Paroxetin

Paroxetin zählt zu den selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern und wird u. a. zur Therapie von Depressionen und Zwangsstörungen eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Paroxetin gehört chemisch zur Wirkstoffgruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Es gehört zu den Antidepressiva und Psychoanaleptika. Der Wirkstoff findet Anwendung bei der Behandlung von Depressionen, Zwangsstörungen, Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie, sozialer Angststörung/sozialer Phobie sowie bei generalisierter Angststörung.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Paroxetin ist ein selektiver Wiederaufnahmehemmer von Serotonin (5-Hydroxytryptamin, 5-HT) in die Gehirnneuronen. Der Wirkstoff besitzt nur eine geringe Affinität zu muskarinartigen cholinergen, zu alpha1/alpha2- und beta-Adreno-Rezeptoren sowie zu Dopamin- und Histamin-Rezeptoren.

Pharmakokinetik

Nach oraler Einnahme unterliegt Paroxetin einer First-pass-Metabolisierung. Nach Gabe höherer Einzeldosen oder nach Mehrfachgabe kann es zu einem überproportionalen Anstieg der absoluten Bioverfügbarkeit des Wirkstoffes kommen und folglich einer nicht-linearen Kinetik. Diese ist aber in der Regel nur gering ausgeprägt.

Ca. 95% des im Plasma vorhandenen Paroxetins liegen proteingebunden vor (im therapeutischen Konzentrationsbereich).

Die Eliminationshalbwertszeit ist variabel, beträgt aber in der Regel ca. einen Tag.

Die Ausscheidung erfolgt renal und über die Galle mit den Fäzes.

Dosierung

Paroxetin sollte einmal täglich, zusammen mit dem Frühstück morgens eingenommen werden. Die Filmtablette sollte unzerkaut geschluckt werden. Die Dosierung von Paroxetin ist abhängig vom Krankheitsbild.

Depressive Erkrankungen

Die empfohlene Wirkstoffdosis bei depressiven Erkrankungen beträgt in der Regel 20 mg pro Tag. Die Dosierung sollte 3-4 Wochen nach Therapiebeginn überprüft und ggf. angepasst werden. Die Dosis kann in 10 mg-Schritten bis auf maximal 50 mg Paroxetin pro Tag erhöht werden.

Zwangsstörungen

Die empfohlene Dosierung von Paroxetin zur Behandlung von Zwangsstörungen beträgt 40 mg pro Tag. Begonnen werde sollte mit 20 mg Paroxetin pro Tag und dann allmählich in 10 mg-Schritten bis zur empfohlenen Dosis gesteigert werden. Sollten 40 mg pro Tag nicht ausreichend sein, kann bis auf eine Maximaldosis von 60 mg pro Tag gesteigert werden.

Panikstörungen

Die empfohlene Paroxetin-Dosis zur Therapie von Panikstörungen beträgt 40 mg pro Tag. Die Anfangsdosis sollte bei 10 mg starten um dann in 10 mg-Schritten bis zur empfohlenen Dosis gesteigert zu werden. Ggf. kann die Tagesdosis bei Nicht-Ansprechen bis auf maximal 60 mg Paroxetin pro Tag gesteigert werden.

Soziale Angststörung/soziale Phobie

Zur Behandlung einer sozialen Angststörung/sozialen Phobie wird eine Paroxetin-Dosis von 20 mg pro Tag empfohlen. Diese kann bei Bedarf in 10 mg-Schritten bis auf eine maximale Tagesdosis von 50 mg Paroxetin gesteigert werden.

Generalisierte Angststörungen

Zur Therapie einer generalisierten Angststörung wird eine Paroxetin-Dosis von 20 mg pro Tag empfohlen. Sollte diese nicht ausreichend sein, kann sie in 10 mg-Schritten allmählich bis auf 50 mg Paroxetin pro Tag gesteigert werden.

Ältere Menschen

Ältere Menschen zeigen erhöhte Paroxetin-Plasmaspiegel. Die Anfangsdosis sollte wie oben beschrieben gewählt werden, die Tageshöchstdosis sollte 40 mg Paroxetin pro Tag nicht überschreiten.

