Phenobarbital

Phenobarbital gehört zur Wirkstoffgruppe der Antiepileptika und Barbiturate.

Phenobarbital: Übersicht

Anwendung

Das Antiepileptikum Phenobarbital wird vor allem in der oralen Langzeitbehandlung von Epilepsie angewendet, um Krampfanfällen vorzubeugen. Injektionen mit Phenobarbital sind als Mittel der 2. Wahl bei akuten epileptischen Anfällen und dem Status epilepticus zugelassen.

Phenobarbital wirkt hingegen nicht zur Prophylaxe und Therapie von Fieberkrämpfen sowie bei Absencen.

Als Schlaf- und Beruhigungsmittel ist der Wirkstoff wegen seiner stark abhängig machenden Wirkung schon seit 1992 nicht mehr zugelassen. Wegen dieser Effekte wird Phenobarbital in der Regel auch nur dann angewendet, wenn andere Antiepileptika oder Benzodiazepine nicht ausreichend wirksam sind oder nicht angewendet werden können.

Pharmakologie

Der Wirkmechanismus von Phenobarbital ist noch nicht bis ins Detail geklärt. Der Wirkstoff bindet sehr wahrscheinlich am GABAA-Rezeptor-Chloridkanal-Komplex im zentralen Nervensystem und verstärkt so die beruhigenden Wirkungen des Neurotransmitters Gammaaminobuttersäure (GABA).

Zudem wird diskutiert, ob Phenobarbital gleichzeitig postsynaptisch Glutamat-Rezeptorenkanäle inhibiert und so den wichtigsten erregenden Neurotransmitter im ZNS (Glutamat als Gegenspieler von GABA) hemmt. Damit könnte die stark gedämpfte Aktivität des ZNS nach Phenobarbital-Gabe erklärt werden.

Daneben unterdrückt Phenobarbital vermutlich präsynaptisch die Freisetzung exzitatorischer Transmitter und hemmt - vor allem in höherer Konzentration - die Entladung der Nervenzellen. Dabei werden synchrone Entladungen stärker gehemmt als Einzelimpulse. Das ist insbesondere für die antikonvulsiven Eigenschaften von Phenobarbital bei epileptischen Krampfanfällen bedeutsam.

Nebenwirkungen

Zu den gefährlichsten Nebenwirkungen von Phenobarbital gehören das starke Suchtpotenzial des Wirkstoffes und das vergleichsweise große Risiko für Überdosierungen. Überdosierungen gehen häufig mit Atemdepression, Koma oder Nierenversagen einher.

Bei der bestimmungsgemäßen Anwendung sind Verwirrtheitszustände, kognitive Störungen, Kopfschmerzen, Schwindel, unkoordinierte Bewegungsabläufe (Ataxie), nachlassende Reaktionsfähigkeit und paradoxe Erregungszustände die häufigsten Nebenwirkungen von Phenobarbital. Weitere sehr häufige Nebenwirkungen sind ausgeprägte Beruhigung und Schläfrigkeit/Mattigkeit sowie Störungen der Sexualfunktion mit verminderter Libido und Impotenz.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
50-06-6
Molare Masse:
232.23 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 80.0 H
Q0-Wert:
0.7
Kindstoff(e):
Phenobarbital natrium (CAS 57-30-7)

Autor: Charly Kahle

Stand: 21.09.2017

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