Oxycodon

Oxycodon wird wie meisten Analgetika aus der Gruppe der Opioide vor allem gegen starke und sehr starke Schmerzen eingesetzt. Oxycodon wirkt in etwa doppelt so stark wie Morphin und zählt damit nicht zu den überaus starken Opioiden.

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Der Wirkstoff Oxycodon ist zur Therapie starker Schmerzen, die nur unter Opioid-Analgetika angemessen therapiert werden können, indiziert. Die Kombination mit Naloxon soll Obstipationen entgegenwirken, die unter einer Opioid-Therapie auftreten können.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Oxycodon gehört zu den Opioiden und damit zu den starken Analgetika. Der Wirkstoff gehört zu den Dihydroderivaten des Morphins. Dazu zählen auch Dihydrocodein, Hydromorphon und Hydrocodon. Oxycodon und Hydromorphon werden als Analgetika eingesetzt, während Dihydrocodein und Hydrocodon als Antitussiva zum Einsatz kommen.

Oxycodon wirkt aktivierend an µ-, κ- und δ-Opioidrezeptoren in Gehirn und Rückenmark. Oxycodon wirkt an diesen Rezeptoren als Opioid-Agonist ohne antagonistischen Effekt. Seine therapeutische Wirkung ist vorwiegend analgetisch und sedierend. Wie bei allen Opioiden geht die Anwendung von Oxycodon mit dem Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung einher.

Pharmakokinetik

Bei der Pharmakokinetik von Oxycodon gilt zu beachten, dass der Wirkstoff auch in Form von Retardformulierungen erhältlich ist.

Nach oraler Gabe beträgt die absolute Bioverfügbarkeit von Oxycodon 42 – 87 %, die maximale Plasmakonzentration wird nach etwa 1 bis 1,5 Stunden erreicht, bei Retardtabletten nach 3 Stunden. Bei Retardtabletten erfolgt die Resorption zweiphasig mit einer initial relativ kurzen Halbwertszeit von 0,6 Stunden für den kleineren Teil der Wirkstoffmenge. Die zweite Resorptionsphase verläuft langsamer und dauert etwa 6,9 Stunden.

Die Proteinbindung von Oxycodon beträgt 38 – 45 %. Die Halbwertszeit liegt bei 4 – 6 Stunden.

Oxycodon wird in Darm und Leber über das P450-Cytochromsystem  zu Noroxycodon, Oxymorphon und verschiedenen Glucuronidkonjugaten verstoffwechselt. Der Eliminierungsweg ist zu 33 – 61 % renal.

Dosierung

Oxycodon ist v.a. in Form von Retardtabletten erhältlich. Die Dosierung sollte an die Schmerzintensität und die individuelle Empfindlichkeit des Patienten angepasst werden. Die Anfangsdosis für Opiod-naive Patienten beträgt in der Regel 10 mg im Abstand von 12 Stunden bei Retardformulierungen. Weitere Dosierungen sind der jeweiligen Fachinformation zu entnehmen.

Da sich unter Oxycodon-Therapie eine Abhängigkeit entwickeln kann, sollte die Therapie nicht abrupt beendet werden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen einer Therapie mit Oxycodon sind Übelkeit und Obstipationen. Daneben können Atemdepression, Miosis, Krämpfe der Bronchialmuskulatur und eine Dämpfung des Hustenreflexes auftreten.

Im Folgenden sind die Nebenwirkungen nach ihrer Häufigkeit aufgelistet.

Sehr häufig:

  • Sedierung (Müdigkeit bis Benommenheit)
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Obstipation
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Juckreiz.

Häufig:

  • Appetitabnahme
  • Psychische Nebenwirkungen, z. B. Stimmungsveränderungen, Antriebsarmut, Verwirrtheit
  • Tremor
  • Dyspnoe
  • Bronchospasmus
  • Mundtrockenheit
  • Magen-Darm-Beschwerden, z. B. Bauchschmerzen
  • Hauterscheinungen wie Hautausschlag, selten erhöhte Photosensibilität
  • Vermehrter Harndrang
  • Schwächezustände.

Gelegentlich:

  • Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion
  • Überempfindlichkeit des Immunsystems
  • Dehydratation
  • Veränderte Wahrnehmung
  • Arzneimittelabhängigkeit
  • Erhöhte/verminderte Muskelspannung
  • Krampfanfälle, besonders bei Epileptikern oder Personen mit Neigung zu Krampfanfällen
  • Hypästhesie, Parästhesie
  • Koordinationsstörungen
  • Amnesie
  • Störungen des Tränenflusses
  • Miosis
  • Sehstörungen
  • Hyperakusis
  • Vertigo
  • Pulsbeschleunigung
  • Palpitationen (in Verbindung mit Entzugssyndrom)
  • Vasodilatation
  • Atemdepression
  • Vermehrtes Husten
  • Rachenentzündung
  • Schnupfen
  • Veränderung der Stimme
  • Mundgeschwüre und Zahnfleischentzündungen
  • Flatulenz
  • Ileus
  • Anstieg der Leberenzyme
  • Trockene Haut
  • Harnverhalt
  • Erektile Dysfunktion
  • Schüttelfrost
  • Ödeme, auch periphere
  • Migräne
  • Arzneimitteltoleranz
  • Arzneimittelentzugssyndrom
  • Versehentliche Verletzungen.

