Rivaroxaban

Rivaroxaban ist ein direkter Faktor Xa-Inhibitor und zählt somit zu den Antikoagulantien. Der Wirkstoff wird unter anderem zur Therapie tiefer Venenthrombosen eingesetzt.

Rivaroxaban 2,5 mg Tabletten (Zum Einnehmen)
Rivaroxaban 10 mg Tabletten (Zum Einnehmen)
Rivaroxaban 15 mg Tabletten (Zum Einnehmen)
Rivaroxaban 20 mg Tabletten (Zum Einnehmen)

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Rivaroxaban ist ein direktes orales Antikoagulans (DOAK). Es wirkt als direkter Faktor Xa-Inhibitor. Es wird eingesetzt zur Prophylaxe venöser Thromboembolien (VTE) bei Erwachsenen nach elektiven Hüft- oder Kniegelenksersatzoperationen. Zudem wird es zur Behandlung von tiefen Venenthrombosen (TVT) und Lungenembolien (LE) sowie Prophylaxe von rezidivierenden TVT und LE bei Erwachsenen eingesetzt.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Rivaroxaban gehört zu der pharmakotherapeutischen Gruppe der antithrombotischen Mittel. Es wirkt als hoch-selektiver dosisabhängiger direkter Faktor Xa-Inhibitor. Dadurch wird der intrinsische und extrinsische Weg der Blutgerinnungskaskade unterbrochen. Resultierend wird sowohl die Bildung von Thrombin (aktivierter Faktor II), als auch von Thromben gehemmt. Der Wirkstoff hat keinen Effekt auf die Thrombozyten.

Gemäß der Fachinformation ist ein Monitoring der Gerinnungsparameter während der Behandlung mit Rivaroxaban in der klinischen Routine nicht erforderlich. Falls dies klinisch doch notwendig erscheint, können die Rivaroxaban-Spiegel mit kalibrierten quantitativen Anti-Faktor-Xa-Tests bestimmt werden.

Pharmakokinetik

Die maximale Plasmakonzentration des Wirkstoffes wird in der Regel 2-4 Stunden nach der oralen Gabe erreicht. Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt nach oraler Gabe 80-100% und ist unabhängig davon, ob es im Nüchternzustand oder nach einer Mahlzeit eingenommen wurde.  Die Plasmaproteinbindung erfolgt überwiegend an Albumin und beträgt ca. 92-95%. Die Elimination des Wirkstoffes erfolgt renal. Die Eliminationshalbwertzeit beträgt etwa 4,5 Stunden. Bei jüngeren und älteren Menschen ist die Halbwertszeit mit 5-9 Stunden bzw. 11-13 Stunden entsprechend länger.

Dosierung

Rivaroxaban liegt in Tablettenform vor. Die Tabletten können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Die Tabletten können bei Bedarf zerstoßen werden und mit Wasser oder Apfelmus gemischt und eingenommen werden. Die Einnahme über eine Magensonde ist als zerstoßene Tablette mit Wasser möglich. Die Dosierung von Rivaroxaban ist abhängig von der Grunderkrankung.

Prophylaxe von VTE nach elektiven Hüft- oder Kniegelenkersatzoperationen

Bei dieser Indikation beträgt die empfohlene Dosis 10 mg des Wirkstoffes pro Tag. Die Erstgabe sollte 6-10 Stunden postoperativ erfolgen.

Bei einer größeren Hüftoperation wird eine Behandlungsdauer von 5 Wochen empfohlen. Bei einer größeren Knieoperation wird eine Behandlungsdauer von 2 Wochen empfohlen.

Behandlung von TVT, LE und Prophylaxe der rezidivierenden TVT und LE

Die empfohlene Initialdosis beträgt bei dieser Indikation 15 mg zweimal täglich innerhalb der ersten drei Wochen, danach 20 mg einmal täglich für die Weiterbehandlung bzw. Prophylaxe für mindestens 3 Monate. Sollte die Therapie länger als 6 Monate fortgeführt werden, wird eine tägliche Dosis von 10 mg Rivaroxaban empfohlen und in Ausnahmefällen 20 mg täglich.

Die Therapiedauer und Dosierung muss bei jeder Indikation gegenüber dem Blutungsrisiko abgewogen werden.

Umstellung von Vitamin-K-Antagonisten auf Rivaroxaban

Bei Patienten, bei denen eine Umstellung von Rivaroxaban auf Vitamin-K-Antagonisten erfolgen soll, sollte die Behandlung mit Vitamin-K-Antagonisten beendet und die Therapie mit Rivaroxaban begonnen werden, sobald die INR <2,5 ist.

