zu erwägen.
Glukokortikoide fördern die fetale Lungenreife über eine beschleunigte Surfactant-Synthese in den Alveolen.

Art der Anwendung

Intramuskuläre Injektionen von Glucocorticoide sollten tief intraglutäal injiziert werden, um eine lokale Gewebeatrophie zu vermeiden. Eine intramuskuläre Injektion sollte bei Patienten mit idiopathischer thrombozytopenischer Purpura vorsichtig durchgeführt werden.

Intradermale bzw. intraläsionale (nicht subkutan) Injektionen bei Hauterkrankungen wie örtlich begrenzte hypertrophische infiltrierte Läsionen von Lichen ruber planus, psoriatische Plaques, Granuloma anulare, Neurodermitis (Lichen simplex chronicus), Keloide, diskoider Lupus erythematodes, Necrobiosis lipoidica, Alopecia areata:

Es dürfen nicht mehr als 0,2 ml/cm² Hautfläche verwendet werden, pro Behandlung nicht mehr als 1 ml.

Art der Anwendung

Mischung mit einem Lokalanästhetikum (Lidocain) ist möglich.

Der Abstand der einzelnen Infiltrationen soll mindestens 3 cm betragen, für gewöhnlich im Abstand von 6 cm (da der Wirkstoff sich zentrifugal verteilt).

Dauer der Anwendung

Eine Wiederholung der Applikation ist möglich, wobei ein Abstand von 3 – 4 Wochen zwischen den Injektionen eingehalten werden soll. Die gleiche Stelle sollte nicht vor 10 Tagen erneut behandelt werden, andernfalls besteht die Gefahr des Auftretens von Nekrosen.

Anwendung von Lokalanästhetika:

Wird die Kombination mit einem Lokalanästhetikum gewünscht, kann Betamethason Injektionssuspension in der Spritze mit einem Lokalanästhetikum ohne Adrenalinzusatz, z. B. mit 1%igem oder 2%igem Lidocainhydrochlorid oder einem anderen Lokalanästhetikum zu gleichen Teilen gemischt werden. Lokalanästhetika, die Parabene oder Phenol enthalten, sind zu vermeiden. Dabei werden z.B. 0,5ml der Injektionssuspension mit einer 1%igen Lidocain-Lösung auf 1 ml aufgefüllt. Pro Infiltration werden 0,5 bis 0,75 ml dieser Verdünnung verwendet. Die Höchstmenge pro Sitzung beträgt 2 ml der genannten Kombination. Die gemischte Lösung ist aus hygienischen Gründen innerhalb einer Viertelstunde zu injizieren.

Anwendung bei Kindern und Jugendlichen

Zur intraartikulären Anwendung und Infiltrationstherapie von Betamethason Injektionssuspension bei Kindern und Jugendlichen liegen keine ausreichenden Daten zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit vor. Daher wird die Anwendung bei Kindern nicht empfohlen.

Anwendung bei älteren Patienten

Bei älteren Patienten sollte die Anwendung nur unter besonderer Nutzen-Risiko-Abwägung aufgrund des Osteoporose-Risikos erfolgen.

Art der Anwendung

Die Injektionssupension darf nicht intravenös oder subkutan injiziert werden. Subkutane Injektionen können zu Fettgewebsnekrosen führen.

Vor der Anwendung ist die Ampulle zu schütteln und ist unbedingt unter aseptischen Bedingungen zu injizieren. Das Hautgebiet soll operationsmäßig vorbereitet werden.

Intravenöse, intraartikuläre, intramuskuläre und subkonjunktivale Anwendung und Infiltrationstherapie

Injektionslösung à 4 mg Betamethason (1 ml Ampulle)

Neurologie
  • Hirnödem

Bei Hirnödem in Abhängigkeit von Ursache und Schweregrad initial 8 – 10 mg (bis 80 mg) i. v., anschließend 16 – 24 mg (bis 48 mg)/Tag verteilt auf 3 – 4 (6) Einzeldosen i.v. über 4–8 Tage.

  • Hirnödem infolge bakterieller Hirnhautentzündung:

0,15 mg/kg alle 6 Stunden über 4 Tage.

Kinder: 0,4mg/kg alle 12Stunden über 2 Tage.

Notfallbehandlung:
  • Posttraumatischer Schock/Prophylaxe der posttraumatischen Schocklunge:

Initial 40 – 100 mg (Kinder 40 mg) i. v., Wiederholung der Dosis nach 12 Stunden oder 6-stündlich 16 – 40 mg über 2 – 3 Tage.

