Clindamycin

Clindamycin ist ein Antibiotikum, das bei einer Vielzahl von Infektionen mit Clindamycin-empfindlichen Bakterien äußerlich wie innerlich angewendet werden kann. Häufige Einsatzgebiete sind Atemwegsinfektionen, Infektionen der Knochen und Gelenke sowie der Haut- und Weichteile und gynäkologische Infektionen.

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Clindamycin wird äußerlich und innerlich bei Infektionen eingesetzt, die durch Clindamycin-empfindliche Erreger verursacht sind. Zu den häufigen Anwendungsgebieten gehören Infektionen der oberen und unteren Atemwege (u.a. chronische Tonsillitis, Sinusitis, Otitis media und Scharlach sowie Bronchitis und Pneumonie), schwer behandelbare Infektionen der Haut und der Weichteile (z.B. Akne, Furunkulose und Wundabszesse), Knochen- und Gelenkinfektionen, gynäkologische und intraabdominale Infektionen sowie dentale Infektionen (z.B. Parodontitis).

Bei schwerem Krankheitsverlauf ist die intravenöse der oralen Therapie vorzuziehen.Clindamycin ist bei vielen anaeroben Infektionen wirksam. Bei aeroben Infektionen ist Clindamycin eine Alternative, wenn andere Antibiotika unwirksam oder kontraindiziert sind.

Für Menschen mit einer Penicillin-Allergie stellt die Therapie mit Clindamycin eine Alternative dar. In Kombination mit dem Antiprotozoikum Pyrimethamin kann es auch zur Behandlung der Toxoplasmose eingesetzt werden.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Clindamycin ist ein Lincosamid-Antibiotikum und hemmt wie Makrolid-Antibiotika durch Bindung an die 50S-Untereinheit des bakteriellen Ribosoms die Proteinbiosynthese der Bakterien. Es resultiert eine zumeist bakteriostatische Wirkung. In hohen Dosen ist auch eine bakterizide Wirkung möglich.

Clindamycin dringt sehr gut in tiefe Gewebeschichten ein. Dadurch ist es gut zur Behandlung von Knochen-, Gelenk- und Weichteil- Infektionen geeignet.

Das Antibiotikum bekämpft aerobe grampositive Keime wie Streptokokken oder Staphylokokken, anaerobe Keime sowie andere Mikroorganismen wie Chlamydien.

Pharmakokinetik

Clindamycinhydrochlorid wird nach oraler Gabe schnell resorbiert. Maximale Serumkonzentrationen werden nach etwa 45 bis 60 Minuten (nüchtern), bei Einnahme nach einer Mahlzeit nach etwa 2 Stunden erreicht. Die biologische Halbwertszeit beträgt 2,4 Stunden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion und mittlerer bis schwerer Leberinsuffizienz ist die Halbwertszeit verlängert.

Nach der Resorption wird Clindamycin rasch in Körperflüssigkeiten und Gewebe einschließlich Knochengewebe verteilt.

Der Großteil der Clindamycin-Dosis wird metabolisiert und mit dem Stuhl ausgeschieden. Weniger als 10% werden unverändert im Harn ausgeschieden.

Dosierung

Perorale Anwendung

Erwachsene und Jugendliche über 14 Jahre nehmen in Abhängigkeit von Ort und Schweregrad der Infektion täglich 0,6-1,8 g Clindamycin ein. Die Tagesdosis wird auf 3-4 Gaben verteilt.
Kinder im Alter über 4 Wochen bis 14 Jahre erhalten in Abhängigkeit von Ort und Schweregrad der Infektion 8-25 mg Clindamycin/kg KG. Die tägliche Einnahmemenge wird auf 3-4 Einzeleinnahmen verteilt, wobei 4 Gaben zu bevorzugen sind.

Intravenöse oder intramuskuläre Anwendung

Erwachsene und Jugendliche über 14 Jahre erhalten bei mäßig schweren Infektionen täglich 1,2 g bis 1,8 g Clindamycin und bei schweren Infektionen täglich 2,4 g bis 2,7 g Clindamycin in 2 – 4 Einzeldosen.
Kinder im Alter über 4 Wochen bis 14 Jahre erhalten in Abhängigkeit von Ort und Schweregrad der Infektion 20 mg bis 40 mg Clindamycin pro kg Körpergewicht in 3 bis 4 Einzeldosen.

Dosierung bei Lebererkrankungen

Bei Patienten mit mittelschweren bis schweren Lebererkrankungen verlängert sich die Eliminationshalbwertszeit von Clindamycin. Eine
Dosisreduktion ist in der Regel nicht erforderlich, wenn Clindamycin alle 8 h gegeben wird. Eine Plasmaspiegelbestimmung sollte bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz erfolgen. Entsprechend den Ergebnissen dieser Maßnahme kann eine Dosisreduktion oder eine Verlängerung des Dosierungsintervalls notwendig werden.

