Pantoprazol

Der Wirkstoff Pantoprazol ist ein Protonenpumpeninhibitor (PPI), der die Produktion von Magensäure blockiert. Aus diesem Grund wird der Arzneistoff hauptsächlich bei Magenbeschwerden wie Ulzera (Magengeschwüren) oder Refluxösophagitis angewendet.

Anwendung

<h3> Anwendungsgebiete</h3> <ul> <li> Reflux&ouml;sophagitis</li> <li> Eradikation von H. pylori in Kombinationstherapie mit geeigneten Antibiotika</li> <li> Magengeschw&uuml;r und Zw&ouml;lffingerdarmgeschw&uuml;r</li> <li> Zollinger-Ellison-Syndrom und andere Erkrankungen, die mit einer pathologischen Hypersekretion von Magens&auml;ure einhergehen.</li> </ul> <h3> Anwendungsform</h3> <p> Pantoprazol ist in Form von magensaftresistenten Tabletten und als Pulver zur Herstellung einer Injektionsl&ouml;sung auf dem deutschen Markt verf&uuml;gbar.</p> <h3> Einnahme</h3> <p> Um einen optimalen Effekt zu erzielen, sollte die Einnahme von Pantoprazol vor einer Mahlzeit auf n&uuml;chternen Magen erfolgen.</p>

Pharmakologie

<h3> Pharmakodynamik (Wirkung)</h3> <ul> <li> Pantoprazol ist ein <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffgruppen/protonenpumpenhemmer">Protonenpumpeninhibitor</a> (PPI) der in den Parietalzellen des Magens die Magens&auml;uresekretion hemmt.</li> <li> Pantoprazol wird im sauren Kompartiment der Parietalzelle in die aktive Form umgwandelt und hemmt dann die H+/K+-ATPase, die f&uuml;r die S&auml;ureproduktion im Magen verantwortlich ist.</li> </ul> <h3> Pharmakokinetik</h3> <ul> <li> Pantoprazol wird weitgehend &uuml;ber das<strong> <a href="https://www.gelbe-liste.de/arzneimitteltherapiesicherheit/cyp-interaktionen">Cytochrom-P450-Enzymsystem</a></strong> in der Leber metabolisiert. Die haupts&auml;chliche Metabolisierung umfasst die Demethylierung durch <a href="https://www.gelbe-liste.de/arzneimitteltherapiesicherheit/cyp-interaktionen/cyp2c19">CYP2C19</a>, andere Metabolisierungswege f&uuml;hren &uuml;ber die Oxidation durch <a href="https://www.gelbe-liste.de/arzneimitteltherapiesicherheit/cyp-interaktionen/cyp3a4">CYP3A4</a>.</li> <li> Pantoprazol wird rasch resorbiert und nach einmaliger oraler Gabe von 40 mg wird bereits die maximale Plasmakonzentration erreicht. Die maximalen Serumkonzentrationen werden im Mittel nach ca. 2,5 Stunden erreicht.</li> <li> Die Serumproteinbindung liegt bei etwa 98 Prozent und das Verteilungsvolumen bei 0,15 l/kg.</li> <li> Pantoprazol wird weitgehend &uuml;ber das Cytochrom-P450-Enzymsystem in der Leber metabolisiert. Die haupts&auml;chliche Metabolisierung umfasst die Demethylierung durch CYP2C19, andere Metabolisierungswege f&uuml;hren &uuml;ber die Oxidation durch CYP3A4.</li> <li> Die terminale Eliminationshalbwertszeit betr&auml;gt ca. eine Stunde, die Clearance liegt bei ca. 0,1 l/h/kg.</li> </ul>