  • Anaphylaktischer Schock: 40 – 100 mg i. v., bei Bedarf wiederholte Injektion.
Erkrankungen der Lunge und der Atemwege:
Schwerer akuter Asthmaanfall
  • Erwachsene:

8 – 20 mg i. v., weiterhin 8 mg alle 4 Stunden.

  • Kinder:

0,15–0,3mg/kg i.v. bzw. 1,2mg/kg als Bolus, dann 0,3 mg/kg alle 4 – 6 Stunden.

Induktion der Lungenreife bei drohender Frühgeburt

Der Schwangeren werden zweimal 12mg Betamethason-Injektionslösung im Abstand von 24 Stunden intramuskulär injiziert. Die Wirkung hält 7 Tage an. Danach kann ggf. eine Wiederholung der Therapie erwogen werden.

Interstitielle Aspirationspneumonie: Initial 40 – 100 mg (Kinder 40 mg) i. v., Wiederholung der Dosis nach 12 Stunden oder 6-stündlich 16 – 40 mg über 2 – 3 Tage.
Dermatologie:
  • Akute Hautkrankheiten:

Je nach Art und Ausmaß der Erkrankung Tagesdosen von 8 – 40 mg i. v. Anschließend orale Weiterbehandlung mit Betamethason in absteigender Dosierung.

Autoimmunerkrankungen/Rheumatologie:
  • Aktive Phasen von rheumatischen Systemerkrankungen:

Systemischer Lupus Erythematodes 6 – 15 mg/Tag.

  • Aktive rheumatoide Arthritis mit schwerer progredienter Verlaufsform, z.B. schnell destruierend verlaufende Formen: 12 – 15 mg
  • Panarteriitis nodosa: 6 – 15 mg/Tag

(bei gleichzeitig bestehender positiver Hepatitis-B-Serologie sollte die Behandlungsdauer auf zwei Wochen begrenzt werden).

  • Rheumatisches Fieber mit Karditis 12 – 15 mg.
Infiltrationstherapie:

Betamethason Injektionslösung 4 mg wird in den Bereich des stärksten Schmerzes bzw. der Sehnenansätze infiltriert. Eine intratendinöse Injektion muss unter allen Umständen vermieden werden!

Intramuskuläre Injektionen von Kortikosteroiden sollten tief intraglutäal injiziert werden, um eine lokale Gewebeatrophie zu vermeiden.

Intraartikuläre Therapie (kleine Gelenke):

Bei der intraartikulären Anwendung ist die Dosierung abhängig von der Größe des Gelenks und von der Schwere der Symptome und nur unter streng aseptischen Bedingungen durchzuführen. Im Allgemeinen genügt bei Erwachsenen eine einmalige intraartikuläre Injektion von Betamethason Injektionslösung 4 mg zur Besserung der Beschwerden für kleine Gelenke. Wird eine erneute Injektion als notwendig erachtet, sollte diese frühestens nach 3 – 4 Wochen erfolgen, die Anzahl der Injektionen pro Gelenk ist auf 3 – 4 zu beschränken.

Eine Untersuchung der Gelenkflüssigkeit sollte erfolgen, um einen septischen Prozess auszuschließen. Eine lokale Injektion in ein infiziertes/septisches Gelenk sollte vermieden werden. Wiederholte Injektionen in Gelenke, die von Osteoarthritis betroffen sind, können die Gelenkzerstörung beschleunigen. Direkte Injektionen von Kortikosteroiden in Sehnen sind unbedingt zu vermeiden, da dies im späteren Verlauf zu Sehnenrupturen führen kann. Nach einer intraartikulären Glucocorticoid-Therapie sollte der Patient eine übermäßige Strapazierung dieses Gelenkes vermeiden.

Infektiologie:

Schwere Infektionskrankheiten, toxische Zustände (z. B. Tuberkulose, Typhus; nur neben entsprechender antiinfektiöser Therapie): 4 – 20 mg/Tag i.v.

Onkologie:

Palliativtherapie maligner Tumoren: Initial 8–16mg/Tag, bei länger dauernder Therapie 4 – 12 mg/Tag. Prophylaxe und Therapie von Zytostatika-induziertem Erbrechen im Rahmen antiemetischer Schemata.

