Levetiracetam

Levetiracetam ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Antiepiletika, der vor allem gegen Epilepsie bei fokalen Anfällen mit und ohne Generalisierung bei Patienten ab 16 Jahren zugelassen ist.

Levetiracetam 1,5 g Granulat in Beutelpackung (Zum Einnehmen)
Levetiracetam 5 mg/ml Lösung zur Infusion (Parenterale Anwendung)
Levetiracetam 10 mg/ml Lösung zur Infusion (Parenterale Anwendung)
Levetiracetam 100 mg/ml Flüssigkonzentrat zur Infusion (Parenterale Anwendung)
Levetiracetam 100 mg/ml Lösung zum Einnehmen (Zum Einnehmen)
Levetiracetam 250 mg Granulat in Beutelpackung (Zum Einnehmen)
Levetiracetam 250 mg Tabletten (Zum Einnehmen)
Levetiracetam 500 mg Granulat in Beutelpackung (Zum Einnehmen)
Levetiracetam 500 mg Tabletten (Zum Einnehmen)
Levetiracetam 750 mg Granulat in Beutelpackung (Zum Einnehmen)
Levetiracetam 750 mg Tabletten (Zum Einnehmen)
Levetiracetam 1000 mg Granulat in Beutelpackung (Zum Einnehmen)
Levetiracetam 1000 mg Tabletten (Zum Einnehmen)

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Levetiracetam ist bei Patienten ab 16 Jahren mit neu diagnostizierter Epilepsie zugelassen zur Monotherapie partieller Anfälle mit und ohne sekundärer Generalisierung.

Als Zusatztherapie kann es angewendet werden zur Behandlung fokaler Anfälle bei Erwachsenen und Kindern einschließlich Säuglingen ab einem Monat mit Epilepsie.

Im Rahmen eines Gesamttherapiekonzepts kann es bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren auch zur Behandlung myoklonischer Anfälle bei juveniler myoklonischer Epilepsie (Janz-Syndrom) sowie  primär generalisierter tonisch-klonischer Anfällen (schwere Grand mal-Anfälle mit Bewusstlosigkeit) bei idiopathisch generalisierter Epilepsie eingesetzt werden.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Der Wirkmechanismus beruht auf der Bindung an das synaptische Vesikelprotein SV2A. Daraus resultiert eine herabgesetzte Freisetzung von Glutamat aus dem präsynaptischen Vesikel und eine Veränderung der neuronalen Reizweiterleitung.

In-vitro-Daten zeigen, dass der durch N-Typ-Kanäle vermittelte Ca2+-Strom partiell inhibiert und die Freisetzung von Ca2+ aus intraneuronalen Speichern vermindert wird. Außerdem kehrt Levetiracetam partiell die Reduktion der GABA- und Glycin-gesteuerten Ströme um, die durch Zink und β-Carboline induziert wird. Der genaue molekulare Wirkmechanismus ist jedoch noch nicht vollständig aufgeklärt.

Pharmakokinetik

Levetiracetam ist sehr gut löslich und membrangängig. Es wird nach oraler Gabe dosisunabhängig, rasch und vollständig resorbiert. Die orale absolute Bioverfügbarkeit beträgt nahezu 100 %.Maximale Plasmakonzentrationen werden  bei Erwachsenen 1,3 Stunden nach der Einnahme erzielt. Bei zweimal täglicher Gabe wird die Steady-State-Konzentration nach 2 Tagen erreicht.

Die Clearance verändert sich nach wiederholter Anwendung nicht. Aufgrund der vollständigen und linearen Resorption von Levetiracetam ist es möglich, die Plasmaspiegel anhand der oralen Dosis (mg/kg Körpergewicht) vorherzusagen. Eine Überwachung der Plasmaspiegel von Levetiracetam ist daher nicht notwendig. Bei eingeschränkter Nierenfunktion korreliert die Gesamtkörperclearance mit der Kreatinin-Clearance. Bei Kindern und Jugendlichen bis zu 12 Jahren ist die Gesamtkörperclearance um etwa 30% höher als bei erwachsenen Epilepsiepatienten. Insbesondere bei Kindern unter 4 Jahren hat sowohl das Alter als auch das Körpergewicht einen Einfluss auf die Clearance und das Verteilungsvolumen.

Im Menschen wird Levetiracetam nicht extensiv metabolisiert. Weder Levetiracetam noch sein primärer Metabolit werden signifikant an Plasmaproteine gebunden.

Das Verteilungsvolumen von Levetiracetam beträgt annähernd 0,5 bis 0,7 l/kg, und liegt damit nahe am Volumen des Gesamtkörperwassers.

Die Plasmahalbwertszeit bei Erwachsenen beträgt 7 ± 1 Stunden und verlängert sich bei älteren Patienten aufgrund einer verminderten Nierenfunktion um etwa 40% (10 bis 11 Stunden).

Nebenwirkungen

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen waren Nasopharyngitis, Somnolenz, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwindel.

Im Folgenden sind die Nebenwirkungen von Levetiracetam nach ihrer Häufigkeit aufgelistet:

Sehr häufig:

  • Nasopharyngitis
  • Somnolenz
  • Kopfschmerzen.