Dosierung

<h3> Perorale Anwendung</h3> <ul> <li> Kurzzeitige Behandlung von Refluxsymptomen (z. B. Sodbrennen, saures Aufsto&szlig;en) bei Erwachsenen</li> </ul> <p> Die empfohlene Dosis betr&auml;gt 20 mg Pantoprazol pro Tag f&uuml;r zwei bis drei Tage. Die Behandlung ist zu beenden, sobald eine vollst&auml;ndige Linderung der Symptome eingetreten ist. Wenn nach 2 Wochen keine Linderung der Symptome erreicht worden ist, sollte ein Arzt konsultiert werden, ebenso sollte die Therapie ohne &auml;rztlichen Rat nicht l&auml;nger als 4 Wochen andauern.</p> <ul> <li> Symptomatische Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren</li> </ul> <p> Die empfohlene Dosierung betr&auml;gt 20 mg Pantoprazol pro Tag. Eine Besserung der Symptome wird meistens innerhalb von 2 - 4 Wochen oder nach weiteren 4 Wochen erreicht. Sobald eine Symptombesserung erreicht ist, können erneut auftretende Symptome bei Bedarf mit 20 mg Pantoprazol einmal täglich behandelt werden. Falls die Bedarfstherapie nicht ausreichend ist, sollte erneut ein Wechsel zu einer Dauerbehandlung in Betracht gezogen werden.</p> <ul> <li> Refluxösophagitis bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren</li> </ul> <p> Die empfohlene Dosis betr&auml;gt 40 mg Pantoprazol einmal täglich. In individuellen Fällen kann die Dosis auf 80 mg täglich verdoppelt werden, besonders dann wenn keine andere Therapie anspricht. Für die Behandlung der Refluxösophagitis ist meistens ein vierwöchiger Behandlungszeitraum erforderlich. Falls dies nicht ausreicht, wird eine Abheilung normalerweise innerhalb weiterer 4 Wochen erreicht.</p> <ul> <li> Langzeitbehandlung und Rezidivprophylaxe bei Refluxösophagitis bei Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren</li> </ul> <p> In der Langzeittherapie wird eine Erhaltungsdosis mit einer 20 mg Pantoprazol Tablette pro Tag empfohlen, die bei einem Rezidiv auf 40 mg Pantoprazol pro Tag erhöht und nach der Abheilung des Rezidivs wieder auf 20 mg Pantoprazol reduziert werden kann.</p> <ul> <li> Eradikation von Helicobacter pylori in Kombination mit zwei geeigneten Antibiotika bei Erwachsenen</li> </ul> <p> Bei H. pylori positiven Patienten mit Ulcus duodeni und ventriculi sollte die Eradikation des Keims durch eine Kombinationstherapie mit zwei Antibiotika und zweimal t&auml;glich 40 mg Pantoprazol erfolgen. Abends ist die zweite Dosis Pantoprazol eine Stunde vor dem Abendessen einzunehmen. Die Kombinationstherapie wird in der Regel über 7 Tage gegeben und kann um weitere 7 Tage verlängert werden.</p> <ul> <li> Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren bei Erwachsenen</li> </ul> <p> Die empfohlene Dosis betr&auml;gt 40 mg Pantoprazol täglich. In Einzelfällen kann, insbesondere wenn bisher nicht auf andere Arzneimittel angesprochen wurde, die doppelte Dosis gegeben werden. Gewöhnlich heilt ein Zwölffingerdarmgeschwür innerhalb von zwei Wochen und ein Magengeschwür innerhalb von vier Wochen ab. Wenn dies nicht ausreicht, wird eine Abheilung normalerweise innerhalb weiterer zwei bzw. vier Wochen erreicht.