Bromazepam

Bromazepam zählt zu den Benzodiazepinen mit lang anhaltender Wirkung und wird zur Therapie von akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen angewendet.

Anwendung

Der Wirkstoff Bromazepam ist indiziert zur symptomatischen Behandlung von akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen. Daneben kann Bromazepam auch als Schlafmittel eingesetzt werden.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Bromazepam ist ein Benzodiazepin-Derivat und gehört zu den psychotropen Substanzen aus der Klasse der 1,4-Benzodiazepine. Benzodiazepine sind aus einem siebengliedrigen 1,4-Diazepinring und einem Benzenring aufgebaut. Typisch, und bei nahezu allen Vertretern zu finden, ist ein 5-Arylsubstituent.

Die Wirkung von Bromazepam ist spannungs-, erregungs- und angstdämpfend. Auch auf den Muskeltonus übt Bromazepam einen dämpfenden Effekt aus. Daneben besitzt der Arzneistoff schwache sedierende und hypnotische Effekte sowie antikonvulsive Eigenschaften.

Pharmakokinetik

Nach oraler Aufnahme erfolgt eine schnelle Resorption von Bromazepam mit einem Anteil von 85 %. Etwa 1 Stunde nach Applikation werden maximale Plasmakonzentrationen erreicht.

Die Plasmaproteinbindung beträgt 70 % und das Verteilungsvolumen liegt bei 0,6 – 0,9 l/kg.

Die Biotransformation von Bromazepam erfolgt überwiegend hepatisch. Es entstehen keine aktiven Metabolite in klinisch relevantem Ausmaß. Die Hauptmetabolite von Bromazepam sind 3-Hydroxybromazepam und 2-Amino-5-brom-benzoylpyridin.

Nicht verändertes Bromazepam ist zu etwa 2 % im Urin nachweisbar. Die beiden Hauptmetaboliten werden, in konjugierter Form, hauptsächlich über die Niere ausgeschieden. Die Eliminationshalbwertszeit von Bromazepam und seinen Metaboliten liegt bei 15 – 28 Stunden. Die Clearance beträgt ca. 60 ml/min.

Bei älteren Patienten kann die Halbwertszeit verlängert sein.

Dosierung

Die Dosierung und die Dauer der Anwendung müssen individuell angepasst werden, dabei sollte die Dosis so gering und die Behandlungsdauer so kurz wie möglich sein.

Ambulante Behandlung:

Anfangsdosis: In der Regel 3 mg Bromazepam abends, etwa 1 Stunde vor dem Schlafengehen.

Dosissteigerung: Die Dosis kann auf 6 mg Bromazepam gesteigert werden. Tagsüber sind generell keine zusätzliche Einnahmen notwendig, da die Wirkung nach abendlicher Einnahme von Bromazepam bis zum nächsten Abend anhält. In seltenen Einzelfällen können jedoch nach einer besonders sorgfältigen Indikationsstellung durch den Arzt zusätzliche Einnahmen von bis zu 1,5 - 12 mg Bromazepam am Tage erfolgen. Hohe Dosierungen werden in der Regel im Krankenhaus verabreicht.

Stationäre Behandlung:

Bei schweren Fällen wie schwere Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände ist eine Dosissteigerung schrittweise bis auf dreimal 6 mg Bromazepam täglich möglich.

Spezielle Dosierungshinweise für besondere Patientengruppen

Ältere oder geschwächte Patienten sowie Patienten mit hirnorganischen Veränderungen, Kreislauf- und Atmungsschwäche sowie gestörter Leber- und/oder Nierenfunktion erhalten in der Regel anfangs 1,5 mg Bromazepam bis maximal 6 mg Bromazepam abends.

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Bromazepam bei Kindern und Jugendlichen ist nicht erwiesen.

Art der Anwendung

Die Tabletten werden mit etwas Flüssigkeit eingenommen. Abends sollten die Tabletten nicht auf vollen Magen eingenommen werden, da sonst der schlaffördernde Effekt verzögert wird und eventuell erhöhte Nachwirkungsgefahr am nächsten Morgen besteht.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Anwendung muss individuell bestimmt werden.

In akuten Fällen sollte die Anwendung von Bromazepam auf Einzelgaben oder wenige Tage beschränkt werden.

