Ranitidin

Medikamente mit Ranitidin werden gegen gastroösophagealen Reflux, Refluxösophagitis sowie Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni verschrieben. Weil der Wirkstoff nicht zu den stärksten gehört, ist er auch für Schwangere und Kinder zugelassen.

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Der Wirkstoff Ranitidin ist ein Antihistaminikum und wird bei Duodenalulcera, gutartigen Magenulcera, Refluxösophagitis und dem Zollinger-Ellison-Syndrom verschrieben. Medikamente mit Ranitidin dienen auch der Rezidivprophylaxe gutartiger Ulcera sowie der Prophylaxe von Stressblutungen in Magen oder Darm. Um eine Säureaspiration unter der Geburt zu verhindern, werden Medikamente mit dem Wirkstoff Ranitidin ebenfalls eingesetzt.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Ranitidin gehört zu den Histamin-H2-Rezeptor-Antagonisten. Der Wirkstoff blockiert den H2-Rezeptor der Parietalzellen, sodass dort kein Histamin mehr andocken kann. Dadurch ebbt die Histamin-induzierte Stimulation der Magensäure produzierenden Parietalzellen ab. Binnen 24 Stunden hemmt Ranitidin die basale Sekretion um 42–90% – je nach Indikation und Dosierung. Der Säuregehalt und das Volumen des Magensafts sinken dadurch deutlich. Auch die durch Nahrungsaufnahme stimulierte Magensäureproduktion wird um etwa die Hälfte der ursprünglichen Menge gehemmt.

Pharmakokinetik

Die Bioverfügbarkeit von Ranitidin ist individuell sehr unterschiedlich, beträgt aber ungefähr 50%. Die maximale Plasmakonzentration ist eine bis drei Stunden nach oraler Einnahme erreicht. Binnen 24 Stunden wird oral eingenommenes Ranitidin größtenteils renal ausgeschieden. Die Halbwertszeit beträgt bei Nierengesunden knapp drei Stunden. Nach einer bis zwei Wochen kann es zur Toleranzentwicklung und damit Wirkungsabnahme kommen.

Hinweis: Ranitidin passiert die Plazentaschranke und geht in die Muttermilch über.

Dosierung

Ranitidin kann oral oder intravenös verabreicht werden. Filmtabletten mit Ranitidin werden unzerkaut mit einem Glas Wasser eingenommen. Je nach Indikation ist eine andere Dosis erforderlich:

  • Duodenal- und benigne Magenulcera: 300 mg Ranitidin nach dem Abendessen oder vor dem Schlafengehen oder zweimal täglich 150 mg Ranitidin morgens und abends für vier bis acht Wochen.
  • Rezidivprophylaxe von Duodenalulcera: 150 mg Ranitidin vor dem Schlafengehen für bis zu zwölf Monate.
  • Refluxösophagitis: 300 mg Ranitidin nach dem Abendessen oder vor dem Schlafengehen oder zweimal täglich 150 mg Ranitidin morgens und abends für acht bis zwölf Wochen.
  • Zollinger-Ellison-Syndrom: Anfangs dreimal täglich 150 mg Ranitidin, ggf. später bis zu sechsmal täglich.
  • Prophylaxe der Säureaspiration während der Geburt: Einmalgabe von 150 mg.
  • Prophylaxe von stressinduzierten Magen- und Duodenalblutungen: Zweimal täglich 150 mg Ranitidin.
  • Kinder über zwei Jahre: Zweimal täglich 2–4 mg pro Kilogramm Körpergewicht, maximal jedoch 300 mg Ranitidin pro Tag. Kinder unter sechs Monaten sind von der Behandlung mit Ranitidin auszuschließen.
  • Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion: Einmal 150 mg Ranitidin pro Tag – aufgrund der zwei- bis dreifach verlängerten Halbwertszeit. Dialysepatienten sollten das Medikament nach der Dialyse einnehmen, da der Spiegel durch die Behandlung sonst verringert wird.

