Furosemid

Furosemid gehört zur Wirkstoffgruppe der Diuretika und wird in der Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen eingesetzt.

Furosemid 20 mg Tabletten (Zum Einnehmen)
Furosemid 30 mg Hartkapsel, retardiert (Zum Einnehmen)
Furosemid 40 mg Tabletten (Zum Einnehmen)
Furosemid 60 mg Hartkapsel, retardiert (Zum Einnehmen)
Furosemid 500 mg Tabletten (Zum Einnehmen)

Indikation (Anwendung)

Furosemid wird bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt. Die häufigsten Anwendungsgebiete sind Bluthochdruck (Hypertonie) und Ödeme infolge von Herzinsuffizienz, Leber- und Nierenerkrankungen oder Verbrennungen. Bei Kaliumüberschuss (Hyperkaliämie) wird Furosemid angewendet, um überschüssiges Kalium auszuschwemmen. Missbräuchlich wird der Wirkstoff eingesetzt, um den Nachweis von Dopingmitteln zu erschweren.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Furosemid ist ein stark, kurz und schnell wirksames Schleifendiuretikum. Es blockiert einen Transportmechanismus für Natrium-, Kalium- und Chlorid-Ionen in der Niere. Dadurch kommt es zur vermehrten Ausscheidung dieser Stoffe, so genannter Elektrolyte, und damit einhergehend von osmotisch gebundenem Wasser. Furosemid fördert somit die Ausschwemmung von Wasseransammlungen im Gewebe, so genannter Ödeme, wodurch das Herz entlastet wird.
Die Ausscheidung von Kalzium- und Magnesium-Ionen ist ebenfalls erhöht. Daneben kann es zu einer verminderten Harnsäureausscheidung und zu Störungen des Säure-Basen-Haushalts in Richtung metabolische Alkalose kommen.

Furosemid führt auch zu einer dosisabhängigen Stimulierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems. Bei Herzinsuffizienz senkt es akut die Vorlast des Herzens durch Erweiterung der venösen Kapazitätsgefäße. Dieser frühe vaskuläre Effekt ist wahrscheinlich durch Prostaglandine vermittelt. Er setzt eine ausreichende Nierenfunktion mit Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems sowie eine intakte Prostaglandinsynthese voraus.

Furosemid wirkt blutdrucksenkend infolge einer gesteigerten Natriumchlorid-Ausscheidung und einer verminderten Ansprechbarkeit der glatten Gefäßmuskulatur auf vasokonstriktorische Reize sowie infolge einer Blutvolumenabnahme.

Pharmakokinetik

Furosemid wird nach oraler Applikation zu 60 - 70% aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert. Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz oder nephrotischem Syndrom kann die Resorption auf weniger als 30% reduziert sein. Die Wirkung tritt nach ca. 30 Minuten ein. Maximale Plasmaspiegel werden nach ca. 1 Stunde gemessen, bei der Retardform nach ca. 3,5 Stunden.

Furosemid wird zu ca. 95% an Plasmaproteine gebunden. Das relative Verteilungsvolumen liegt bei 0,2 l/kg Körpergewicht (bei Neugeborenen 0,8 l/kg Körpergewicht).

Furosemid wird in der Leber nur zu ca. 10% metabolisiert und überwiegend unverändert ausgeschieden. Die Elimination erfolgt zu zwei Dritteln renal, zu einem Drittel über Galle und Faeces.

Bei normaler Nierenfunktion beträgt die Eliminationshalbwertszeit ca. 1 Stunde. Bei terminaler Niereninsuffizienz kann sie sich auf bis zu 24 Stunden verlängern.

Nebenwirkungen

Im Folgenden sind die Nebenwirkungen von Furosemid nach ihrer Häufigkeit aufgelistet:

Sehr häufig:

  • Elektrolytstörungen, Dehydratation, Hypovolämie
  • Triglyzeride im Blut erhöht
  • Hypotonie einschließlich Orthostasesyndrom (insbesondere bei intravenöser Infusion)
  • Kreislaufbeschwerden und Kreislaufkollaps (bei übermäßiger Diurese, insbesondere bei älteren Patienten und Kindern), einschließlich Kopfschmerz, Schwindel, Sehstörungen, Mundtrockenheit und Durst
  • Anstieg des Kreatinins im Serum.

Häufig:

  • Hämokonzentration (bei übermäßiger Diurese)
  • Hyponatriämie und Hypochlorämie (Apathie, Wadenkrämpfe, Appetitlosigkeit, Schwächegefühl, Schläfrigkeit, Erbrechen und Verwirrtheitszustände)
  • Hypokaliämie (Muskelschwäche, Parästhesien, Paresen; Erbrechen, Obstipation, Meteorismus; Polyurie, Polydipsie und kardiale Reizbildungs- und Reizleitungsstörungen)
  • Cholesterin im Blut erhöht, Harnsäure im Blut erhöht und Gichtanfälle
  • Hepatische Enzephalopathie bei Patienten mit Leberinsuffizienz
  • Urinvolumen erhöht.