Kinder und Jugendliche

Der Wirkstoff sollte nicht bei Kindern und Jugendlichen angewendet werden, da in Studien bei ihnen ein erhöhtes Suizidalitätsrisiko festgestellt wurde. Zudem fehlt ein ausreichender Wirksamkeitsnachweis.

Nieren- und Leberschäden

Patienten mit einer schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatininclearance <30ml/min) oder einer Leberinsuffizienz zeigen erhöhte Paroxetin-Plasmakonzentrationen. Die Dosierung sollte daher niedriger gewählt werden.

Absetzen von Paroxetin

Paroxetin sollte nicht abrupt abgesetzt werden, da ansonsten Absetzsymptome auftreten können. Folgende Absetzsymptome können unter anderem auftreten:

  • Schwindel
  • Sensorische Störungen
  • Schlafstörungen
  • Angst
  • Kopfschmerzen
  • Agitiertheit, Verwirrtheit, emotionale Instabilität, Reizbarkeit
  • Übelkeit.

Die Tagesdosis sollte langsam (in 10 mg-Schritten) in wöchentlichen Intervallen reduziert werden. Sollten dennoch Symptome auftreten kann erwogen werden, die zuletzt verwendete Dosis zu verwenden um diese in Abspreche mit dem behandelnden Arzt dann in kleineren Schritten zu reduzieren.

Nebenwirkungen

Die Therapie mit Paroxetin kann zu vielfältigen Nebenwirkungen führen. Es folgt eine Auflistung entsprechend der Häufigkeit der möglichen Nebenwirkungen.

Sehr häufig

  • Konzentrationsbeschwerden
  • Übelkeit
  • Sexuelle Dysfunktion.

Häufig

  • Erhöhung der Cholesterinwerte
  • verminderter Appetit
  • Schläfrigkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Agitiertheit
  • ungewöhnliche Träume (einschließlich Albträume)
  • Schwindel
  • Tremor
  • Kopfschmerzen
  • Verschwommenes Sehen
  • Gähnen
  • Obstipation, Diarrhoe
  • Erbrechen
  • Mundtrockenheit
  • Schwitzen
  • Schwächezustäne
  • Gewichtszunahme.

Gelegentlich

  • Abnorme Blutungen v.a. der Haut und Schleimhaut (Ekchymosen)
  • veränderte Blutzuckerwerte bei Diabetikern
  • Verwirrtheitszustände
  • Halluzinationen
  • extrapyramidale Störungen
  • Mydriasis
  • Sinustachykardie
  • Gelegentlicher Blutdruckanstieg oder -abfall, orthosthatische Hypotonie
  • Hautausschlag
  • Juckreiz
  • Harnretention
  • Harninkontinenz.

Selten

  • Hyponatriämie (v. a. bei älteren Patienten, teils in Kombination mit dem Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion)
  • Manische Reaktionen
  • Angst
  • Depersonalisation/Entfremdungserleben
  • Panikattacken
  • Akathisie
  • Krampfanfälle
  • Restless-Legs-Syndrom (RLS)
  • Bradykardie
  • Erhöhung der Leberenzymwerte
  • Hyperprolaktinämie/Galaktorrhoe
  • Arthralgie, Myalgie.

Sehr selten

  • Thrombozytopenie
  • Schwerwiegende, möglicherweise sogar letal verlaufende allergische Reaktionen (inklusive anaphylaktoider Reaktionen und Quincke-Ödem)
  • Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion
  • Serotoninsyndrom (v. a. bei gleichzeitiger Verwendung anderer serotonerger und/oder neuroleptischer Substanzen)
  • Akutes Glaukom
  • Gastrointestinale Blutungen
  • Lebererkrankungen (beispielsweise Hepatitis, Leberversagen)
  • Schwere Nebenwirkungen (einschließlich Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse, Phosensitivitätssyndrom)
  • Priapismus
  • Periphere Ödeme.

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit

  • Suizidale Gedanken (v. a. bei Jugendlichen mit depressiven Erkrankungen, jungen Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren sowie Erwachsenen mit depressiven Erkrankungen)
  • Aggression
  • Bruxismus
  • Tinnitus.

Wechselwirkungen

Paroxetin kann verschiedene Wechselwirkungen mit anderen Substanzen aufweisen.

