Budesonid

Budesonid gehört zur Wirkstoffgruppe der Glucocorticoide, die auch als Kortikoide oder Kortison bezeichnet werden. Medikamente mit dem Wirkstoff werden vor allem lokal in den Atemwegen oder im Gastrointestinaltrakt eingesetzt.

Budesonid 0,5 mg/2 ml Susp. für Vernebler, Einzelbeh. (Zur Inhalation)
Budesonid 1 mg/2 ml Susp. für Vernebler, Einzelbeh. (Zur Inhalation)
Budesonid 2 mg/Dosis Rektalschaum (Rektale Anwendung )
Budesonid 3 mg Magensaftresistente Gelatinekapseln (Mikrogranulat) (Zum Einnehmen)
Budesonid 9 mg Magensaftresistentes Granulat (Zum Einnehmen)
Budesonid 9 mg Tabletten mit verzögerter Freisetzung (Zum Einnehmen)
Budesonid 32 µg/Dosis Suspension für Nasenspray (Nasale Anwendung)
Budesonid 50 µg/Dosis Suspension für Nasenspray (Nasale Anwendung)
Budesonid 64 µg/Dosis Suspension für Nasenspray (Nasale Anwendung)
Budesonid 200 µg/Dosis Druckgasinhalation, Lösung (Zur Inhalation)
Budesonid 200 µg/Dosis Pulver zur Inhalation (Zur Inhalation)
Budesonid 400 µg/Dosis Pulver zur Inhalation (Zur Inhalation)

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Budesonid ist ein Wirkstoff mit antiphlogistischen, antiallergischen, antiexsudativen und antiödematösen Eigenschaften. Es wirkt vor allem lokal und wird beispielsweise in Form von Nasensprays, Bronchial-Aerosolen, Rektalschäumen oder Schmelztabletten angewandt.

Bei der inhalativen Anwendung lindert Budesonid die Symptome entzündlicher Veränderungen infolge von Asthma oder COPD. Bei saisonalen und chronischen Rhinitiden wirkt es schleimhautabschwellend. In Form von Klistieren, Zäpfchen oder Rektalschäumen ist der Wirkstoff gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn zugelassen. Seit 2018 kann Budesonid als Schmelztablette auch zur Behandlung der eosinophilen Ösophagitis eingesetzt werden.

Als magensaftresistente Hartkapsel wird Budesonid vor allem gegen kollagene Kolitis und Morbus Crohn angewendet. Die intestinale Wirkung entfaltet sich ebenfalls über lokale Angriffspunkte. Bei einer Dosierung, die zu systemisch wirksamen Glukokortikoiden klinisch äquieffektiv ist, supprimiert der Wirkstoff die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse erheblich geringer. Deshalb fallen auch die kortikoidtypischen Nebenwirkungen weniger stark aus als bei vielen anderen Glukokortikoiden.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Budesonid ist ein nicht-halogeniertes Glukokortikoid. Es wirkt primär antiphlogistisch, indem es an Glukokortikoid-Rezeptoren bindet. Dabei ist die Bindungs-Affinität von Budesonid ungefähr 15-mal stärker als die von Prednisolon. Budesonid beeinflusst zahlreiche Zelltypen wie Mastzellen, Eosinophile, Neutrophile, Makrophagen und Lymphozyten. Zudem hemmt der Wirkstoff (abhängig von Applikation und Wirkort) die antigenstimulierte Ausschüttung zahlreicher proinflammatorischer Signalmoleküle wie Interleukine, RANTES, TNF-α, IFN-γ und GM-CSF oder Eotaxin-3. Infolge kommt es zu einer signifikanten Abnahme der entzündungsbedingten Infiltration der Schleimhäute von Magen, Darm, Speiseröhre oder Atemwegen.

Pharmakokinetik

Die Pharmakokinetik von Budesonid richtet sich nach Art und Applikationsform (beispielsweise als Aerosol, Rektalschaum, Nasenspray, Schmelztablette oder magensaftresistente Hartkapsel) des Arzneimittels. Grundsätzlich bindet der Wirkstoff in hohem Maß an Plasmaproteine und wird gut im Gewebe verteilt. Nach oraler Gabe beträgt die systemische Verfügbarkeit etwa 10 Prozent. Budesonid wird hauptsächlich über CYP3A4, eine Untergruppe des Cytochrom-P-450-Systems, metabolisiert. Die durchschnittliche terminale Eliminationshalbwertszeit liegt nach oraler Gabe bei circa 3 bis 4 Stunden. Die mittlere Clearance für Budesonid beträgt etwa 10 l/min.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen von Budesonid richten sich nach Art und Ort der Applikation. Bei oraler, inhalativer oder nasaler Anwendung kommt es häufig zu lokalen oralen und oropharyngealen Candidosen. Nachfolgend werden beispielhaft die typischen systemischen Nebenwirkungen aufgelistet.

