Metoclopramid

Metoclopramid ist ein Prokinetikum mit antiemetischen Eigenschaften und wird zur Therapie von Übelkeit in der Onkologie sowie in der symptomatischen Behandlung eingesetzt.

Metoclopramid 10 mg Zäpfchen (Rektale Anwendung )

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Metoclopramid ist ein Wirkstoff der zur Vorbeugung von nach Chemotherapie verzögert auftretender Übelkeit und Erbrechen angewendet werden kann. Zudem wird Metoclopramid zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen, die durch Strahlentherapie verursacht werden sowie allgemein zur symptomatischen Behandlung von Übelkeit und Erbrechen eingesetzt. Auch bei Übelkeit und Erbrechen, welches durch Migräne verursacht wird, ist Metoclopramid indiziert.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Metoclopramid ist ein Prokinetikum mit antiemetischen Eigenschaften.

Der Wirkstoff wirkt als zentraler Dopamin-Antagonist. Vor allem am Hirnstamm hat der Wirkstoff einen zentralen Angriffspunt, wo er dopaminerge Neuronen zu hemmen scheint, welches den antiemetischen Effekt bewirkt. Zudem besitzt er einen peripher cholinergen Effekt, der möglicherweise gemeinsam mit einer Hemmung dopaminerger Rezeptoren des Magens und Dünndarms den motilitätssteigernden Effekt bewirkt.

Pharmakokinetik

Die maximale Plasmakonzentration des Wirkstoffes wird in der Regel innerhalb von 30-120 Minuten erreicht. Die Bioverfügbarkeit beträgt nach oraler Gabe 60 - 80%.  Die Plasmaproteinbindung erfolgt nur zu einem geringen Teil. Der Wirkstoff wird renal ausgeschieden. Die Eliminationshalbwertzeit beträgt zwischen 2,6 und 4,6 Stunden.

Dosierung

Der Wirkstoff Metoclopramid liegt als Tabletten, Lösung zum Einnehmen, Zäpfchen, Injektionslösung für die intravenöse Anwendung und als Retardkapsel vor.

Die empfohlene Einzeldosis liegt bei 10 mg und kann bis zu dreimal täglich gegeben werden.
Ein Abstand von 6 Stunden zwischen zwei Dosen muss eingehalten werden, auch im Falle von Erbrechen der vorherigen Dosis.

Die maximale Tagesdosis beträgt 30 mg oder 0,5 mg/kg Körpergewicht. Der Wirkstoff sollte für maximal 5 Tage angewendet werden.
Die Tabletten sollen unzerkaut vor den Mahlzeiten mit ausreichend Flüssigkeit (z. B. ein Glas Wasser) eingenommen werden.

Eine Besonderheit stellt die Retardkapsel dar, sie liegt nur in der 30 mg-Dosierung vor und wird einmal täglich eingenommen. Der Zeitabstand zwischen der Einnahme zweier Retardkapseln sollte 24 Stunden nicht unterschreiten.

Nierenfunktionsstörungen

Bei Patienten mit einer Nierenfunktionsstörung muss die Dosis des Wirkstoffes angepasst werden. Bei einer Kreatinin Clearance von 15-60ml/min muss die Dosis um 50% reduziert werden und bei einer Kreatinin Clearance <15ml/min sollte die Tagesdosis um 75% reduziert werden.

Leberfunktionsstörungen

Beim Vorliegen einer schweren Leberfunktionsstörung muss die Dosis um 50% reduziert werden. 

Ältere Patienten

Bei älteren Patienten sollte eine Dosisanpassung erwogen werden.

Kinder und Jugendliche von 1 - 18 Jahren

Der Wirkstoff darf auch bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 1 - 18 Jahren angewendet werden. Die empfohlene Dosis beträgt 0,1 bis 0,15 mg/kg Körpergewicht und kann bis zu dreimal täglich eingenommen werden. Die maximale Dosis liegt bei 0,5mg/kg Körpergewicht. Der Wirkstoff sollte für maximal fünf Tage verwendet werden.

Nebenwirkungen

Unter der Therapie mit Metoclopramid kann es zum Auftreten von Nebenwirkungen kommen.

Es folgt eine beispielhafte Auflistung möglicher Nebenwirkungen entsprechend der Häufigkeit der jeweiligen Nebenwirkung.

Sehr häufig

  • Somnolenz.