Ophthalmologie:

Bei der subkonjunktivalen Anwendung sind 2 mg Betamethason ausreichend. Die Dosierung ist individuell festzulegen und richtet sich nach der Schwere der Symptomatik.

Art und Dauer der Anwendung

Die intravenöse Gabe erfolgt langsam über 2 – 3 Minuten.

Die Tagesdosis sollte möglichst als Einzeldosis morgens verabreicht werden (zirkadiane Therapie). Bei Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung eine Hochdosistherapie benötigen, ist jedoch häufig eine mehrmalige tägliche Gabe erforderlich, um einen maximalen Effekt zu erzielen. Die Möglichkeit zur alternierenden Behandlung ist zu prüfen.

Dosis und Behandlungsdauer sollten im Allgemeinen so hoch und lang wie nötig, aber so gering und kurz wie möglich gehalten werden. Die Dosisreduktion sollte grundsätzlich stufenweise erfolgen.

Falls eine Langzeittherapie erforderlich ist, sollte auf Prednison/Prednisolon umgestellt werden, da es hierbei zu einer geringeren Nebennierenrindensuppression kommt.

Patienten mit Leberzellschädigung und Patienten mit Hypothyreose:

Bei Hypothyreose oder bei Leberzirrhose kann eine Dosisreduktion erforderlich sein.

Anwendung bei älteren Patienten

Bei älteren Patienten sollte die Anwendung nur unter besonderer Nutzen/Risiko-Abwägung aufgrund des erhöhten Osteoporose-Risikos erfolgen.

Anwendung bei Kindern und Jugendlichen

Die Anwendung von Betamethason Injektionslösung im Wachstumsalter erfordert eine sehr strenge Indikationsstellung. Da bei Säuglingen und Kindern die Anwendung von Glucocorticoiden das Wachstum stören und die körpereigene Glucocorticoid-Produktion unterbinden kann, sollte bei dieser Altersgruppe, insbesondere bei Langzeittherapie, das Wachstum und die Entwicklung sorgfältig kontrolliert werden. Zur intraartikulären Anwendung und Infiltrationstherapie von Betamethason Injektionslösung bei Kindern und Jugendlichen liegen keine Daten zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit vor, daher wird die Anwendung von bei Kindern nicht empfohlen.

Rektale Anwendung

Rektallösung

Linksseitige Colitis ulcerosa im unteren Darmbereich:

Soweit nicht anders verordnet, wird eine Instillation täglich angewandt. Die Anwendung sollte möglichst in den Morgenstunden (zirkadiane Therapie) erfolgen.

Im Falle einer Infektion der Darmschleimhaut muss unbedingt eine gleichzeitige wirksame antiinfektiöse Behandlung stattfinden.

Art der Anwendung

Betamethason Rektal-Instillation wird rektal angewendet. Eine leichte Erwärmung im Wasserbad kann vor der Anwendung erfolgen. Der Patient liegt mit angezogenen Knien auf der linken Seite im Bett. Der Verschluss des Beutels wird entfernt. Am Ende des Einführungsrohres wird etwas Vaseline aufgetragen und vorsichtig etwa bis zur Hälfte in den Mastdarm eingeführt. Dann wird der Beutel langsam wie eine Tube eingerollt, so dass die Lösung innerhalb 1 – 2 Minuten eingespritzt wird. Danach wird das Einführungsrohr zurückgezogen, wobei die Lösung nicht zurückfließen darf. Der Patient sollte 3 – 5 Minuten lang auf dem Bauch liegen, um im Anschluss seine gewohnte Ruhelage für einige Stunden einzunehmen. Patienten, die den Einlauf morgens nicht lange genug halten können, führen die Behandlung am Abend vor dem Schlafengehen durch.

Dauer der Anwendung

Betamethason Rektal-Instillation sollte über 2 – 4 Wochen täglich angewendet werden. Bei nicht ausreichender Wirkung innerhalb dieser Zeit, soll die Behandlung nicht weitergeführt werden.

Während der Behandlung sollte der Gesundheitszustand des Patienten laufend ärztlich überwacht werden. Im Abstand von jeweils 4 Wochen sollte über einen weiteren Einsatz entschieden werden. Kommt es bei einem Patienten nach einiger Zeit zu einem Rückfall, kann die Behandlung erneut aufgenommen werden.