In chronischen Fällen richtet sich die Dauer der Anwendung nach dem Verlauf. Nach zwei Wochen sollte durch schrittweise Verringerung der Dosis geklärt werden, ob eine Behandlung mit Bromazepam weiterhin angezeigt ist. Eine Behandlungsdauer von 4 Wochen sollte nicht überschritten werden bzw. eine Verlängerung der Behandlung über 4 Wochen hinaus sollte nur nach erneuter Beurteilung des Zustandsbildes erfolgen.

Beim Absetzen von Bromazepam sollte die Dosis schrittweise reduziert werden. Das vorübergehende Auftreten möglicher Absetzphänomene ist zu berücksichtigen, dabei können zunächst Schlafstörungen bzw. Angst- und Spannungszustände, innere Unruhe und Erregung vorübergehend verstärkt wieder auftreten (Rebound-Effekt).

Die Patienten sind unter anderem über die kurze Behandlungsdauer, ausschleichendes Absetzen und den möglichen Rebound-Effekt aufzuklären.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen treten hauptsächlich zu Therapiebeginn auf. Die Gefahr des Auftretens von Nebenwirkungen ist bei älteren Patienten größer.

Die Anwendung von Bromazepam kann eine vorhandene Depression maskieren.

Unter Therapie mit Bromazepam sind paradoxe Reaktionen möglich. Dazu zählen beispielsweise Erregbarkeit, Reizbarkeit, aggressives Verhalten, Schlafstörungen, Suizidalität oder Halluzinationen.

Bromazepam besitzt ein primäres Abhängigkeitspotential. Die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung besteht bereits bei täglicher Einnahme über wenige Wochen und auch im therapeutischen Dosisbereich. Die Beendigung der Bromazepam-Therapie kann bei Patienten Absetzerscheinungen und Entzugssymptome verursachen. Eine Entzugssymptomatik kann sich auch einstellen, wenn auf ein Benzodiazepin mit einer deutlich kürzeren Eliminationshalbwertszeit gewechselt wird.

Die Therapie mit Bromazepam in hoher Dosierung und über einen längeren Zeitraum kann zu Artikulationsschwierigkeiten, Bewegungs- und Gangunsicherheiten führen.

Im Folgenden sind weitere Nebenwirkungen von Bromazepam nach ihrer Häufigkeit aufgelistet.

Häufig:

  • Niedergeschlagenheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Müdigkeit, Schläfrigkeit
  • Mattigkeit
  • Benommenheit
  • Verlängerte Reaktionszeiten
  • Kopfschmerzen (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung).

Selten:

  • Appetitzunahme
  • Änderungen der sexuellen Bedürfnisse
  • Atemdepression
  • Übelkeit (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung)
  • Diarrhoe
  • Mundtrockenheit
  • Muskelschwäche (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung)
  • Blutdruckabfall.

Sehr selten:

  • Allergische Hautreaktionen (Hautausschlag, Pruritus, Urtikaria).

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit:

  • Überempfindlichkeit
  • Anaphylaktischer Schock
  • Angioödem
  • Emotionale Dämpfung (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung)
  • Verwirrtheit (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung)
  • Verringerte Aufmerksamkeit (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung)
  • Eingeschränktes Erinnerungsvermögen
  • Arzneimittelmissbrauch
  • Diplopie (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung)
  • Nystagmus
  • Herzversagen einschließlich Herzstillstand
  • Hypotonie
  • Erbrechen (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung)
  • Verstopfung
  • Harnverhalt
  • Erschöpfung (v. a. zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosierung).

Wechselwirkungen

Pharmakokinetische Wechselwirkungen

Substanzen, die das Cytochrom P450-System hemmen, können die Wirkung von Benzodiazepinen und benzodiazepinähnlichen Wirkstoffen verstärken.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Bromazepam und starken Inhibitoren von CYP3A4 kann es zu einem Anstieg der Bromazepam-Plasmaspiegel kommen. Die gemeinsamer Anwendung von CYP3A4-Hemmern (z. B. Azol-Antimykotika, Proteasehemmer, einige Makrolide) und Bromazepam sollte mit Vorsicht erfolgen. Eine erhebliche Dosisreduktion sollte in Betracht gezogen werden.

Die gleichzeitige Einnahme von Cimetidin und Omeprazol kann ebenfalls zu Veränderung der Wirkungsstärke von Bromazepam führen.