Selten:

  • Herpes simplex
  • Lymphadenopathie
  • Gesteigerter Appetit
  • (Orthostatische) Hypotonie
  • Zahnfleischbluten
  • Teerstuhl
  • Zahnveränderungen
  • Urtikaria
  • Muskelspasmen
  • Hämaturie
  • Gewichtsveränderungen
  • Zellgewebsentzündung.

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit:

  • Anaphylaktische Reaktionen
  • Aggressivität
  • Hyperalgesie
  • Zahnkaries
  • Cholestase
  • Gallenkoliken
  • Amenorrhoe.

Wechselwirkungen

Bei gleichzeitiger Anwendung von Oxycodon und Arzneimitteln, die eine Wirkung auf das ZNS besitzen, kann die ZNS-dämpfende Wirkung verstärkt werden. Darunter fallen andere Opiode, Sedativa, Hypnotika, Antidepressiva, Phenothiazine, Neuroleptika, Anästhetika, Muskelrelaxantien, Antihistaminika und Antiemetika.

Hemmer der Monoaminooxidase (MAO-Hemmer) und Oxycodon sollten zusammen nur mit Vorsicht verabreicht werden. Das gilt auch für Patienten, die MAO-Hemmer in den vergangenen zwei Wochen erhalten haben.

Die gleichzeitige Einnahme von Oxycodon und Alkohol sollte vermieden werden.

Die anticholinergen Nebenwirkungen von Oxycdon, z. B. Obstipation und Mundtrockenheit, können durch andere Arzneimittel mit anticholinerger Wirkung verstärkt werden.

CYP3A4-Inhibitoren

CYP3A4-Inhibitoren können zu einer reduzierten Clearance von Oxycodon führen. Der dadurch entstehenden Erhöhung der Plasmakonzentration von Oxycodon muss ggf. durch eine Dosisanpassung begegnet werden.

Zu den CYP3A4-Inhibitoren zählen:

CYP3A4-Induktoren

CYP3A4-Induktoren können eine verstärkte Clearance von Oxycodon bewirken. Auch hier muss die Oxycodon-Dosierung ggf. angepasst werden, um eine Reduktion der Plasmakonzentration zu vermeiden.

Zu den CYP3A4-Induktoren gehören:

CYP2D6-Inhibitoren und andere Inhibitoren des Cytochrom-Systems

CYP2D6-Inhibitoren, etwa Paroxetin und Chinidin, können zu einer verminderten Clearance und damit zum Anstieg der Plasmakonzentration von Oxycodon führen.

In wie weit der Metabolismus von Oxycodon durch andere relevante Isoenzyminhibitoren des Cytochrom-Systems beeinflusst wird, ist unklar. Mögliche Wechselwirkungen sollten bedacht werden.

In seltenen Fällen zeigte sich eine klinisch relevante Abnahme oder Zunahme der International Normalised Ration (INR) bei gleichzeitiger Anwendung von Oxycodon und Antikoagulantien auf Cumarin-Basis.

Kontraindikation

Eine Überempfindlichkeit gegen Oxycodon oder einen der sonstigen Bestandteile des jeweiligen Arzneimittels stellt eine Kontraindikation dar.

Weiterhin darf Oxycodon nicht in Situationen angewendet werden, bei denen Opioide kontraindiziert sind. Hierzu zählen:

  • Schwere Atemdepression mit Hypoxie und/oder Hyperkapnie
  • Schwere chronisch obstruktive Lungenerkrankung
  • Cor pulmonale
  • Schweres Bronchialasthma
  • Paralytischer Ileus
  • Akutes Abdomen
  • Verzögerte Magenentleerung.

Schwangerschaft/Stillzeit

Die Anwendung von Oxycodon in Schwangerschaft und Stillzeit sollte so weit wie möglich vermieden werden, da es zu Atemdepression und Entzugssymptomen bei Neugeborenen und Säuglingen kommen kann.

In tierexperimentellen Studien zeigte Oxycodon keinen negativen Einfluss auf die Fertilität. Humandaten sind nicht verfügbar.

Verkehrstüchtigkeit

Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen können durch Oxycodon in einem Maße verändert werden, das die aktive Teilnahme am Straßenverkehr oder das Bedienen von Maschinen beeinträchtigt oder nicht mehr zulässt.

Bei Patienten mit einer stabilen Therapie ist ein generelles Fahrverbot nicht zwingend erforderlich. Die Beurteilung muss durch den behandelnden Arzt individuell erfolgen.

Weitere Details zu diesem Wirkstoff können Sie der entsprechenden Fachinformation entnehmen.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
76-42-6
Molare Masse:
315.36 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 2.3 H
Q0-Wert:
0.89
Kindstoff(e):
Oxycodon hydrochlorid (CAS 124-90-3)
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