Serotonerge Substanzen

Die gleichzeitige Einnahme von Paroxetin und serotonergen Substanzen (z. B. Triptane, Tramadol, Linezolid, Methylenblau, Lithium etc.) kann zum Auftreten von 5-HAT-assoziierten Effekten (Serotoninsyndrom) führen. Die gleichzeitige Anwendung von Paroxetin und MAO-Hemmern ist daher kontraindiziert.

Pimozid

Die gleichzeitige Anwendung von Pimozid und Paroxetin ist kontraindiziert auf Grund der Gefahr der QT-Zeit-Verlängerung.

Fosamprenavir/Ritonavir

Bei der gleichzeitigen Einnahme von Fosamprenavir/Ritonavir und Paroxetin konnten erniedrigte Paroxetin-Spiegel beobachtet werden.

Pravastatin

Werden Pravastatin und Paroxetin gleichzeitig eingenommen, kann es zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels kommen. Eine Anpassung der Dosierung von Antidiabetika muss bei Diabetikern vorgenommen werden.

Procyclidin

Paroxetin führt zu einem Anstieg des Procyclidin-Spiegels bei gleichzeitiger Einnahme der beiden Wirkstoffe. Treten anticholinerge Effekte auf, muss die Procyclidin-Dosis reduziert werden.

Hemmung des CYP2D6-Enzyms durch Paroxetin

Durch die Hemmung des CYP2D6-Enzyms durch Paroxetin kann es zu einer Erhöhung des Plasmaspiegels von gleichzeitig verwendeten Arzneimitteln führen. Dies kann beispielsweise bei trizyklischen Antidepressiva (z. B. Clomipramin, Nortriptylin), Phenothiazin-Neuroleptika (z. B. Perphenazin), Risperidon, Atomoxetin, bestimmten Typ Ic-Antiarrhythmika (z. B. Flecainid) und Metoprolol passieren.

Ferner kann eine durch Paroxetin verursachte CYP2D6-Hemmung eine verminderte Plasmakonzentration von einem wichtigen aktiven Metabolit von Tamoxifen, Endoxifen, entstehen.

Alkohol

Während der Behandlung mit Paroxetin ist Alkohol zu vermeiden.

Orale Antikoagulantien

Die gleichzeitige Behandlung mit Paroxetin und oralen Antikoagulantien kann in einer erhöhten Antikoagulation und Blutungsneigung resultieren. Paroxetin sollte daher bei Patienten unter oraler Antikoagulation nur mit großer Vorsicht angewendet werden.

Nicht-Steroidale Antirheumatika, Acetylsalicylsäure und andere Thrombozytenaggregationshemmer

Unter der gleichzeitigen Therapie mit Paroxetin und Nicht-Steroidalen Antirheumatika (NSAR) bzw. Acetylsalicylsäure und anderen Thrombozytenaggregationshemmern kann eine erhöhte Blutungsneigung auftreten. Auch bei der gleichzeitigen Behandlung von Paroxetin und Arzneimitteln, die die Thrombozytenfunktion beeinflussen oder das Risiko für Blutungen erhöhen, ist Vorsicht geboten.

Kontraindikation

Beim Vorliegen einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen Bestandteil des Medikamentes darf Paroxetin nicht angewendet werden.

Eine gleichzeitige Therapie mit MAO-Hemmern darf nicht erfolgen. Zwischen der Paroxetin-Therapie und dem Absetzen der Therapie mit MAO-Hemmern müssen mindestens zwei Wochen (bei einem irreversiblen MAO-Hemmer) bzw. 24 Stunden (bei einem reversiblen MAO-Hemmer, inklusive Methylenblau) liegen. Zwischen dem Absetzen von Paroxetin und dem Behandlungsbeginn mit einem MAO-Hemmer muss mindestens 1 Woche vergangen sein.

Paroxetin darf ferner nicht in Kombination mit Thioridazin eingenommen werden, da Paroxetin die Plasmakonzentration von Thioridazin erhöhen kann, welches zu einer QT-Verlängerung mit folgender ventrikulärer Arrhythmie wie Torsades de pointes und plötzlichem Tode führen kann.

Ebensowenig darf Paroxetin gemeinsam mit Pimozid eingenommen werden.

