Filgrastim

Filgrastim ist ein Biosimilar, das zur Behandlung pathologisch erniedrigter Konzentrationen von neutrophilen Granulozyten verwendet wird. Filgrastim ist ein Zytokin, das als Granulozyten-Kolonie-stimulierender Faktor (G-CSF) zu der Klasse der Immunstimulantien gezählt wird. Der Wirkstoff wird gentechnisch aus Escherichia-coli-Kulturen hergestellt.

Anwendung

Medikamente mit dem Wirkstoff Filgrastim werden in der Therapie einer Neutropenie verwendet. Filgrastim stimuliert hierbei das Knochenmark neutrophile Granulozyten zu bilden. Eine Neutropenie kann viele verschiedene Ursachen haben. Hierunter z.B. antineoplastische Behandlungen (Strahlentherapie), Knochenmarkstransplantation, Strahlungsunfälle und HIV/AIDS. Da Granulozyten einen wesentlichen Beitrag zur Immunabwehr leisten, sind zu niedrige Werte meist mit Infektionen assoziiert.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Als Granulozyten-stimulierender-Faktor reguliert Filgrastim die Produktion von neutrophilen Granulozyten innerhalb des Knochenmarks indem es an den G-CSF-Rezeptor bindet. Als G-CSF-Analogon steuert es die Proliferation von Progenitorzellen und beeinflusst ihre Reifung zu Neutrophilen. Der Wirkstoff stimuliert außerdem die Freisetzung von Neutrophilen aus dem Knochenmark, reduziert ihre Reifungszeit und erhöht deren phagozytische Aktivität. Bei Patienten, die eine zytotoxische Chemotherapie erhalten, kann Filgrastim die Neutrophilen-Erholung beschleunigen, was als Folge zu einer Verkürzung der neutropenischen Phase führt.

Pharmakokinetik

Innerhalb von 24 Stunden nach Verabreichung, kommt es zu einem deutlichen Anstieg der neutrophilen Granulozyten im peripheren Blut. Die Zahl der Monozyten und Lymphozyten hingegen ändert sich kaum. Filgrastim zeigt eine nichtlineare Pharmakokinetik. Die Clearance ist abhängig von der Filgrastim-Konzentration und der Neutrophilenzahl. Darüber hinaus wird Filgrastim über die Niere ausgeschieden. Die absolute Bioverfügbarkeit von Filgrastim nach s.c.-Injektion beträgt 60% bis 70%. Die durchschnittliche Serumhalbwertszeit beträgt 3,5 Stunden mit einer Clearance-Rate von 0,5 - 0,7 ml pro Minute und kg Körpergewicht.

Nebenwirkungen

Je nach Vorerkrankung und Therapiegrund, können die Nebenwirkungen unterschiedlich ausfallen. Die vollständigen Angaben finden sich in der Fachinformation.

Sehr häufig treten bei Krebspatienten z.B. Hyperurikämie, erhöhte Lactatdehydrogenase, verminderter Appetit, Erkrankungen des GI-Trakts, Leber- und Gallenerkrankungen, Haarausfall, Ausschlag, Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen, Asthenie, Schwindel, Schleimhautentzündung und allgemeine Schmerzen auf.

Zu den häufig auftretenden Nebenwirkungen bei Krebspatienten zählen u.a. Arzneimittelüberempfindlichkeit, Hypotonie, Hämoptyse, Dysurie und Brustschmerzen.

Wechselwirkungen

  • Besondere Vorsichtsmaßnahmen gelten bei Patienten mit Sichelzell-Anlage und Sichelzellanämie.
  • Eine Anwendung zusammen mit Lithium kann die Effekte von Filgrastim verstärken, da Lithium die Freisetzung neutrophiler Granulozyten fördert.
  • Eine Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit wird aufgrund einer mangelhaften Studienlage nicht empfohlen. Eine Nutzen-Risiko-Abwägung muss gemeinsam mit dem Arzt entschieden werden.
  • Mit Topotecan, Cyclophosphamid und Bleomycin kann es zu verstärkten Nebenwirkungen kommen.

Kontraindikation

Zu den Gegenanzeigen zählen unter anderem:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Filgrastim soll nicht 24 Stunden vor bis 24 Stunden nach einer entsprechenden Chemotherapie angewendet werden
  • Kostmann-Syndrom
  • Leber- und/oder Nierenversagen

Hinweise

Filgrastim darf nicht mit Kochsalzlösung verdünnt werden, da er aus der Lösung heraus an Glas oder Kunststoffe adsorbiert werden kann.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
121181-53-1
Molare Masse:
18802.62 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 3.5 H
Q0-Wert:
1.0

Autor: Isabelle Viktoria Maucher (Apothekerin)

Stand: 22.02.2017

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