Pharmakodynamische Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung von Bromazepam und zentral wirksamen Arzneimitteln kann zur gegenseitigen Verstärkung der sedierenden, respiratorischen und hämodynamischen Wirkungen führen. Dies gilt für die Kombination mit folgenden Wirkstoffgruppen:

Bei der Kombination von Bromazepam und Arzneimitteln, die die Atemfunktion beeinträchtigen, ist besondere Vorsicht geboten. Dies gilt insbesondere für die Anwendung bei älteren Menschen.

Die euphorisierende Wirkung kann durch Kombination mit Narkoanalgetika verstärkt werden. Eine mögliche Abhängigkeitsentwicklung wird hierdurch beschleunigt.

Die relaxierende Wirkung kann durch die Kombination mit Muskelrelaxanzien verstärkt werden. Dis gilt insbesondere bei älteren Patienten und bei höherer Dosierung. Die Sturzgefahr erhöht sich.

Art und Umfang der Wechselwirkungen sind bei der gleichzeitigen Anwendung von Bromazepam und folgenden Wirkstoffgruppen nicht sicher absehbar:

Es sollte erfragt werden, ob entsprechende Dauerbehandlungen bestehen. Ist dies der Fall, so ist gerade zu Behandlungsbeginn Vorsicht geboten.

Der Wirkstoff Bromazepam wird langsam ausgeschieden, so dass auch nach dem Absetzen der Therapie noch mit möglichen Wechselwirkungen zu rechnen ist.

Kontraindikation

Eine Überempfindlichkeit gegen Bromazepam oder einen der sonstigen Bestandteile des jeweiligen Arzneimittels stellt eine Kontraindikation dar.

Daneben gelten weitere Kontraindikationen:

  • Abhängigkeitsanamnese
  • Akute Intoxikationen mit Alkohol, Schlaf-, Schmerzmitteln und Psychopharmaka
  • Myasthenia gravis
  • Schwere Ateminsuffizienz
  • Schlafapnoe-Syndrom
  • Schwere Leberinsuffizienz.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Bromazepam darf während der gesamten Schwangerschaft nur in Ausnahmefällen bei zwingender Indikation angewendet werden. Es liegen keine klinischen Daten über exponierte Schwangere mit Bromazepam vor, tierexperimentelle Studien haben jedoch eine Reproduktionstoxizität gezeigt.

Frauen im gebärfähigen Alter, die Bromazepam verordnet bekommen, sollten darauf hingewiesen werden, sich unverzüglich mit ihrem Arzt in Verbindung zu setzen, wenn Schwangerschaftswunsch besteht oder eine Schwangerschaft vermutet wird.

Ein erhöhtes Risiko für Gaumenspalten ergaben einige epidemiologische Studien nach Einnahme therapeutischer Dosen von Benzodiazepinen in der Schwangerschaft. Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft über längere Zeit Benzodiazepine eingenommen haben, können eine körperliche Abhängigkeit entwickeln und zeigen Entzugssymptome in der Postpartalphase.

Wenn aus zwingenden Gründen Bromazepam in hohen Dosen während der Spätschwangerschaft oder während der Geburt verabreicht wird, sind Auswirkungen auf das Neugeborene wie Ateminsuffizienz, Hypothermie, herabgesetzte Muskelspannung, Hypotonie und Trinkschwäche (Floppy-Infant-Syndrom) zu erwarten, die zu überwachen sind. Ebenso liegen Fallberichte über Fehlbildungen und geistige Retardierung der pränatal exponierten Kinder nach Überdosierungen und Vergiftungen mit Benzodiazepinen vor.

Stillzeit

Unter einer Bromazepam-Therapie ist generell vom Stillen abzuraten. Da Benzodiazepine lipophile Substanzen sind, ist ein Übergang in die Muttermilch möglich. Untersuchungen zu Bromazepam liegen jedoch nicht vor. Zudem ist nicht bekannt, ob über die Muttermilch aufgenommenes Bromazepam im Säugling pharmakologisch wirksame Konzentrationen erreicht.

Verkehrstüchtigkeit

Verkehrstüchtigkeit und Bedienen von Maschinen

Bromazepam hat großen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Sedierung, Amnesie, verminderte Konzentrationsfähigkeit und beeinträchtigte Muskelfunktion können sich nachteilig auf die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen auswirken. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol oder nach unzureichender Schlafdauer.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
1812-30-2
Molare Masse:
316.15 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 16.0 H
Q0-Wert:
1.0

Autor: Nurcan Alnouri (Apothekerin)

Stand: 21.08.2019

Quelle:
  1. Fachinformation, Normoc
  2. Fachinformation, Bromazepam ratiopharm

 

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