Nebenwirkungen

Grundsätzlich halten sich die Nebenwirkungen von Medikamenten mit Ranitidin in Grenzen:

Gelegentlich:

  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Hautausschlag
  • Veränderungen der Leberfunktionswerte
  • Bauchschmerzen, Diarrhoe, Obstipation, Übelkeit.

Selten:

  • Überempfindlichkeitsreaktionen (Eosinophilie, Urtikaria, Fieber, Blutdruckabfall, Angioödem, Schluckbeschwerden, Bronchospasmus, Brustschmerzen)
  • verschwommenes Sehen
  • akute Pankreatitis
  • Hepatitis mit oder ohne Ikterus
  • Erythema multiforme
  • Juckreiz
  • Arthralgie, Myalgie
  • Erhöhung der Plasmakreatininwerte.

Sehr selten:

  • Veränderungen des Blutbilds (Leukozytopenie, Thrombozytopenie, Agranulozytose, Panzytopenie)
  • anaphylaktischer Schock
  • Unruhezustände
  • Verwirrtheitszustände, Halluzinationen, Depression
  • schwere Kopfschmerzen
  • unwillkürliche Bewegungsstörungen
  • Tachykardie, Bradykardie, AV-Block Asystolie, Vaskulitis
  • vermehrter Haarausfall
  • akute interstitielle Nephritis
  • reversible Impotenz
  • Brustbeschwerden, Gynäkomastie, Galaktorrhoe
  • Libidoverlust.

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit:

  • Pneumonie.

Bei Kindern und Jugendlichen entspricht das Nebenwirkungsprofil dem von Erwachsenen, im Allgemeinen wird Ranitidin von ihnen aber gut vertragen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen zeigt Ranitidin mit folgenden Wirkstoffen:

  • Cumarin-Antikoagulanzien: Bei gleichzeitiger Einnahme wird eine enge Überwachung empfohlen, da es zu veränderten Prothrombinzeiten kommen kann.
  • Theophyllin: In Einzelfällen kann es zu Erhöhungen des Theophyllinspiegels und zu Überdosierungserscheinungen kommen.
  • Procainamid und N-Acetylprocainamid: Aufgrund der Konkurrenz um die renale Ausscheidung kann es zu erhöhten Spiegeln dieser beiden Wirkstoffe kommen.
  • Triazolam, Midazolam: Ranitidin kann deren Bioverfügbarkeit erhöhen.
  • Ketoconazol, Atazanavir, Delavirdin, Gefitinib: Ranitidin kann deren Bioverfügbarkeit reduzieren.
  • Glipizid: Eine erhöhte Plasmakonzentration und stärkere Wirkung durch Ranitidin ist möglich.

Die Einnahme von Ranitidin kann die Alkoholwirkung erhöhen.

Kontraindikation

Medikamente mit Ranitidin dürfen nicht eingenommen werden bei Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einen der Bestandteile des Medikaments.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es liegen keine Daten vor, ob Ranitidin die menschliche Fertilität beeinflusst. Da Ranitidin in die Plazenta und die Muttermilch übergeht, sollte die Einnahme während der Schwangerschaft und Stillzeit nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Hinweise auf eine schädigende Wirkung auf die Schwangerschaft oder das Ungeborene gibt es nicht, Untersuchungen über die Auswirkungen einer Ranitidin-Aufnahme durch den Säugling beim Stillen liegen nicht vor.

Verkehrstüchtigkeit

Dass Ranitidin die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt, ist nicht zu erwarten.

Hinweise

Ranitidin kann die Symptome eines Magenkarzinoms verschleiern und so dessen Diagnose verzögern.

Weitere Details zu diesem Wirkstoff können Sie der jeweiligen Fachinformation entnehmen.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
66357-35-5
Molare Masse:
314.4 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 2.5 H
Q0-Wert:
0.25
Kindstoff(e):
Ranitidin hydrochlorid (CAS 66357-59-3)
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