Sehr häufig:

  • Cushing-Syndrom, zum Beispiel mit Vollmondgesicht, Stammfettsucht, verminderter Glukosetoleranz, Diabetes mellitus, Hypertonie, Natriumretention mit Ödembildung, vermehrter Kaliumausscheidung, Inaktivität bzw. Atrophie der Nebennierenrinde, Striae rubrae, Steroidakne und Störung der Sexualhormonsekretion wie Amenorrhoe, Hirsutismus und/oder Impotenz.

Häufig:

  • Dyspepsie
  • Erhöhung des Infektionsrisikos
  • Muskel- und Gelenkschmerzen, Muskelschwäche und –zuckungen
  • Osteoporose
  • Kopfschmerzen
  • Depressionen, Gereiztheit, Euphorie
  • allergisches Exanthem, Petechien, Kontaktdermatitis
  • verzögerte Wundheilung.

Gelegentlich:

  • Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür
  • psychomotorische Hyperaktivität, Angst.

Selten:

  • Glaukom, Katarakt, verschwommenes Sehen
  • Pankreatitis
  • Osteonekrose
  • Aggression
  • Ekchymosen.

Sehr selten:

  • Wachstumsverzögerung bei Kindern
  • Obstipation
  • Pseudotumor cerebri einschließlich Papillenödem bei Jugendlichen
  • Erhöhung des Thromboserisikos
  • Vaskulitis (Entzugssyndrom nach Langzeittherapie)
  • Müdigkeit, Unwohlsein.

Wechselwirkungen

Pharmakodynamische Interaktionen

Budesonid kann bei gemeinsamer Gabe von Herzglykosiden die Glykosidwirkung durch einen hypokaliämischen Effekt verstärken. Die gleichzeitige Gabe von Saluretika erhöht möglicherweise das Risiko einer erhöhten Kaliumausscheidung.

Pharmakokinetische Interaktionen über Cytochrom P450

CYP3A-Inhibitoren

  • Bei einer gleichzeitigen Behandlung mit CYP3A-Inhibitoren einschließlich Cobicistat-haltiger Produkte muss mit einem erhöhten Risiko systemischer Nebenwirkungen gerechnet werden. Die Kombination sollte besser vermieden werden - es sei denn, der Nutzen überwiegt das erhöhte Risiko systemischer Glukokortikoid-Effekte. In diesem Fall sollten die Patienten hinsichtlich systemischer Glukokortikoidnebenwirkungen überwacht werden.
  • Die gleichzeitige orale Gabe von einmal täglich 200 mg Ketoconazol kann die Plasmakonzentrationen von Budesonid um das 6-fache erhöhen. Bei Einnahme von Ketoconazol etwa 12 Stunden nach der Einnahme von Budesonid wurden erhöhte Konzentrationen um circa das 3-fache beobachtet. Noch erlaubt die Datenlage keine Dosierungsempfehlung. Deshalb wird diese Kombination auch nicht empfohlen.
  • Wahrscheinlich können auch andere starke CYP3A4-Inhibitoren wie Ritonavir, Itraconazol, Clarithromycin und Grapefruitsaft die Plasmakonzentration von Budesonid erhöhen. Eine gleichzeitige Anwendung ist deshalb zu vermeiden.

CYP3A4-Induktoren

  • CYP3A4-Induktoren wie Carbamazepin und Rifampicin können sowohl die systemische als auch die lokale Verfügbarkeit von Budesonid verringern. Mitunter muss die Budesonid-Dosierung angepasst werden.
  • Die gleichzeitige Gabe von Budesonid und Cimetidin in einer üblichen Dosierung hat einen geringen Effekt und wirkt sich klinisch vermutlich nicht relevant auf das pharmakokinetische Verhalten von Budesonid aus. Die gleichzeitige Gabe von Omeprazol soll die Pharmakokinetik von Budesonid ebenfalls nicht beeinflussen.

CYP3A4-Substrate

  • Wirkstoffe, die durch CYP3A4 metabolisiert werden, konkurrieren mit Budesonid. Weist die konkurrierende Substanz eine höhere Affinität zu CYP3A4 auf, sind erhöhte Budesonid-Plasmakonzentrationen möglich. Bindet Budesonid stärker an CYP3A4, ist mit einem Anstieg des Plasmaspiegels der konkurrierenden Substanz zu rechnen. Möglicherweise muss die Dosis der konkurrierenden Substanz oder die von Budesonid angepasst werden.

Steroidbindende Kunstharze

  • Wechselwirkungen mit steroidbindenden Kunstharzen, wie Colestyramin und mit Antazida können nicht ausgeschlossen werden. Bei gleichzeitiger Einnahme von Budesonid könnte dessen Wirkung abgeschwächt werden. Daher sollten diese Präparate nicht gleichzeitig eingenommen werden. Empfohlen wird ein zeitlicher Abstand von mindestens 2 Stunden.

Weitere Wechselwirkungen

  • Da Budesonid die Nebennierenrindenfunktion unterdrücken kann, sind falsche Ergebnisse bei einem ACTH-Stimulationstest zur Diagnose einer Hypophyseninsuffizienz möglich. In der Regel werden unter Budesonid niedrige Werte gemessen.
  • Bei Frauen, die gleichzeitig Östrogene oder orale Kontrazeptiva eingenommen haben, sind erhöhte Plasmaspiegel und eine verstärkte Wirkung von Glukokortikoiden wie Budesonid möglich.