</p> <ul> <li> Zollinger-Ellison-Syndrom und andere Erkrankungen bei Erwachsenen, die mit einer pathologischen Hypersekretion von Magensäure einhergehen</li> </ul> <p> Für die Langzeittherapie beträgt die empfohlene Anfangsdosis 80 mg täglich. Die Erhaltungsdosis kann entsprechend der Bestimmung der Magensäuresekretion individuell eingestellt werden. Eine zeitweilige Erhöhung der Dosierung auf über 160 mg Pantoprazol täglich ist möglich, die Tagesdosis ist dabei auf eine zweimalige Gabe zu verteilen. Die Therapiedauer ist nicht begrenzt und sollte so lange wie klinisch notwendig fortgesetzt werden.</p> <ul> <li> Prävention der durch nicht-selektive, nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) induzierten gastroduodenalen Ulzera bei erwachsenen Risikopatienten, die einer kontinuierlichen Behandlung mit diesen Arzneimitteln bedürfen</li> </ul> <p> Die empfohlene Dosierung betr&auml;gt 20 mg Pantoprazol pro Tag.</p> <h3> Intraven&ouml;se Anwendung:</h3> <p> Die intravenöse Gabe von 40 mg Pantoprazol wird nur dann empfohlen, wenn eine orale Einnahme nicht m&ouml;glich ist. Sobald eine orale Therapie möglich ist, sollte die intravenöse Therapie beendet werden und die Therapie oral fortgeführt werden. Die intraven&ouml;se Anwendung sollte nicht l&auml;nger als 7 Tage andauern, da keine Daten vorliegen.</p> <ul> <li> Magengeschwür, Zwölffingerdarmgeschwür, Refluxösophagitis bei Erwachsenen</li> </ul> <p> In der Regel betr&auml;gt die empfohlene Dosis 40 mg Pantoptazol i.v. pro Tag.</p> <ul> <li> Zollinger-Ellison-Syndrom und pathologische Hypersekretion von Magensäure bei Erwachsenen</li> </ul> <p> Die intraven&ouml;se Dosierung entspricht der oralen Dosierung.<br /> Zur raschen Senkung der Säureproduktion kann initial zweimal t&auml;glich 80 mg Pantoprazol i.v. verabreicht werden.</p> <h3> Besondere Patientengruppen</h3> <ul> <li> Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion</li> </ul> <p> Bei Patienten mit schweren Leberschäden sollte eine Tagesdosis von 20 mg Pantoprazol nicht überschritten werden.</p> <ul> <li> Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion</li> </ul> <p> Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich.</p> <ul> <li> Ältere Patienten</li> </ul> <p> Bei älteren Patienten ist keine Dosisanpassung erforderlich.</p> <ul> <li> Kinder unter 12 Jahren</li> </ul> <p> Pantoprazol oral wird nicht für die Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren empfohlen, da keine ausreichenden Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit in dieser Altersgruppe vorliegen.<br /> Die intraven&ouml;se Anwendung von Pantoprazol wird nicht bei Kindern unter 18 Jahren empfohlen.</p> <h3> Art der Anwendung</h3> <p> Die magensaftresistenten Tabletten sollten unzerkaut und unzerbrochen eine Stunde vor einer Mahlzeit mit etwas Wasser eingenommen werden. Die Injektionsl&ouml;sung sollte intravenös über 2 - 15 Minuten appliziert werden.</p>

