Spironolacton

Spironolacton ist ein Diuretikum, das bei Hyperaldosteronismus eingesetzt wird.

Spironolacton 25 mg Tabletten (Zum Einnehmen)
Spironolacton 50 mg Tabletten (Zum Einnehmen)
Spironolacton 100 mg Gelatinekapseln (Zum Einnehmen)
Spironolacton 100 mg Tabletten (Zum Einnehmen)

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Als Aldosteronantagonist wird Spironolacton zur Behandlung eines primären Hyperaldosteronismus eingesetzt, sofern nicht eine Operation angezeigt ist. Es wird auch angewendet zur Behandlung von Ödemen und/oder Aszites bei Erkrankungen, die mit einem sekundären Hyperaldosteronismus einhergehen.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Spironolacton ist ein kompetitiver Antagonist am zytoplasmatischen Aldosteronrezeptor im spätdistalen Tubulus und im Sammelrohr der Nieren. Es entfaltet seine Wirkung nur in Gegenwart von Aldosteron. Blockade des Rezeptors verhindert, dass Aldosteron in den Zellkern eindringt und dort die Synthese bestimmter Proteine induziert. Spironolacton erhöht die Natriumausscheidung durch Hemmung der aldosteronvermittelten Natriumrückresorption und senkt die Kaliumausscheidung durch Hemmung der Kaliumsekretion. Es erhöht zudem die Chlorid- und Kalziumausscheidung und reduziert auch die Ammoniumausscheidung. Der Harn pH-Wert nimmt zu.

Ansteigende Aldosteronspiegel können die Wirkung von Spironolacton aufheben. In therapeutischen Dosen wird weder die Produktion noch die Ausscheidung von Aldosteron verringert. In extrem hoher Dosierung hemmt Spironolacton auch die Biosynthese des Aldosterons.

Bei alleiniger Anwendung hat Spironolacton nur eine geringe diuretische Wirksamkeit. Die Natriurese kann jedoch durch zusätzliche Gabe von Thiaziden oder Schleifendiuretika weiter gesteigert werden. Senkung der glomerulären Filtrationsrate durch Spironolacton kann die Serumharnstoff¬konzentration erhöhen.

Ein blutdrucksenkender Effekt bei Hypermineralokortikoidsyndromen bzw. bei verschiedenen Erkrankungen mit primärem oder sekundärem Hyperaldosteronismus ist erwiesen.

Pharmakokinetik

Spironolacton wird nach oraler Gabe zu ca. 70% rasch resorbiert. Die Resorption kann durch Einnahme zu einer Mahlzeit erhöht werden.

Die Plasmaproteinbindung ist mit über 90% sehr hoch. Bei oraler Applikation unterliegt Spironolacton einem ausgeprägten first-pass-Effekt und wird hauptsächlich in der Leber und in den Nieren zu 7-α-Thiospirolacton, Canrenon bzw. Canrenoat, 7-α-Thiomethylspirolacton bzw. 6-β-Hydroxy-7-α-Thiomethylspirolacton metabolisiert. Die drei erstgenannten Metabolite besitzen, verglichen mit der Muttersubstanz, eine relative antimineralokortikoide Aktivität von ca. 30%.

Maximale Plasmaspiegel werden nach oraler Gabe nach  ca. 1 -2 Stunden (Spironolacton) bzw. nach etwa 2 -3 Stunden (Metaboliten) gemessen. Die Ausscheidung erfolgt überwiegend im Urin, in geringerem Ausmaß über die Galle. Nach oraler Gabe von Spironolacton beträgt die Eliminationshalbwertszeit für Spironolacton 1 -2 Stunden, während die Metabolite langsamer ausgeschieden werden. Die terminalen Eliminationshalbwertszeiten betragen für Canrenon etwa 20 Stunden, für 7-α-Thiomethylspirolacton etwa 3 Stunden und für 6-β-Hydroxy-7-α-Thiomethylspirolacton etwa 10 Stunden.

Spironolacton und seine Metaboliten penetrieren die Plazentaschranke und Canrenon geht in die Muttermilch über.

Nebenwirkungen

Im Folgenden sind die Nebenwirkungen von Spironolacton nach ihrer Häufigkeit aufgelistet:

Häufig:

  • Lebensbedrohliche Hyperkaliämien (insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion) können zu hyperkaliämischen Paralysen (Muskellähmungserscheinungen) und Herzrhythmusstörungen führen
  • Hyperurikämie (kann bei prädisponierten Patienten zu Gichtanfällen führen)
  • Meist reversible Gynäkomastie (abhängig von der Dosishöhe und Dauer der Behandlung), gesteigerte Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen und Brustspannung.

Gelegentlich:

  • Thrombozytopenie
  • Allergische Reaktionen (Haut- und Schleimhautreaktionen)
  • Reversibler Anstieg stickstoffhaltiger harnpflichtiger Substanzen (Harnstoff, Kreatinin)
  • Verwirrtheitszustände
  • Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Ataxie, Schwäche, Schwindel, Müdigkeit
  • Mundtrockenheit, Magen-Darm-Beschwerden (z. B. Oberbauchbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, gastrointestinale Krämpfe), Blutungen der Magenschleimhaut und gastrointestinale Ulcera (auch mit Blutungen)
  • Hautrötung, Juckreiz, Hautausschlag, Urtikaria
  • Muskelkrämpfe (Wadenkrämpfe)
  • Potenzstörungen.