Nebenwirkungen

Je nach Anwendungsart kann es zu verschiedenen Nebenwirkungen kommen. Diese sind der jeweiligen Fachinformation zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Bei oraler Einnahme bestehen folgende Wechselwirkungen:

  • Östrogene (z.B. Ovulationshemmer) ► Kortikoidwirkung kann verstärkt werden
  • Antazida ► Bei gleichzeitiger Gabe von Aluminium- oder Magnesiumhydroxid kann es bei Patienten mit chronischen Lebererkrankungen zu einer Reduktion der Betamethason-Bioverfügbarkeit kommen
  • Arzneimittel, die CYP3A4 induzieren, wie Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin, Barbiturate und Primidon ► Kortikoidwirkung kann vermindert werden
  • Arzneimittel, die CYP3A4 inhibieren, wie Ketoconazol und Itraconazol ► Kortikoidwirkung kann verstärkt werden
  • Ephedrin ► Metabolismus von Glukokortikoiden kann beschleunigt und hierdurch deren Wirksamkeit vermindert werden
  • ACE-Hemmstoffe ► Erhöhtes Risiko des Auftretens von Blutbildveränderungen
  • Herzglykoside ► Glykosidwirkung kann durch Kaliummangel verstärkt werden
  • Saluretika/Laxantien ► Kaliumausscheidung kann verstärkt werden
  • Antidiabetika ► Blutzuckersenkende Wirkung kann vermindert werden
  • Cumarin-Derivate ► Antikoagulanzienwirkung kann abgeschwächt werden
  • Nicht steroidale Antiphlogistika/Antirheumatika, Salicylate und Indometacin, Alkohol ► Gefahr von Magen-Darm-Blutungen wird erhöht (der Salicylatblutspiegel kann erniedrigt sein)
  • Nicht depolarisierende Muskelrelaxanzien ► Muskelrelaxation kann länger anhalten
  • Atropin und andere Anticholinergika ► zusätzliche Augen-Innendrucksteigerungen sind möglich
  • Praziquantel ► Abfall der Praziquantel-Konzentration im Blut möglich
  • Chloroquin, Hydroxychloroquin, Mefloquin ► erhöhtes Risiko für Myopathien und Kardiomyopathien
  • Somatotropin ► Wirkung von Somatotropin kann vermindert werden
  • Protirelin ► TSH-Anstieg bei Gabe von Protirelin kann reduziert sein
  • Ciclosporin ► Blutspiegel von Ciclosporin werden erhöht ► erhöhte Gefahr zerebraler Krampfanfälle
  • Amphotericin B ► Kaliumausscheidung wird verstärkt ► Fälle von Herzvergrößerung und Herzinsuffizienz nach gleichzeitiger Gabe von Amphotericin B und Hydrokortison wurden berichtet.
  • Makrolidantibiotika ► Abnahme der Kortikosteroid-Clearance möglich
  • Antituberkulotika ► Serumkonzentrationen von Isoniazid können verringert werden
  • Einfluss auf Untersuchungsmethoden ► Hautreaktionen auf Allergietests können unterdrückt werden

Kontraindikation

Betamethason soll nicht angewendet werden bei einer Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff.

Schwangerschaft/Stillzeit

  • Während der Schwangerschaft, besonders in den ersten drei Monaten, soll die orale Anwendung nur nach sorgfältiger Nutzen/Risiko-Abwägung erfolgen. Bei einer Langzeitbehandlung mit Glukokortikoiden während der Schwangerschaft sind Wachstumsstörungen des Fetus nicht auszuschließen.
  • Glukokortikoide gehen in die Muttermilch über. Die Indikation in der Stillzeit sollte deshalb streng gestellt werden.

Anwendungshinweise

  • Eine Nebennierenrinden-Insuffizienz, die durch eine Glukokortikoidtherapie bedingt ist, kann abhängig von der Dosis und Therapiedauer noch mehrere Monate und in Einzelfällen länger als ein Jahr nach Absetzen der Therapie anhalten.
  • Vollständige Warnhinweise können Sie der jeweiligen Fachinformation entnehmen.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
378-44-9
Molare Masse:
392.46 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 6.0 H
Q0-Wert:
0.95
Kindstoff(e):
Betamethason acetat (CAS 987-24-6), Betamethason 17-benzoat (CAS 22298-29-9), Betamethason dipropionat (CAS 5593-20-4), Betamethasondihydrogenphosphat-Dinatrium (CAS 151-73-5), Betamethason valerat (CAS 2152-44-5)
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