Enalapril

Enalapril ist ein Wirkstoff zur Therapie der arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck), der Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) und zur Prophylaxe kardiologischer Erkrankungen. Enalapril ist der erste ACE-Hemmer mit 2 Carboxylierungen.

Nachdem unter Captopril, dem ersten zugelassenen ACE-Inhibitor, verstärkt Nebenwirkungen mit der freien Sulfhydryl-Gruppe in Verbindung gebracht wurden, war das Bestreben groß durch Strukturoptimierung nebenwirkungsärmere Derivate zu entwickeln. Bei Enalapril wurde die Sulhydryl-Gruppe des Captoprils durch Carboxylierung ersetzt und weitere Strukturoptimierungen vorgenommen.

Pharmakologie, Wirkung und Anwendung

Pharmakodynamik

Enalapril gehört wie auch Ramipril, Captopril, Lisinopril, Perindopril und Zofenopril der Klasse der ACE-Inhibitoren an. „ACE“ (angiotensin converting enzyme) ist ein Enzym, welches die Umwandlung von Angiotensin I zu Angiotensin II katalysiert. Angiotensin II wirkt zum einen direkt und zum anderen auch indirekt vasokonstringierend durch Freisetzung von Catecholaminen aus dem Nebennierenmark, durch Erleichterung der Noradrenalin-Freisetzung und durch Erhöhung des Sympathikustonus. Diese Faktoren tragen alle zu einer Blutdrucksteigerung bei. Weiterhin bedingt Angiotensin II die Freisetzung von Aldosteron, auch bekannt als  „Dursthormon“, weshalb eine ACE-Hemmung durch Enalapril zusätzlich eine schwache diuretische Wirkung mit bedingt.

Pharmakokinetik

Enalapril ist ein lipidlösliches und relativ inaktives Prodrug mit guter oraler Absorption (60 bis 70%), einer schnellen Spitzenplasmakonzentration (1 Stunde nach Einnahme) und einer schnellen Clearance (4 Stunden nach Einnahme nicht mehr detektierbar). Der Wirkstoff wird in der Leber durch Esterasen zu einem aktiven Disäurederivat, dem Enalaprilat, metabolisiert. Dieses erreicht 2 bis 4 Stunden nach oraler Einnahme die höchsten Plasmaspiegel.

Die Elimination von Enalapril ist zweiphasig. Die Anfangsphase ist durch eine Nierenfiltration (Eliminationshalbwertszeit 2 bis 6 Stunden) charakterisiert, eine anschließende verlängerte Phase (Eliminationshalbwertszeit 36 Stunden) durch eine Gewebeverteilung. Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen, insbesondere bei einer Kreatinin-Clearance <20 ml / min (<1,2 L / h), kann es zu einer signifikanten Akkumulation von Enalaprilat führen, so dass eine Dosisreduktion erforderlich ist.

Nebenwirkungen

Bei bestimmungsgemäßer Anwendung und bei niedriger Dosierung gelten ACE-Hemmer wie das Enalapril als gut verträglich. Die meisten Nebenwirkungen werden mit einem verlangsamten Abbau und einer Anreicherung von Bradykinin in Verbindung gebracht. Dieses kann den für ACE-Hemmer typischen trockenen Reizhusten verursachen. Weiterhin wird von Infektionen der Atemwege, Magen-Darm-Beschwerden, Sehstörungen, Nierenfunktionsstörungen, Hautausschlag, Schwindel, Geschmacksstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Bronchitis und Müdigkeit berichtet. In seltenen Fällen (Häufigkeit 0,1-0,2 %) kann ein angioneurotischen Ödem auftreten.

Wechselwirkungen

  • Enalapril sollte nicht zusammen mit kaliumsparenden Diuretika wie z.B.  Spironolacton, Amilorid und Triamteren eingenommen werden, da eine Kombination zu erhöhten Kalium-Plasmaspiegeln führen würde. Patienten mit Nierenfunktionsstörungen oder Diabetiker sind von dieser Interaktion besonders betroffen. Erhöht sich der Kaliumspiegel, ist gleichzeitig auch die Wirkung von Herzglykosiden wie Digitoxin oder Digoxin abgeschwächt.
  • Nichtsteroidale Antirheumatika wie z.B. Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure und Naproxen können die blutdrucksenkende Wirkung von Enalapril vermindern. Bei kombinierter Einnahme sind deshalb Blutdruckkontrollen notwendig.
  • Gleichzeitige Gabe von Immunsuppressiva, Allopurinol, Glucocorticoiden oder Procainamid, erhöht das Risiko für Blutbildveränderungen. Sind diese Kombinationen unumgänglich, sollten regelmäßig Blutbildkontrollen durchgeführt werden.
  • Da ACE-Inhibitoren das Auftreten allergischer Reaktionen begünstigen, sollte während ihrer Einnahme keine Hyposensibilisierung (Immuntherapie) durchgeführt werden.
  • Enalaprill kann außerdem die Ausscheidung von Lithium verzögern, weshalb es bei gleichzeitiger Anwendung zu starken Nebenwirkungen durch erhöhte Plasmaspiegel kommen kann.
  • Wird Enalapril mit oralen Antidiabetika oder Insulin kombiniert, sollten aufgrund einer verstärkten blutzuckersenkenden Wirkung regelmäßig Blutzucker-Kontrollen durchgeführt werden.

Kontraindikationen und Anwendungsbeschränkungen

Da für ACE-Inhibitoren ein Risiko für Angioödeme beschrieben wurde, zählen diese in der Patientenanamnese zu den Kontraindikationen für Enalapril. Weiterhin darf Enalapril nicht in der Schwangerschaft angewendet werden.

Wichtige Hinweise

Bei Patienten mit aktiviertem Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) kann es bei erstmaliger Enalapril-Gabe zu massiver Blutdrucksenkung kommen. Diese Aktivierung kann durch eine Diuretika-Vorbehandlung, stärkere Wasser- und Salzverluste oder eine schwere Herzinsuffizienz ausgelöst werden. Damit dies vermieden wird, muss Enalapril mit niedriger Dosis beginnend eingeschlichen werden.

Eine Langzeitstudie aus Belgien (SOLVD; Studies of Left Ventricular Dysfunction) konnte zeigen, dass früher Therapiestart mit Enalapril die Gesamtmortalität von Patienten mit linksventrikulärer systolischer Dysfunktion reduziert.

Der Wirkstoff kommt außerdem als Enalaprilmaleat und als seine aktiven Metaboliten Enalaprilat sowie Enalprilat-2-Wasser in Arzneimitteln vor.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
75847-73-3
Molare Masse:
376.45 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 11.0 H
Q0-Wert:
0.2
Kindstoff(e):
Enalapril maleat (CAS 76095-16-4)
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • Auf Google+ teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden

130 Präparate mit Enalapril

Anzeige

Letzte News zum Wirkstoff

Gelbe Liste Datenbank-Suche

Gelbe Liste Datenbanken

Innere Medizin

Newsletter