Umstellung von Rivaroxaban auf Vitamin-K-Antagonisten

Bei Patienten, die von Rivaroxaban auf Vitamin-K-Antagonisten umgestellt werden sollen, sollte der Vitamin-K-Antagonist gleichzeitig gegeben werden bis die INR >2,0 ist. Während der ersten zwei Tage sollte die reguläre Anfangsdosierung des Vitamin-K-Antagonisten verwendet werden, gefolgt von einer Dosierung, die sich an den INR-Werten orientiert. Für weitergehende Informationen wird auf die jeweilige Fachinformation verwiesen.

Umstellung von parenteral verabreichten Antikoagulantien auf Rivaroxaban

Bei Patienten, bei denen eine Umstellung von parenteral verabreichten Antikoagulantien auf Rivaroxaban erfolgt, ist das parenteral verabreichte Antikoagulans abzusetzen und Rivaroxaban 0-2 Stunden vor dem Zeitpunkt einzunehmen, zu dem die Verabreichung des parenteral verabreichten Antikoagulans geplant gewesen wäre.

Umstellung von Rivaroxaban auf parenteral verabreichte Antikoagulantien

Bei Patienten, bei denen eine Umstellung von Rivaroxaban auf parenteral verabreichte Antikoagulantien erfolgt, sollte die erste Dosis des parenteralen Antikoagulans zu dem Zeitpunkt erfolgen, zu dem die nächste Dosis Rivaroxaban eingenommen worden wäre.

Nierenfunktionsstörungen

Bei Patienten mit einer schweren Nierenfunktionsstörung kann eine erhöhte Wirkstoff-Plasmakonzentration auftreten. Daher muss der Wirkstoff bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung mit Vorsicht angewendet werden und bei schwerer Nierenfunktionsstörung und falls eine Behandlung einer TVT oder LE bzw. Prophylaxe einer TVT oder LE indiziert ist auch bei mittelschwerer Nierenfunktionsstörung eine Dosisanpassung erfolgen. Bei einer Kreatinin-Clearance von <15ml/min sollte Rivaroxaban nicht angewendet werden.

Leberfunktionsstörungen

Rivaroxaban ist kontraindiziert beim Vorliegen einer Lebererkrankung, die mit einer Koagulopathie und einem klinisch relevanten Blutungsrisiko einhergeht.

Ältere Patienten

Bei älteren Patienten ist eine Dosisanpassung nicht erforderlich.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Da bei Kindern und Jugendlichen die Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen ist, sollte Rivaroxaban bei ihnen nicht zur Anwendung kommen.

Nebenwirkungen

Die Therapie mit Rivaroxaban kann zu zahlreichen Nebenwirkungen führen. Allgemein ist festzuhalten, dass unter der Rivaroxaban-Therapie okkulte und sichtbare Blutungen aus jedem Gewebe oder Organ auftreten können. Zusätzlich zur angemessenen klinischen Überwachung kann evaluiert werden, ob es sinnhaft ist zur Erkennung okkulter Blutungen zusätzlich zur klinischen Untersuchung Laboruntersuchungen des Hämoglobins/Hämatokrit durchzuführen.

Es folgt eine beispielhafte Auflistung möglicher Nebenwirkungen entsprechend ihrer Häufigkeit.

Häufig

  • Anämie
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Augeneinblutungen (inklusive Bindehauteinblutung)
  • Hypotonie
  • Hämatome
  • Epistaxis
  • Hämoptysen
  • Zahnfleischbluten
  • Gastrointestinale Blutung
  • Gastrointestinale und abdominelle Schmerzen
  • Dyspepsie
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Verstopfung, Diarrhoe
  • Anstieg der Transaminasen
  • Blutung im Urogenitaltrakt (u. a. Hämaturie, Menorrhagie)
  • Einschränkung der Nierenfunktion
  • Fieber
  • Ödeme
  • Verminderte Leistungsfähigkeit.

Gelegentlich

  • Thrombozytose, Thrombozytopenie
  • Allergische Reaktion
  • Allergische Dermatitis
  • Angioödem und allergisches Ödem
  • Zerebrale und intrakranielle Blutung
  • Synkope
  • Tachykardie
  • Mundtrockenheit
  • Leberfunktionsstörung, Anstieg Bilirubin, alkalischer Phosphatase und GGT im Blut
  • Urtikaria
  • Hämarthros
  • Unwohlsein
  • Anstieg von LDH, Lipase und Amylase.

Selten

  • Gelbsucht
  • Cholestase
  • Hepatitis
  • Einblutung in einen Muskel
  • Lokale Ödeme
  • Vaskuläres Pseudoaneurysma.

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit

  • Kompartmentsyndrom als Folge von Blutungen
  • (Akutes) Nierenversagen als Folge einer Hypoperfusion ausgelöst durch eine Blutung.

Wechselwirkungen

Rivaroxaban kann Interaktionen mit anderen Wirkstoffen zeigen.