Dosierung bei Nierenerkrankungen

Die Eliminationshalbwertszeit ist bei Nierenkranken verlängert. Bei leichter bis mäßig schwerer Einschränkung der Nierenfunktion ist eine Dosisreduktion aber nicht erforderlich. Eine Plasmaspiegelbestimmung sollte bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz erfolgen. Entsprechend den Ergebnissen dieser Maßnahme kann eine Dosisreduktion oder eine Verlängerung des Dosierungsintervalls notwendig werden.

Dosierung bei Hämodialyse

Clindamycin nicht hämodialysierbar, daher ist vor oder nach einer Dialyse keine zusätzliche Dosis erforderlich.

Anwendung auf der Haut bei Akne vulgaris

Erwachsene und Jugendliche (ab 12 Jahren) tragen das Gel einmal täglich abends auf das gesamte betroffene Hautareal auf. Die Therapiedauer sollte maximal 12 Wochen betragen.

Intravaginale Anwendung bei bakterieller Vaginose

Erwachsene und Jugendliche (ab 16 Jahren) führen 1 Vaginalzäpfchen abends vor dem Zubettgehen über 3 aufeinanderfolgende Tage in die Vagina ein.

Nebenwirkungen

Im Folgenden sind die Nebenwirkungen von Clindamycin nach ihrer Häufigkeit aufgelistet:

Häufig:

  • Bauchschmerzen
  • Diarrhö
  • Pseudomembranöse Kolitis
  • Abweichende Ergebnisse bei Leberfunktionstests.

Gelegentlich:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Makulopapulöses Exanthem
  • Urtikaria.

Nicht bekannt:

  • Vaginalinfektionen
  • Agranulozytose, Neutropenie, Leukopenie, Thrombozytopenie, Eosinophilie
  • Anaphylaktische Reaktionen
  • Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS-Syndrom)
  • Dysgeusie
  • Ösophagusulkus, Ösophagitis
  • Gelbsucht
  • Toxische epidermale Nekrolyse
  • Stevens-Johnson-Syndrom
  • Akute generalisierte exanthematöse Pustulose (AGEP)
  • Erythema multiforme
  • Exfoliative Dermatitis
  • Bullöse Dermatitis
  • Masernähnliches Exanthem
  • Juckreiz.

Wechselwirkungen

Ein klinisch signifikanter antagonistischer Effekt zwischen Clindamycin und Erythromycin ist möglich. Deshalb sollte die gemeinsame Anwendung vermieden werden.

Clindamycin kann den Effekt neuromuskulär-blockierender Substanzen verstärken. Bei Patienten, die solche Arzneimittel erhalten sollte Clindamycin nur mit Vorsicht angewendet werden. Bei Operationen könnten unerwartet lebensbedrohliche Reaktionen auftreten.

Bei gemeinsamer Anwendung mit Vitamin-K-Antagonisten wie z. B. Warfarin, Acenocoumarol, Fluindion sind erhöhte Blutgerinnungswerte und Blutungen beobachtet worden. Die Blutgerinnungs-werte sollten daher bei Patienten, die mit diesen Medikamenten behandelt werden, engmaschig kontrolliert werden.

Kontraindikation

Überempfindlichkeit gegen Clindamycin oder Lincomycin oder einen anderen Bestandteil der entsprechenden Arzneizubereitung stellen eine Kontraindikation dar.

Schwangerschaft/Stillzeit

Clindamycin passiert beim Menschen die Plazenta-Schranke. Klinische Studien an schwangeren Frauen ergaben keine erhöhte Häufigkeit von angeborenen Fehlbildungen bei systemischer Verabreichung von Clindamycin während des zweiten und dritten Trimesters der Schwangerschaft. Für schwangere Frauen im ersten Trimester der Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Studien vor. Clindamycin darf deshalb während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dies ist unbedingt erforderlich.

Oral und parenteral angewendetes Clindamycin wurde in der Muttermilch nachgewiesen. Wegen des Risikos für schwerwiegende Nebenwirkungen beim gestillten Säugling sollte Clindamycin in der Stillzeit nicht angewendet werden.

Fertilitätsstudien an Ratten nach oraler Clindamycingabe ergaben keine Auswirkungen auf die Fertilität oder Gebärfähigkeit.

Verkehrstüchtigkeit

Clindamycin hat einen geringen oder mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen, da Nebenwirkungen wie z. B. Schwindel und Schläfrigkeit die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit beeinflussen können.

Weitere Details zu diesem Wirkstoff können Sie der Fachinformation entnehmen.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
18323-44-9
Molare Masse:
424.98 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 3.0 H
Q0-Wert:
0.8
Kindstoff(e):
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