Gelegentlich:

  • Thrombozytopenie
  • Allergische Haut- und Schleimhautreaktionen
  • Eingeschränkte Glucosetoleranz und Hyperglykämie
  • Meist reversible Hörstörungen, besonders bei Patienten mit Niereninsuffizienz oder Hypoproteinämie und/oder bei zu schneller intravenöser Injektion; Taubheit (evtl. irreversibel)
  • Übelkeit
  • Pruritus, Urtikaria, Ausschläge, bullöse Dermatitis, Erythema multiforme, Pemphigoid, Dermatitis exfoliativa, Purpura, Photosensibilität.

Selten:

  • Eosinophilie, Leukopenie
  • Schwere anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen (Erste Anzeichen für einen anaphylaktischen Schock sind u. a. Hautreaktionen wie Flush oder Urtikaria, Unruhe, Kopfschmerz, Schweißausbruch, Übelkeit, Zyanose)
  • Parästhesien
  • Tinnitus aurium
  • Vaskulitis
  • Erbrechen, Diarrhö
  • tubulointerstitielle Nephritis
  • Fieber.

Sehr selten:

  • Hämolytische Anämie, aplastische Anämie, Agranulozytose
  • Akute Pankreatitis
  • Intrahepatische Cholestase, Erhöhung der Lebertransaminasen.

Nicht bekannt:

  • Exazerbation oder Aktivierung eines systemischen Lupus erythematodes
  • Hypokalzämie
  • Hypomagnesiämie
  • Metabolische Alkalose
  • Pseudo-Bartter-Syndrom (im Zusammenhang mit Missbrauch und/oder Langzeitanwendung)
  • Schwindel, Ohnmacht und Bewusstlosigkeit (verursacht durch symptomatische Hypotonie), Kopfschmerzen
  • Thrombose
  • Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse, akute generalisierte exanthematische Pustulose (AGEP), Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS)
  • Rhabdomyolyse (oft im Zusammenhang mit schwerer Hypokaliämie)
  • Natrium im Urin erhöht, Chlorid im Urin erhöht, Blutharnstoff erhöht
  • Symptome einer Harnabflussbehinderung (z. B. bei Patienten mit Prostatahyperplasie, Hydronephrose, Ureterstenose) bis hin zur Harnsperre (Harnverhaltung) mit Sekundärkomplikationen, Nephrokalzinose und/oder Nephrolithiasis bei Frühgeborenen, Nierenversagen
  • Erhöhtes Risiko eines persistierenden Ductus arteriosus Botalli, wenn Frühgeborene in den ersten Lebenswochen mit Furosemid behandelt werden.

Wechselwirkungen (Interaktionen)

Folgende Arzneistoffe können die Wirkung von Furosemid abschwächen:

  • Nichtsteroidale Antiphlogistika (z. B. Acetylsalicylsäure, Indometacin). Bei Hypovolämie oder Dehydratation kann die gleichzeitige Gabe von nicht-steroidalen Antiphlogistika ein akutes Nierenversagen auslösen.
  • Arzneimittel, die wie Furosemid in den Nieren beträchtlich tubulär sezerniert werden (z.B. Probenecid, Methotrexat)
  • Phenytoin
  • Sucralfat (Verminderung der Aufnahme von Furosemid aus dem Darm). Beide Arzneimittel sollten nicht zusammen, sondern in einem zeitlichen Abstand von mindestens 2 Stunden eingenommen werden.

Darüber hinaus bestehen zahlreiche andere Wechselwirkungen:

Gleichzeitige Anwendung mit Glukokortikoiden, Carbenoxolon oder Laxanzien kann zu verstärkten Kaliumverlusten führen. Dadurch besteht das Risiko einer Hypokaliämie. Große Mengen Lakritze wirken in dieser Hinsicht wie Carbenoxolon.

Die Empfindlichkeit des Myokards gegenüber Herzglykosiden kann bei gemeinsamer Anwendung mit Furosemid erhöht sein.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, die ein Syndrom des verlängerten QT-Intervalls verursachen können (z. B. Terfenadin, einige Antiarrhythmika der Klassen I und III), und beim Vorliegen von Elektrolytstörungen besteht ein erhöhtes Risiko für Kammerarrhythmien (inklusive Torsade de pointes).

Die Toxizität hoch dosierter Salicylate kann bei gemeinsamer Anwendung mit Furosemid verstärkt werden.

Furosemid kann die schädlichen Effekte nephrotoxischer Arzneimittel (z. B. Antibiotika, wie Aminoglykoside, Cephalosporine, Polymyxine) verstärken.

Gleichzeitige Anwendung mit ototoxischen Arzneimitteln (z.B. Aminoglykosidantibiotika) sollte vermieden werden, da deren Ototoxizität verstärkt werden kann. Auftretende Hörstörungen können irreversibel sein.