CYP3A4- und P-gp-Inhibitoren

Die gleichzeitige Verwendung von Rivaroxaban und Wirkstoffen, die als CYP3A4- und P-Glykoprotein (P-gp)-Inhibitoren wirken, beispielsweise Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol, Posaconazol oder Ritonavir, HIV-Proteaseinhibitoren, geht mit einer signifikanten Wirkungszunahme von Rivaroxaban einher. Daher sollte die gleichzeitige Einnahme der Wirkstoffe vermieden werden.

Bei gleichzeitiger Verwendung von Rivaroxaban und Wirkstoffen die entweder CYP3A4 oder P-gp inhibieren (z. B. Clarithromycin, Fluconazol), wird angenommen, dass sie die Plasmakonzentration von Rivaroxaban in einem geringeren Ausmaß erhöhen.

Antikoagulanzien

Wegen des erhöhten Blutungsrisikos ist bei der gleichzeitigen Verwendung Vorsicht geboten.

NSAR/Thrombozytenaggregationshemmer

Wegen des erhöhten Blutungsrisikos ist bei der gleichzeitigen Verwendung Vorsicht geboten.

SSRI/SNRI

Wegen des erhöhten Blutungsrisikos ist bei der gleichzeitigen Verwendung Vorsicht geboten.

Warfarin

Bei der Umstellung von Warfarin, einem Vitamin-K-Antagonisten, auf Rivaroxaban oder andersherum ist Vorsicht geboten. Die Prothrombin-Zeit/INR erhöhen sich supraadditiv und die Wirkungen auf aPTT, Hemmung der Faktor Xa-Aktivität und das endogene Thrombinpotential erhöhen sich additiv.

CYP3A4-Induktoren

Die gleichzeitige Verwendung von Rivaroxaban und starken CYP3A4-Induktoren wie beispielsweise Rifampicin führt zu einer verminderten Wirkung von Rivaroxaban.
Daher sollte die gleichzeitige Anwendung vermieden werden, alternativ muss der Patient engmaschig auf Zeichen und Symptome einer Thrombose überwacht werden.

Kontraindikation

Beim Vorliegen einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen anderen Bestandteil des Medikamentes darf Rivaroxaban nicht angewendet werden.

Akute, klinisch relevante Blutungen stellen eine Kontraindikation dar. Ebenso darf das Medikament nicht angewendet werden in klinischen Situationen oder beim Vorliegen von Läsionen, die als Risiko für eine schwere Blutung angesehen werden. Dazu gehören beispielsweise maligne Neoplasien mit Blutungsrisiko, gastrointestinale Ulzerationen, vaskuläre Aneurysmen etc.

Zudem sollte Rivaroxaban nicht gemeinsam mit anderen Antikoagulantien angewendet werden, außer in der speziellen Situation der Umstellung der Antikoagulationstherapie oder wenn unfraktioniertes Heparin in Dosen gegeben wird, die die Durchgängigkeit eines zentralvenösen oder arteriellen Katheters sicherstellen.

Eine weitere Kontraindikation sind Lebererkrankungen (inklusive Leberzirrhose, Stadium Child Pugh B und C), die mit einer Koagulopathie und einem klinisch relevanten Blutungsrisiko einhergehen.

Rivaroxaban darf zudem nicht in der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Rivaroxaban bei Schwangeren sind nicht erwiesen. Tierstudien geben Hinweise auf eine Reproduktionstoxizität. Der Wirkstoff ist bei schwangeren Frauen kontraindiziert. Zudem sollten Frauen im gebärfähigen Alter vermeiden während der Therapie mit dem Wirkstoff schwanger zu werden.

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Rivaroxaban bei stillenden Frauen ist nicht erwiesen. Tierstudien geben Hinweise, dass Rivaroxaban in die Muttermilch übergeht. Der Wirkstoff ist daher während der Stillzeit kontraindiziert.

Tierstudien an Ratten haben keine Auswirkungen auf die Fertilität ergeben. Studien zur Auswirkung von Rivaroxoban auf die Fertilität beim Menschen liegen nicht vor.

Verkehrstüchtigkeit

Der Wirkstoff hat einen geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit sowie das Bedienen von Maschinen. Unter der Therapie mit Rivaroxoban können Synkopen und Schwindel auftreten. Patienten, die diese Nebenwirkungen zeigen, sollten keine Fahrzeuge führen und keine Maschinen bedienen.

Weitere Informationen sind der jeweiligen Fachinformation zu entnehmen.

Alternativen

Alternative Präparate für Rivaroxaban sind alle Antikoagulantien, die bei der jeweiligen Indikation zugelassen sind. Weiterführende Informationen sind den entsprechenden Leitlinien zu entnehmen.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
366789-02-8
Molare Masse:
435.88 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 8.3 H
Q0-Wert:
0.5
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