Hydrocortison

Hydrocortison (Cortisol) ist ein Wirkstoff, der zur Gruppe der Glucocorticoide gehört und antiinflammatorische (antientzündlichen), immunsuppressive und antiallergische Eigenschaften besitzt. Der Arzneistoff kann sowohl lokal als auch systemisch angewendet werden.

Hydrocortison 0,25 % Salbe (Anwendung auf der Haut)
Hydrocortison 0,5 % Creme (Anwendung auf der Haut)
Hydrocortison 1 % Creme (Anwendung auf der Haut)
Hydrocortison 1 % Hautemulsion (Anwendung auf der Haut)
Hydrocortison 1 % Lösung zum Auftragen auf die Haut (Anwendung auf der Haut)
Hydrocortison 1 % Salbe (Anwendung auf der Haut)
Hydrocortison 10 mg Tabletten (Zum Einnehmen)
Hydrocortison 20 mg Tabletten mit modifizierter Wirkstofffreisetzung (Zum Einnehmen)

Indikation (Anwendung)

Systemische Anwendungsgebiete

  • Primäre Nebennierenrinden-Insuffizienz (z.B. Morbus Addison, Zustand nach Adrenalektomie), sekundäre Nebennierenrinden-Insuffizienz (z. B. Sheehan-Syndrom, Zustand nach Hypophysektomie)
  • Hemmtherapie
  • Adrenogenitales Syndrom (AGS)

Lokale Anwendungsgebiete

  • Symptomatische Behandlung von Hauterkrankungen, die auf eine Therapie mit mittelstark bis stark wirksamen äußerlichen Kortikoiden ansprechen und aufgrund Ihrer Ausprägung dafür geeignet sind. Hierzu gehören z. B. akute bis subakute Formen des allergischen oder irritativ-toxischen Ekzems sowie des atopischen Ekzems (Neurodermitis) und akute bis subakute Läsionen der Psoriasis.
  • Entzündliche Erkrankungen im unteren Dickdarmbereich wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn und Proktosigmoiditis.
  • Allergische Veränderung an Lid oder Bindehaut, nicht infektiöse Entzündungen der Bindehaut, der Hornhaut (bei intakter Hornhautoberfläche) und der Lederhaut sowie nicht bakterielle Entzündungen der Regenbogenhaut, des Ziliarkörpers, der Ader- und Netzhaut.

Anwendungsform

  • Hydrocortison ist als Creme, Emulsion, Salbe, Rektalschaum, Lösung, Spray, Tabletten, Infusionslösung, Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung, Augensalbe, Lotion, Paste, Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung und Zäpfchen auf dem deutschen Markt verfügbar

Pharmakologie (Wirkung)

Pharmakodynamik

Hydrocortison bindet an Glucocorticoidrezeptoren, wodurch ein Hormon-Rezeptor-Komplex entsteht, der durch Aufnahme in den Zellkern eine DNA-abhängige Induktion von regulatorisch wirksamen Proteinen bewirkt.

Wirkungen von Hydrocortison in höherer Dosierung:

  • unterdrückt die Vermehrung von Fibroblasten und besitzt dadurch antiproliferative Eigenschaften
  • hemmt die Proliferation von T-Lymphozyten (immunsuppressive Wirkung)
  • Verbesserung der Mikrozirkulation im Schock durch besseres Ansprechen der Gefäße auf Catecholamine
  • Zunahme der Thrombozytenzahl im Blut
  • verminderte Gonadotropinsekretion des Hypophysenvorderlappens und Abnahme der Gonadenfunktion
  • gesteigerte Erregbarkeit des Gehirns und Senkung der Krampfschwelle
  • psychotrope, euphorisierende aber auch depressive Wirkung

Pharmakokinetik

Systemisch:

  • Nach Nüchterneinnahme von Hydrocortison werden maximale Serumkonzentrationen innerhalb von 1 Stunde erreicht, die Serumhalbwertszeit beträgt ca. 1 ½ Stunden.
  • Durch Einnahme während einer Mahlzeit wird die Resorption verzögert, aber nicht vermindert.
  • Die Eiweißbindung ist dosisabhängig: Bei niedriger Dosierung ist Hydrocortison zu über 90 % gebunden, hauptsächlich an Transkortin, schwächer an Albumin.
  • Hydrocortison wird vor allem in der Leber metabolisiert, die Metaboliten (Tetrahydro-, 6-Hydroxy-, 11 -Keto- und 20-Hydroxyverbindungen) sind hormonell inaktiv und werden als Glucuronate renal ausgeschieden (ca. 90% der applizierten Dosis innerhalb von 48 Stunden).
  • Die Wirkdauer ist länger als die Verweilzeit im Serum, sie beträgt im mittleren Dosisbereich 8 bis 12 Stunden

Nebenwirkungen

Außer der Möglichkeit einer Überempfindlichkeitsreaktion gegen Hydrocortison sind bei einer Substitutionstherapie keine Nebenwirkungen zu erwarten.