Ein Hörschaden ist möglich bei gleichzeitiger Anwendung von Furosemid mit Cisplatin. Es kann außerdem zu einer Verstärkung der Nephrotoxizität von Cisplatin kommen.

Die gleichzeitige Gabe von Furosemid und Lithium führt über eine verminderte Lithium-Ausscheidung zu einer Verstärkung der kardio- und neurotoxischen Wirkung des Lithiums. Lithium-Plasmaspiegel sollten sorgfältig überwacht werden.

Bei gleichzeitiger Anwendung mit anderen Antihypertensiva, Diuretika oder Arzneimitteln mit blutdrucksenkendem Potenzial ist ein verstärkter Blutdruckabfall zu erwarten. Massive Blutdruckabfälle wurden insbesondere bei ACE-Hemmern oder Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten beobachtet. Bevor die Therapie mit einem ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten begonnen oder seine Dosis erhöht wird, sollte die Furosemid-Behandlung vorübergehend eingestellt oder zumindest für 3 Tage die Dosis reduziert werden.

Furosemid kann die renale Elimination von Probenecid, Methotrexat und anderen Arzneimitteln, die wie Furosemid in den Nieren beträchtlich tubulär sezerniert werden, verringern. Bei hoch dosierter Behandlung (insbesondere sowohl mit Furosemid als auch dem anderen Arzneimittel) kann dies zu erhöhten Serumspiegeln und einem größeren Nebenwirkungsrisiko durch Furosemid oder die Begleitmedikation führen.

Furosemid kann die Wirkung von Theophyllin und curareartigen Muskelrelaxanzien verstärken.

Die Wirkung von Antidiabetika oder blutdruckerhöhenden Sympathomimetika (z. B. Epinephrin, Norepinephrin) kann bei gleichzeitiger Anwendung von Furosemid abgeschwächt werden.

Bei älteren Patienten mit Demenz wurde bei gleichzeitiger Behandlung mit Risperidon eine höhere Mortalitätsinzidenz beobachtet. Bei einer Kombination mit Risperidon ist daher Vorsicht angezeigt, und Risiken und Nutzen sind vor der Therapieentscheidung abzuwägen.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen Furosemid, Sulfonamide (mögliche Kreuzallergie mit Furosemid) oder einen anderen Bestandteil der entsprechenden Arzneizubereitung.
Darüber hinaus darf der Wirkstoff nicht angewendet werden bei:

  • Nierenversagen mit Anurie, das auf eine Furosemid-Therapie nicht anspricht
  • Coma und Praecoma hepaticum im Zusammenhang mit einer hepatischen Enzephalopathie
  • schwere Hypokaliämie
  • schwere Hyponatriämie
  • Hypovolämie oder Dehydratation
  • Stillzeit.

Wichtige Hinweise

Fertilität, Schwangerschaft, Stillzeit

Furosemid passiert die Plazenta und erreicht im Nabelschnurblut 100 % der maternalen Serumkonzentration. Fehlbildungen, die mit einer Furosemid-Exposition in Zusammenhang stehen könnten, sind beim Menschen bisher nicht bekannt geworden. Zur abschließenden Beurteilung einer eventuell schädigenden Wirkung auf den Embryo/Fetus liegen jedoch keine ausreichenden Erfahrungen vor.

In der Schwangerschaft ist es nur kurzfristig und unter besonders strenger Indikationsstellung anzuwenden. Diuretika sind für die routinemäßige Therapie von Hypertonie und Ödemen in der Schwangerschaft nicht geeignet, da sie die Perfusion der Plazenta beeinträchtigen und damit das intrauterine Wachstum. Falls Furosemid bei Herz- oder Niereninsuffizienz einer Schwangeren angewendet werden muss, sind Elektrolyte und Hämatokrit sowie das Wachstum des Fetus genau zu überwachen. Für Furosemid wird eine Verdrängung des Bilirubins aus der Albuminbindung und damit ein erhöhtes Kernikterusrisiko bei Hyperbilirubinämie diskutiert.

Furosemid wird in die Muttermilch ausgeschieden und hemmt die Laktation. Frauen dürfen daher nicht mit Furosemid behandelt werden, wenn sie stillen. Gegebenenfalls ist abzustillen

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen

Die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt kann durch individuell auftretende unterschiedliche Reaktionen beeinträchtigt sein. Dies gilt in verstärktem Maße bei Behandlungsbeginn, Dosiserhöhung und Präparatewechsel sowie in Kombination mit Alkohol.

Weitere Details zu diesem Wirkstoff können Sie der jeweiligen Fachinformation entnehmen.

Verwandte Wirkstoffe

Furosemid  (ATC-Klasse C03CA01) gehört zu der Gruppe der stark wirksamen Diuretika („High-Ceiling- Diuretika“).

Andere Vertreter dieser Klasse sind:

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
54-31-9
Molare Masse:
330.77 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 1.2 H
Q0-Wert:
0.3
Kindstoff(e):
Furosemid natrium (CAS 41733-55-5)
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