Häufig

  • Diarrhoe
  • Asthenie
  • Extrapyramidale Erkrankungen (besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen und/oder wenn die empfohlene Dosierung überschritten wird)
  • Parkinsonismus
  • Akathisie
  • Depression
  • Hypotonie, v. a. bei intravenöser Anwendung.

Gelegentlich

  • Bradykardie, v. a. bei intravenöser Anwendung
  • Amenorrhoe
  • Hyperprolaktinämie
  • Überempfindlichkeit
  • Dystonie
  • Dyskinesie
  • Getrübter Bewusstseinszustand
  • Halluzinationen.

Selten

  • Galaktorrhoe
  • Krämpfe, v. a. bei epileptischen Patienten
  • Verwirrtheitszustand.

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit

  • Methämoglobinämie, vermutlich im Zusammenhang mit einem NADH-Cytochrom-b5-Reduktase-Mangel, besonders bei Neugeborenen
  • Sulfhämoglobinämie, v. a. bei gleichzeitiger Gabe hoher Dosen von Schwefel freisetzenden Medikamenten
  • Herzstillstand, v. a. bei intravenöser Injektion
  • Atriventrikulärer Block
  • Sinusknotenstillstand
  • QT-Verlängerung
  • Torsade de pointes
  • Gynäkomastie
  • Anaphylaktische Reaktion (einschließlich anaphylaktischer Schock, v. a. bei intravenöser Anwendung)
  • Spätdyskinesien, v. a. bei älteren Patienten
  • Malignes neuroleptisches Syndrom
  • Schock
  • Synkope nach Anwendung als Injektion
  • Akute Hypertonie.

Wechselwirkungen

Metoclopramid kann Interaktionen mit anderen Wirkstoffen zeigen.

Kontraindizierte Kombinationen

Metoclopramid und Levodopa oder dopaminerge Agonisten antagonisieren sich in ihrer Wirkung.

Zu vermeidende Kombinationen

Die sedierende Wirkung von Metoclopramid wird durch Alkohol verstärkt.

Zu berücksichtigende Kombinationen

Anticholinergika und Morphinderivate

Wird Metoclopramid gemeinsam mit Anticholinergika und/oder Morphinderivaten gegeben antagonisieren sich ihre Effekte auf die gastrointestinale Motilität.

Zentral dämpfend wirkende Arzneimittel

Werden zentral dämpfend wirkende Arzneimittel (z. B. Morphinderivate, Anxiolytika, Barbiturate, Clonidin) und Metoclopramid gleichzeitig angewendet, so wird die dämpfende Wirkung auf das zentrale Nervensystem verstärkt.

Neuroleptika

Bei einer gleichzeitigen Anwendung von Metoclopramid und Neuroleptika kann das Auftreten von extrapyramidalen Erkrankungen begünstigt werden.

Serotonerge Arzneimittel

Durch die gleichzeitige Einnahme von serotonergen Arzneimitteln und Metoclopramid ist das Risiko für das Auftreten eines Serotonin-Syndroms erhöht.

Digoxin

Die Bioverfügbarkeit von Digoxin kann durch Metoclopramid reduziert werden. Die Digoxin-Plasmaspiegel müssen kontrolliert werden.

Ciclosporin

Die Bioverfügbarkeit von Ciclosporin wird durch Metoclopramid erhöht.

Mivacurium und Suxamethonium

Die Dauer der neuromuskulären Blockade von Mivacurium und Suxamethonium kann durch eine Metoclopramid-Injektion erhöht werden.

Starke CYP2D6-Hemmer

Bei gleichzeitiger Verwendung von Metoclopramid und starken CYP2D6-Hemmern, etwa Fluoxetin und Paroxetin, können die Metoclopramidspiegel ansteigen.

Kontraindikation

Beim Vorliegen einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen anderen Bestandteil des Medikamentes darf Metoclopramid nicht angewendet werden.

Zudem darf der Wirkstoff nicht beim Vorliegen von gastrointestinalen Blutungen, mechanischen Obstruktionen oder einer gastrointestinalen Perforation, bei denen die Stimulierung der gastrointestinalen Motilität ein Risiko darstellt, angewendet werden.
Ebenso wenig darf der Wirkstoff verwendet werden, wenn der Verdacht auf oder ein bestätigtes Phäochromozytom vorliegt.

Auch eine Vorgeschichte neuroleptischer oder durch Metoclopramid verursachter Spätdyskinesien schließt eine Verwendung des Wirkstoffes aus.