Nebenwirkungen

<ul> <li> Bei etwa 5 Prozent der Patienten kommt es zu unerw&uuml;nschten Arzneimittelwirkungen unter Pantoprazol-Therapie.</li> <li> Am h&auml;ufigsten sind Diarrh&ouml; und Kopfschmerzen als Nebenwirkungen beschrieben worden.</li> </ul>

Wechselwirkungen

<ul> <li> Arzneimittel deren Bioverf&uuml;gbarkeit pH-abh&auml;ngig ist z.B. manche Azol-Antimykotika wie <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/ketoconazol_1697">Ketoconazol</a>, <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/itraconazol_10331">Itraconazol</a>, <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/posaconazol_48825">Posaconazol</a> und andere Arzneimittel wie <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/erlotinib_48829">Erlotinib</a></li> <li> <a href="https://www.gelbe-liste.de/krankheiten/hiv-humanes-immundefizienz-virus">HIV</a>-Arzneimittel (<a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/atazanavir_48259">Atazanavir</a>)&nbsp;► Resorption pH-abh&auml;ngig ► Herabsetzung der Bioverf&uuml;gbarkeit</li> <li> Cumarin-Antikoagulanzien (<a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/phenprocoumon_2615">Phenprocoumon</a> oder <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/warfarin_2045">Warfarin</a>) ► &Auml;nderungen der Prothrombinzeit/INR m&ouml;glich</li> <li> <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/methotrexat_1187">Methotrexat</a>&nbsp;► Erh&ouml;hung der Methotrexat-Spiegel m&ouml;glich</li> </ul> <h3> Interaktionsstudien</h3> <ul> <li> Die Ergebnisse aus einer Reihe von Interaktionsstudien zeigen, dass Pantoprazol weder die Metabolisierung von Wirkstoffen &uuml;ber CYP1A2 (wie <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/coffein_21349">Coffein</a>, <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/theophyllin_305">Theophyllin</a>), CYP2C9 (wie <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/piroxicam_1897">Piroxicam</a>, <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/diclofenac_277">Diclofenac</a>, <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/naproxen_1806">Naproxen</a>), CYP2D6 (wie <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/metoprolol_455">Metoprolol</a>), CYP2E1 (wie Ethanol) noch die mit p-Glycoprotein verbundene Resorption von <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/digoxin_605">Digoxin</a> beeinflusst.</li> <li> In weiteren Interaktionsstudien wurde Pantoprazol zusammen mit den Antibiotika <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/clarithromycin_10241">Clarithromycin</a>, <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/metronidazol_561">Metronidazol</a>, <a href="https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/amoxicillin_29">Amoxicillin</a> verabreicht ► Es wurden keine klinisch relevanten Wechselwirkungen gefunden.</li> </ul>

Kontraindikation

<p> Pantoprazoll soll nicht angewendet werden bei &Uuml;berempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder gegen substituierte Benzimidazole.</p>

Schwangerschaft/Stillzeit

<p> Die Anwendung von Pantoprazol w&auml;hrend der Schwangerschaft sollte vermieden werden. Daten zu schwangeren Frauen deuten nicht auf ein Fehlbildungsrisiko oder f&ouml;tale/neonatale Toxizit&auml;t von Pantoprazol hin. Allerdings haben tierexperimentelle Studien eine Reproduktionstoxizit&auml;t gezeigt.<br /> <br /> Es liegen nur unzureichende Informationen &uuml;ber den &Uuml;bertritt von Pantoprazol in die Muttermilch vor. Da ein Risiko f&uuml;r das Neugeborene/Kind nicht ausgeschlossen werden kann, sollte Pantoprazol nur nach sorgf&auml;ltiger Nutzen-Risiko-Abw&auml;gung und nach strenger Indikationsstellung eingesetzt werden.</p>

Anwendungshinweise

<ul> <li> Etwa 3 Prozent der europ&auml;ischen Bev&ouml;lkerung leidet an einem funktionellen <strong>CYP2C19-Enzymmangel</strong>. Bei diesen Personen wird Pantoprazol wahrscheinlich haupts&auml;chlich &uuml;ber CYP3A4 katalysiert. Nach einer Einmalgabe von 40 mg Pantoprazol war die mittlere AUC etwa 6-mal h&ouml;her bei <strong>poor metabolizers </strong>als bei Personen mit intakter CYP2C19-Enzymaktivit&auml;t.</li> <li> Bei Patienten mit <strong>schweren Lebersch&auml;den</strong> sollten die Leberenzyme w&auml;hrend der Behandlung mit Pantoprazol regelm&auml;&szlig;ig &uuml;berwacht werden, vor allem wenn es sich um eine Langzeittherapie handelt. Bei einem Anstieg der Leberenzyme sollte die Behandlung beendet werden.</li> </ul>

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
102625-70-7
Molare Masse:
383.37 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 1.0 H
Q0-Wert:
0.7
Kindstoff(e):
Pantoprazol natrium-1,5-Wasser (CAS 164579-32-2), Pantoprazol natrium (CAS 138786-67-1)

Autor: Dr. Isabelle Viktoria Maucher (Apothekerin), Nurcan Alnouri (Apothekerin)

Stand: 23.10.2019

Quelle:
  1. Fachinformation Pantozol®
  2. Fachinformation Pantozol® i.v.
  3. Fachinformation PANTOZOL-Control®
  4. Medizinische Chemie: Targets und Arzneistoffe, Steinhilber, Schubert-Zsilavecz, Roth

     
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