Hydromorphon

Der Wirkstoff Hydromorphon gehört zur Gruppe der Opioidanalgetika und wird angewendet zur Behandlung starker Schmerzen. Das Schmerzmittel unterliegt in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz.

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Hydromorphon wird angewendet zur Behandlung starker Schmerzen.

Anwendungsart

Hydromorphon ist in Form von retardierten und unretardierten Hartkapseln, Retardtabletten, Injektions- und Infusionslösungen auf dem deutschen Markt verfügbar.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Hydromorphon ist wie Morphin ein Agonist an μ-Opioidrezeptoren. Hydromorphon und verwandte Opioide wirken hauptsächlich auf das zentrale Nervensystem und den Darm. Hydromorphon ahmt wie alle opioiden Schmerzmittel die Wirkung körpereigner Opioide nach. Körpereigene Opioid-Peptide sind Endorphine, Enkephaline und Dynorphine. Diese Eiweißstoffe wirken auf zweierlei Weise: Durch die Bindung an µ-Opioidrezeptoren verringern sie einerseits die Weiterleitung von Schmerzsignalen in den Nervenzellen und setzen andererseits die Schmerzwahrnehmung im Gehirn (Thalamus und limbisches System) herab.

Pharmakokinetik

Hydromorphon wird im Gastrointestinaltrakt resorbiert und unterliegt einer präsystemischen Elimination. Der Wirkstoff besitzt eine orale Bioverfügbarkeit von etwa 32 Prozent. Hydromorphon wird in der Leber metabolisiert und renal überwiegend als konjugiertes Hydromorphon, Dihydroisomorphin und Dihydromorphin eliminiert.

Dosierung

Die Dosierung von Hydromorphon ist abhängig von der Stärke der Schmerzen und dem bisherigen Schmerzmittelbedarf des Patienten. Die Wirksamkeit von 1,3 mg Hydromorphonhydrochlorid entspricht der von 10 mg oral gegebenem Morphinsulfat.
Sehr wichtig bei der Therapie starker Schmerzen ist die Einnahme nach einem fixen Schema und nicht eine Verordnung nach Bedarf. Die Behandlung beginnt gewöhnlich mit einer Dosis von 1,3 mg oder 2,6 mg Hydromorphonhydrochlorid alle 4 Stunden. Je nach Schmerzintensität und Vorgeschichte des Patienten sind auch Anfangsdosierungen von 4 mg alle 12 Stunden möglich. Bei einer Zunahme der Schmerzen kann die Dosis gesteigert werden oder eine Kombination mit Retardformulierungen von Hydromorphon probiert werden.

Nebenwirkungen

Bei der Behandlung mit Hydromorphon kommt es häufig (≥ 1/100, <1/10) zu folgenden Nebenwirkungen:

  • verminderter Appetit, Appetitlosigkeit
  • Angst, Verwirrtheit, Schlaflosigkeit
  • Schwindel, Somnolenz
  • Hypotonie
  • Obstipation, Bauchschmerzen, Mundtrockenheit, Übelkeit, Erbrechen
  • Pruritus, Schwitzen
  • Harnverhalt und verstärkter Harndrang
  • Asthenie

Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung folgender Arzneimittel führt zu einer additiven ZNS-dämpfenden Wirkung:

  • Tranquilizer
  • Anästhetika (wie z. B. Barbituraten)
  • Hypnotika und Sedativa (wie z. B. Benzodiazepinen oder verwandten Arzneimitteln)
  • Neuroleptika
  • Antidepressiva
  • Antihistaminika/Antiemetika
  • andere Opioiden
  • Alkohol

Die gleichzeitige Anwendung von Hydromorphon und MAO-Hemmern oder die Anwendung von Hydromorphon innerhalb von 14 Tagen nach Absetzen eines MAO-Hemmers ist kontraindiziert

Kontraindikation

Hydromorphon darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • erheblicher Atemdepression mit Hypoxie oder erhöhten Kohlendioxidspiegel im Blut
  • schwerer, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung
  • Koma
  • akutem Abdomen
  • paralytischem Ileus
  • gleichzeitiger Gabe von Monoaminoxidase-Hemmern (MAO-Hemmern) oder wenn diese innerhalb der letzten 2 Wochen abgesetzt wurden

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Hydromorphon sollte während der Schwangerschaft und während der Geburt nicht angewendet werden, da es zu verminderter Uteruskontraktilität und der Gefahr einer Atemdepression beim Neugeborenen kommen kann. Eine chronische Einnahme von Hydromorphon während der Schwangerschaft kann zu einem Entzugssyndrom beim Neugeborenen führen.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Hydromorphon oder seine Metaboliten in die Muttermilch übergehen. Ein Risiko für das Neugeborene oder den Säugling kann nicht ausgeschlossen werden.
Hydromorphon sollte während der Stillzeit nicht angewendet werden, anderenfalls sollte abgestillt werden.

Verkehrstüchtigkeit

Hydromorphon hat einen mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Vor allem zu Beginn einer Hydromorphon-Therapie, nach Dosiserhöhung oder Wechsel des Arzneimittels sowie bei einer Kombination von Hydromorphon mit Alkohol oder anderen ZNS-dämpfenden Substanzen ist dies wahrscheinlich. Patienten, die stabil auf eine spezifische Dosis eingestellt sind, sind nicht unbedingt beeinträchtigt. Deshalb sollten Patienten mit ihrem behandelnden Arzt besprechen, ob sie ein Fahrzeug führen oder Maschinen bedienen dürfen.

Alternativen

Hydromorphon gehört zur Wirkstoffklasse der Opioidanalgetika. Weitere Wirkstoffe dieser Klasse finden Sie hier.

Hinweise

Weitere Informationen sind der jeweiligen Fachinformation zu entnehmen.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
466-99-9
Molare Masse:
285.34 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 2.6 H
Q0-Wert:
0.23
Kindstoff(e):
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