Häufig:

  • Anorexie
  • Depression, Feindseligkeit/Aggression, Angst, Insomnie, Nervosität/Reizbarkeit
  • Konvulsion, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Lethargie, Tremor
  • Drehschwindel
  • Husten
  • Abdominalschmerzen, Diarrhoe, Dyspepsie, Erbrechen, Nausea
  • Rash
  • Asthenie/Müdigkeit.

Gelegentlich:

  • Thrombozytopenie, Leukopenie
  • Gewichtsverlust, Gewichtszunahme
  • Suizidversuch und suizidale Gedanken, psychotische Störungen, anormales Verhalten, Halluzination, Wut, Konfusion, Panikattacke, emotionale Labilität/Stimmungsschwankungen, Agitiertheit
  • Amnesie, Beeinträchtigung des Gedächtnisses, Koordinationsstörungen/Ataxie, Parästhesie, Aufmerksamkeitsstörungen
  • Diplopie, verschwommenes Sehen
  • Anormaler Leberfunktionstest
  • Alopezie, Ekzem, Juckreiz
  • Muskelschwäche, Myalgie
  • Verletzung.

Selten:

  • Infektion
  • Panzytopenie, Neutropenie, Agranulozytose
  • Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS), Überempfindlichkeit (einschließlich Angioödem und Anaphylaxie)
  • Hyponatriämie
  • Suizid, Persönlichkeitsstörungen, anormales Denken
  • Choreoathetose, Dyskinesie, Hyperkinesie
  • Pankreatitis
  • Leberversagen, Hepatitis
  • Akute Nierenschädigung
  • Toxische epidermale Nekrolyse, Stevens-Johnson-Syndrom, Erythema multiforme
  • Rhabdomyolyse, erhöhte Kreatinphosphokinase im Blut (besonders bei japanischen Patienten).

Das Unbedenklichkeitsprofil von Levetiracetam ist im Allgemeinen in den verschiedenen Altersgruppen (Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche) und unterschiedlichen zugelassenen Epilepsieindikationen ähnlich. Nebenwirkungen, die das Verhalten und die Psyche betreffen, traten jedoch bei Kindern häufiger auf als bei Erwachsenen.

Wechselwirkungen

Sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern scheint es keine therapierelevanten Wechselwirkungen zwischen Levetiracetam und anderen vorhandenen Antiepileptika (Phenytoin, Carbamazepin, Valproinsäure, Phenobarbital, Lamotrigin, Gabapentin und Primidon) zu geben.

Probenecid hemmt die renale Clearance des primären Metaboliten, jedoch nicht die von Levetiracetam.

Bei gleichzeitiger Anwendung mit Methotrexat verringert sich die Methotrexat-Clearance. Dadurch erhöhte Methotrexatspiegel im Blut können toxische Konzentrationen erreichen. Bei Patienten mit gleichzeitiger Anwendung dieser Wirkstoffe, sollte deren Serumkonzentration sorgfältig überwacht werden.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Levetiracetam mit Digoxin, oralen Kontrazeptiva oder Warfarin wurden keine pharmakokinetisch relevanten Interaktionen beobachtet.

Die Wirksamkeit von oral angewendetem Levetiracetam kann durch gleichzeitige Einnahme des osmotisch wirksamen Abführmittels Macrogol verringert werden. Macrogol sollte daher eine Stunde vor und eine Stunde nach der Einnahme von Levetiracetam nicht eingenommen werden.

Kontraindikation

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff, anderen Pyrrolidon-Derivaten oder anderen Bestandteilen der jeweiligen Arzneizubereitung.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Bisher erhobene Daten weisen nicht auf ein wesentlich erhöhtes Risiko für erhebliche angeborene Missbildungen hin. Ein teratogenes Risiko kann jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden. Ist einen Behandlung während der Schwangerschaft notwendig, sollte die Monotherapie in Betracht gezogen werden, da Anwendung mehrerer Antiepileptika mit einem höheren Risiko für angeborene Missbildungen verbunden ist. Der Abbruch einer antiepileptischen Behandlung kann zu einer Verschlimmerung der Erkrankung führen, was gesundheitsgefährdende Auswirkungen auf die Mutter und den Fötus haben kann.

Physiologische Veränderungen während der Schwangerschaft können zu einer Abnahme der Levetiracetam-Plasma-Konzentration führen. Diese ist besonders deutlich ausgeprägt im dritten Trimenon (bis zu 60% der Anfangskonzentration vor Schwangerschaftsbeginn). Die klinische Betreuung von Schwangeren, die mit Levetiracetam behandelt werden, sollte sichergestellt sein.

Stillzeit

Das Stillen wird nicht empfohlen, da Levetiracetam in die Muttermilch ausgeschieden wird. Sollte jedoch eine Behandlung mit Levetiracetam während der Stillzeit erforderlich sein, müssen Nutzen und Risiko einer Behandlung gegeneinander abgewogen werden.

In tierexperimentellen Studien konnte kein Einfluss auf die Fertilität festgestellt werden. Das potentielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt.

Verkehrstüchtigkeit

Levetiracetam hat kann geringe bis mäßige Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen haben. Insbesondere zu Behandlungsbeginn oder nach Dosissteigerung können Somnolenz oder andere zentralnervöse Störungen auftreten. Beim Führen von Fahrzeugen und beim Bedienen von Maschinen ist daher Vorsicht geboten.

Weitere Details zu diesem Wirkstoff können Sie der Fachinformation entnehmen.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
102767-28-2
Molare Masse:
170.21 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 7.0 H
Q0-Wert:
0.34
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