Eine weitere Kontraindikation sind das Vorliegen einer Epilepsie oder eines Morbus Parkinson.

Die Kombination mit Levodopa oder dopaminergen Agonisten darf nicht verwendet werden. Eine bekannte Vorgeschichte von Methämoglobinämie unter Metoclopramid oder eines NADH-Cytochrom-b5-Reduktase Mangels schließen die Verwendung von Metoclopramid aus.

Der Wirkstoff darf zudem bei Kindern unter 1 Jahr nicht eingesetzt werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Weitreichende Erfahrung mit Metoclopramid an Schwangeren geben keinen Hinweis auf ein Fehlbildungsrisiko oder eine fetale/neonatale Toxizität. Am Ende der Schwangerschaft sollte der Wirkstoff vermieden werden, da es zum Auftreten eines extrapyramidalen Syndroms beim Neugeborenen kommen kann. Sollte der Wirkstoff dennoch verwendet werden, muss eine neonatale Überwachung erfolgen.

Metoclopramid gelangt in geringen Mengen in die Muttermilch. Nebenwirkungen können daher bei gestillten Säuglingen nicht ausgeschlossen werden und der Wirkstoff sollte nicht in der Stillzeit zur Anwendung kommen.

In Tierversuchen mit Ratten wurde unter der Gabe von Metoclopramid eine reversible Beeinträchtigung der Spermatogenese beobachtet. Die Relevanz dieser Ergebnisse beim Menschen ist allerdings unklar.

Verkehrstüchtigkeit

Der Wirkstoff kann zum Auftreten von Somnolenz, Benommenheit/Schwindel, Dyskinesie und Dystonien führen. Dadurch können die Fahrtüchtigkeit sowie die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt sein.

Weitere Informationen können Sie der jeweiligen Fachinformation entnehmen.

Anwendungshinweise

Neurologische Erkrankungen

Die Therapie mit Metoclopramid kann zu extrapyramidalen Nebenwirkungen führen. Dies trifft insbesondere für Kinder/junge Erwachsene und/oder bei der Anwendung von dem Wirkstoff in hohen Dosierungen zu. Häufig treten diese Nebenwirkungen zu Beginn der Therapie auf. Selbst bei einmaliger Gabe ist ein Auftreten von extrapyramidalen Nebenwirkungen möglich. Der Wirkstoff muss beim Auftreten dieser Nebenwirkungen sofort abgesetzt werden.

Spätdyskinesien treten eher bei älteren Patienten auf und nach einer längeren Behandlung mit dem Wirkstoff. Daher sollte eine Therapie mit Metoclopramid nicht länger als 3 Monate andauern.

Auch ein malignes neuroleptisches Syndrom wurde als mögliche Nebenwirkung während der Therapie mit Metoclopramid, sowohl für die Monotherapie als auch für die Kombinationstherapie mit Neuroleptika, beschrieben. Der Wirkstoff muss in einem solchen Falle sofort abgesetzt werden.

Bei Patienten mit Morbus Parkinson können die für Parkinson typischen Symptome durch eine Therapie mit Metoclopramid verstärkt werden.

Methämoglobinämie

Es kann unter der Metoclopramidtherapie zum Auftreten einer Methämoglobinämie kommen. Diese könnte im Zusammenhang mit einem NADH-Cytochrom-b5-Reduktase-Mangel stehen. Der Wirkstoff muss in einem solchen Fall sofort abgesetzt werden und entsprechende Maßnahmen müssen eingeleitet werden.

Herzerkrankungen

Während der Metoclopramid-Behandlung kann es zu schwerwiegenden kardiovaskulären unerwünschten Wirkungen kommen, wie beispielsweise einem Kreislaufkollaps, einer schweren Bradykardie bis hin zum Herzstillstand oder einer QT-Verlängerung. Erhöht ist das Risiko insbesondere bei einer intravenösen Verabreichung von Metoclopramid. Diese muss daher als langsame Bolus-Injektion gegeben werden (über mindestens 3 Minuten), um das Risiko des Auftretens dieser Nebenwirkungen zu reduzieren.

Alternativen

Als Alternativen zu Metoclopramid können andere Antiemetika entsprechend der jeweiligen Indikation eingesetzt werden. Beispielswiese stehen Domperidon, Dimenhydrinat oder Ondansetron zur Verfügung.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
364-62-5
Molare Masse:
299.8 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 5.0 H
Q0-Wert:
0.3
Kindstoff(e):
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