Je nach Anwendungsart kann es zu unterschiedlichen Nebenwirkungen kommen, die der jeweiligen Fachinformation entnommen werden können.

Interaktionen (Wechselwirkungen)

Bei systemischer Anwendung sind folgende Interaktionen zu beachten:

  • Estrogene (z.B. Ovulationshemmer): Die Corticoidwirkung kann verstärkt werden.
  • Rifampicin, Phenytoin, Barbiturate und Primidon: Die Corticoidwirkung wird vermindert.
  • Nichtsteroidale Antiphlogistika/Antirheumatika, Salicylate und Indometacin: Die Gefahr von Magen-Darm-Ulzera und -Blutungen wird erhöht.
  • Atropin, andere Anticholinergika: Zusätzliche Augeninnendrucksteigerungen möglich.
  • Nichtdepolarisierende Muskelrelaxanzien: Die Muskelrelaxation kann länger anhalten.
  • Chloroquin, Hydroxychloroquin, Mefloquin: Es besteht ein erhöhtes Risiko des Auftretens von Myopathien, Kardiomyopathien.
  • Ciclosporin: Die Blutspiegel von Ciclosporin werden erhöht: Es besteht eine erhöhte Gefahr zerebraler Krampfanfälle.
  • Herzglykoside: Die Glykosidwirkung kann durch Kaliummangel verstärkt werden.
  • Saluretika: Die Kaliumausscheidung wird gesteigert.
  • Antidiabetika: Die blutzuckersenkende Wirkung wird vermindert.
  • Cumarin-Derivate/orale Antikoagulanzien: Die Antikoagulanzienwirkung wird abgeschwächt ► Bei gleichzeitiger Anwendung wird eine Dosisanpassung der Antikoagulanzien erforderlich.
  • Praziquantel: Durch Corticosteroide ist ein Abfall der Praziquantel-Konzentration im Blut möglich.
  • Somatropin: Die Wirkung von Somatropin kann bei Überdosierung von Hydrocortison vermindert werden.
  • Protirelin: Der TSH-Anstieg bei Gabe von Protirelin kann reduziert sein.

Kontraindikationen und Anwendungsbeschränkungen

Hydrocortison ist bei systemischer Anwendung kontraindiziert bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff

Für die lokale sowie die systemische Anwendung gibt es unterschiedliche Gegenanzeigen, die der jeweiligen Fachinformation entnommen werden können.

Wichtige Hinweise

  • Die Cushing-Schwellendosis für Erwachsene wird mit 30 bis 40 mg Hydrocortison pro Tag angegeben. Mit der biologischen Halbwertszeit von über 8 bis 12 Stunden gehört Hydrocortison zu den kurz wirksamen Glucocorticoiden, aufgrund der kurzen Wirkungsdauer führt Hydrocortison damit bei einer täglichen kontinuierlichen Gabe nicht zu einer Kumulation.

Schwangerschaft

  • Während der Schwangerschaft ist eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung bei systemischer Anwendung von Hydrocortison erforderlich. Im Tierversuch ergaben sich Hinweise auf Fehlbildungen und andere embryotoxische Wirkungen von Glucocorticoiden. Für die Anwendung von Hydrocortison beim Menschen im Rahmen der Substitutionstherapie haben diese Befunde jedoch keine Bedeutung.

Stillzeit

  • Glucocorticoide gehen in geringen Mengen in die Muttermilch über. Für Hydrocortison selbst liegen keine Untersuchungen vor. Bei einer Substitutionsbehandlung sind jedoch keine negativen Auswirkungen auf den gestillten Säugling zu erwarten.

Verwandte Wirkstoffe


Hydrocortison (ATC-Klassen C05AA01, D07AA02 ) gehört zur Gruppe der Glukokortikoide, hierzu gehören beispielsweise auch:

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
50-23-7
Molare Masse:
362.46 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 1.5 H
Q0-Wert:
1.0
Kindstoff(e):
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • Auf Google+ teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden

116 Präparate mit Hydrocortison

Anzeige

Letzte News zum Wirkstoff

Gelbe Liste Datenbank-Suche

Gelbe Liste Datenbanken

Innere Medizin

Newsletter