Kontraindikation

Budesonid darf nicht bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff angewendet werden. Je nach Applikationsform verbietet sich auch die Anwendung bei schwerer Leberfunktionsstörung wie Leberzirrhose.

Vorsichtsmaßnahmen

Andere Erkrankungen

Eine Budesonid-Behandlung muss besonders sorgfältig überwacht werden, wenn der Patient an Erkrankungen wie Tuberkulose, Hypertonie, Diabetes mellitus, Osteoporose, peptischem Ulkus, Glaukom, Katarakt oder bei familiär gehäuft aufgetretenem Diabetes oder Glaukom leidet. Wird der Wirkstoff in solchen Fällen über längere Zeit in höheren Dosen angewendet, ist das Risiko für systemische Glukokortikoidnebenwirkungen besonders hoch. Dazu gehören vor allem Cushing-Syndrom, Nebennierensuppression, Wachstumsverzögerung, verminderte Knochenmineraldichte, Katarakt, Glaukom und vielfältige psychiatrische/das Verhalten beeinflussende Effekte.

Infektionen

Budesonid unterdrückt Entzündungsreaktionen und das körpereigene Immunsystem. Infolge erhöht sich die Anfälligkeit für Infektionen und deren Schweregrad. Deshalb muss das Risiko einer Verschlimmerung von Bakterien-, Pilz-, Amöben- und Virusinfektionen während einer Glukokortikoidtherapie sehr sorgfältig beachtet werden. Die klinische Symptomatik kann oft atypisch ausfallen. Schwere Infektionen wie Sepsis und Tuberkulose sind mitunter maskiert und können daher ein fortgeschrittenes Stadium erreichen, bevor sie erkannt werden.

Windpocken

Eine Windpocken-Erkrankung sollte unbedingt vermeiden werden. Diese normalerweise leicht verlaufende Erkrankung kann bei immunsupprimierten Patienten einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen. Patienten, die diese Erkrankung noch nicht durchgemacht haben, sollten dazu angehalten werden, engen Kontakt zu Personen mit Windpocken oder Herpes zoster zu vermeiden. Bei konkreter Ansteckungsgefahr ist umgehend ein Arzt zu kontaktieren.

Bei der Behandlung von Kindern sind die Eltern entsprechend zu informieren.

Sollte sich ein Patient mit Windpocken angesteckt haben können, ist bei allen nicht immunen Patienten, die systemisch wirksame Glukokortikoide erhalten oder in den letzten 3 Monaten erhalten haben, eine passive Immunisierung mit Varicella-zoster-Immunglobulin (VZIG) angezeigt. Die Immunisierung sollte innerhalb von 10 Tagen nach Exposition erfolgen. Wenn sich die Diagnose einer Varizelleninfektion bestätigt, bedarf die Erkrankung einer unverzüglichen speziellen Behandlung. Die Glukokortikoidtherapie sollte nicht beendet werden, mitunter ist die Dosis zu erhöhen.

Masern

Patienten mit einem durch Budesonid beeinträchtigten Immunsystem, die mit Masern in Kontakt gekommen sind, sollten so schnell wie möglich postexpositionell normales Immunglobulin erhalten.

Impfstoffe

Patienten, die dauerhaft Budesonid erhalten, sollten keine Lebendimpfstoffe verabreicht bekommen. Die Antikörperbildung nach Verabreichung anderer Impfstoffe kann verringert sein.

Leberfunktionsstörungen

Bei einer primär biliären Zirrhose (PBC) im Spätstadium (mit Leberzirrhose) sowie bei stark eingeschränkter Leberfunktion ist mit einer erhöhten systemischen Verfügbarkeit von Budesonid zu rechnen. Die Empfehlung einer Behandlung muss sorgfältig abgewogen werden.

Bei Lebererkrankungen ohne Leberzirrhose oder nur geringfügig beeinträchtigter Leberfunktion sind in der Regel keine speziellen Dosierungsempfehlungen erforderlich. Eine Entscheidung darüber ist aber immer individuell zu treffen.

Sehstörung

Bei lokaler oder systemischer Anwendung von Glukokortikoiden wie Budesonid können Sehstörungen auftreten. Bei Symptomen wie verschwommenem Sehen oder anderen Sehstörungen sollte der Patient an einen Augenarzt zur Bewertung möglicher Ursachen weitergeleitet werden. Diese umfassen unter anderem Katarakt, Glaukom oder seltene Erkrankungen, wie die zentrale seröse Chorioretinopathie (CSC), die nach der Anwendung systemischer oder topischer Glukokortikoide auftreten können.

Stress

Glukokortikoide können zu einer Supprimierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden (HPA) – Achse führen und die Stressreaktion herabsetzen. Deshalb sollte bei Operationen oder anderen Stresssituationen gleichzeitig ein systemisch wirksames Glukokortikoid verabreicht werden.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
51333-22-3
Molare Masse:
430.53 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 2.8 H
Q0-Wert:
1.0
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