Alternativen

Als Alternative zu Paroxetin bei Depressionen und/oder Angststörungen können beispielsweise andere SSRI eingesetzt werden. Für weitere Informationen zu möglichen Alternativen sollten die jeweiligen Leitlinien der Krankheitsbilder eingesehen werden.

Hinweise

Kinder und Jugendliche

Paroxetin sollte nicht bei Kindern und Jugendlichen angewendet werden. Sie wiesen in Studien eine erhöhte Suizidalität sowie Feindseligkeit auf.

Suizidgedanken

Unter der Behandlung von Depressionen oder anderen psychiatrischen Erkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für Suizidalität einhergehen, mit Paroxetin kann es zu einem Anstieg des Suizidrisikos, insbesondere zu Beginn der Behandlung und bei Dosisanpassungen, kommen. Die Patienten sollten daher engmaschig überwacht werden.

Akathisie/motorische Unruhe

Vor allem in den ersten Wochen der Paroxetintherapie kann es zum Auftreten von Akathisie/motorischer Unruhe kommen, Dosiserhöhungen können sich nachteilig auswirken.

Serotoninsyndrom/malignes neuroleptisches Syndrom

Diese Syndrome können unter einer Paroxetintherapie, insbesondere bei gleichzeitiger Anwendung von serotonergen und/oder anderen neuroleptischen Substanzen, auftreten und können zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.

Mögliche Symptome sind vielfältig und umfassen unter anderen Hyperthermie, Rigidität, Myoklonus, mentale Veränderungen wie Verwirrtheit, Delirium. Sollte es zum Auftreten solche Symptome kommen, muss das Medikament abgesetzt werden.

Manie

Paroxetin sollte bei Patienten mit manischen Episoden in der Anamnese nur mit Vorsicht angewendet werden. Beim erneuten Auftreten einer Manie sollte das Medikament abgesetzt werden.

Diabetes mellitus

Unter Paroxetin-Einnahme kann sich die Blutzuckerkontrolle ändern. Die Dosierung von Antidiabetika muss daher ggf. angepasst werden.

Epilepsie

Paroxetin sollte bei Patienten, die an Epilepsie leiden, nur unter Vorsicht angewandt werden.

Krampfanfälle

Beim Auftreten von Krampfanfällen sollte Paroxetin abgesetzt werden.

Glaukom

Paroxetin kann eine Mydriasis verursachen. Es sollte daher bei Glaukompatienten nur mit Vorsicht verabreicht werden.

Wechselwirkung mit Tamoxifen

Da Paroxetin das Enzym CYP2D6 irreversibel hemmt und damit die Wirkung von Tamoxifen abschwächen kann, sollte es während der Anwendung von Tamoxifen möglichst vermieden werden.

Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Paroxetin sollte in der Schwangerschaft nur bei zwingender Indikation angewendet werden. Einige epidemiologische Studien deuten auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko, insbesondere kardiovaskulärer Art, sowie das Auftreten einer primären pulmonalen Hypertonie  hin.

Geringe Konzentrationen von Paroxetin gehen in die Muttermilch über. Die Serumkonzentration bei gestillten Kindern lag entweder unter der Nachweisgrenze oder war sehr niedrig. Arzneimittelwirkungen bei diesen Kindern wurden nicht beobachtet. Das Stillen kann daher laut der Fachinformation in Betracht gezogen werden.

Tierexperimente geben Hinweise darauf, dass die Spermienqualität beeinträchtigt sein kann. Dieser Einfluss scheint reversibel zu sein. Ein Einfluss auf die Fertilität beim Menschen wurde bislang nicht beobachtet.

Hinweise zur Verkehrstüchtigkeit und zum Bedienen von Maschinen

Patienten unter Paroxetin-Therapie sollten, wie bei einer Therapie mit allen psychoaktiven Arzneimitteln, auf eine mögliche Beeinflussung ihrer Fähigkeit Auto zu fahren bzw. Maschinen zu bedienen hingewiesen werden.

Weitere Informationen sind der jeweiligen Fachinformation zu entnehmen.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
61869-08-7
Molare Masse:
329.37 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 17.0 H
Q0-Wert:
0.95
Kindstoff(e):
Paroxetin hydrochlorid (CAS 78246-49-8), Paroxetin mesilat (CAS 217797-14-3), Paroxetin hydrochlorid hemihydrat (CAS 110429-35-1)
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