Selten:

  • Leukopenie (einschließlich Agranulozytose)
  • Vertiefung der Stimmlage (Frauen), Erhöhung der Stimmlage (Männer), Stimmveränderungen (auch in Form von Heiserkeit) bilden sich bei manchen Patienten auch nach Absetzen von Spironolacton nicht zurück
  • Mastodynie, Menstruationsstörungen mit Zwischenblutungen und Amenorrhoe.

Sehr selten:

  • Hepatotoxizität mit Ansteigen der Leberenzyme und histologisch nachgewiesener Hepatitis
  • Erythema anulare sowie Lichen-ruber-planus-ähnliche Hautveränderungen, Haarausfall bis Alopezie Ein Lupus-erythematodes-artiges Syndrom wurde beschrieben.
  • Hirsutismus
  • Osteomalazie (Knochenerweichung).

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit:

  • Gutartige Neubildungen der Brust
  • Störungen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt (insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion), u.a. Hyponatriämie, Hypomagnesiämie, Hyperchlorämie, Hyperkalzämie, Hypovolämie, hyperchlorämische metabolische Azidose
  • Apathie, Lethargie
  • Veränderungen der Libido
  • Sehstörungen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Orthostatische Regulationsstörungen oder Blutdruckabfall bis zum Kreislaufkollaps, Kreislaufstörungen, Thrombosen und Embolien (insbesondere bei älteren Patienten)
  • Durst, Appetitlosigkeit
  • Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse, Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS), Pemphigoid
  • Allgemeine Muskelschwäche
  • Beschwerden bei Patienten mit Behinderung des Harnabflusses bzw. Verstärkung bereits bestehender Beschwerden, akutes Nierenversagen.

Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung von Spironolacton und folgenden Arzneimitteln wird aufgrund der Gefahr von Hyperkaliämien nicht empfohlen:

Folgende weitere Wechselwirkungen sind zu beachten:

Bei gleichzeitiger Anwendung von ACE-Hemmern, Furosemid und Spironolacton kann ein akutes Nierenversagen auftreten.  Insbesondere bei gleichzeitiger Behandlung mit ACE-Hemmern besteht das Risiko eines massiven Blutdruckabfalls bis zum Schock und das Risiko einer Verschlechterung der Nierenfunktion. Eine Diuretikabehandlung sollte daher 2-3 Tage vor Beginn einer Therapie mit einem ACE-Hemmer abgesetzt werden.Spironolacton und Carbenoxolon können sich gegenseitig in ihrer Wirkung beeinträchtigen.
Größere Mengen von Lakritze wirken in dieser Hinsicht wie Carbenoxolon.

Die Kombination mit anderen Diuretika kann zu verstärkter Diurese und verstärktem Blutdruckabfall führen.

Nicht-steroidale Antiphlogistika (z. B. Acetylsalicylsäure, Indometacin), Salicylate, Mefenaminsäure sowie Phenytoin können die diuretische Wirkung von Spironolacton abschwächen. Bei Patienten, die unter der Therapie mit Spironolacton eine Hypovolämie oder eine Dehydratation entwickeln, kann die gleichzeitige Gabe nicht-steroidaler Antiphlogistika ein akutes Nierenversagen auslösen.

Gleichzeitige Anwendung von Spironolacton mit Digoxin kann über eine Verlängerung der Digoxin-Halbwertszeit zu erhöhten Digoxin-Plasmaspiegeln führen. Spironolacton kann mit der RIA-Bestimmung der Digoxin-Serumkonzentration interferieren und zu falsch erhöhten Werten führen.

Die Resorption von Spironolacton kann durch Neomycin verzögert sein.

Kontraindikation

Überempfindlichkeit gegen Spironolacton oder einen anderen Bestandteil der entsprechenden Arzneizubereitung.
Darüber hinaus darf der Wirkstoff nicht angewendet werden bei:

  • Anurie
  • akutem Nierenversagen
  • schwerer Niereninsuffizienz mit Oligurie oder Anurie (Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min pro 1,73 m2 Körperoberfläche und/oder Serum-Kreatinin über 1,8 mg/dl)
  •  Hyperkaliämie
  • Hyponatriämie
  • gleichzeitiger Anwendung von Eplerenon oder anderen kaliumsparenden Diuretika
  • Hypovolämie oder Dehydratation
  • Schwangerschaft und Stillzeit.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es liegen keine hinreichenden Daten für die Verwendung von Spironolacton bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Untersuchungen haben Feminisierung der Genitalien männlicher Nachkommen sowie Hinweise auf endokrine Störungen bei weiblichen und männlichen Nachkommen ergeben. Beim Menschen sind antiandrogene Wirkungen nachgewiesen worden. Spironolacton ist deshalb in der Schwangerschaft kontraindiziert.

Der pharmakologisch aktive Metabolit Canrenoat ist in der Muttermilch nachgewiesen worden und Spironolacton ist während der Stillzeit kontraindiziert. Sollte eine Behandlung notwendig sein, muss abgestillt werden.

Verkehrstüchtigkeit

Auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch kann das Reaktionsvermögen soweit verändert werden, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen eingeschränkt ist. Dies gilt in verstärktem Maße bei Behandlungsbeginn und Dosiserhöhung sowie in Kombination mit Alkohol.

Weitere Details zu diesem Wirkstoff können Sie der Fachinformation entnehmen.

Verwandte Wirkstoffe

Spironolacton  (ATC-Klasse C03DA01) gehört zu der Gruppe der Kalium-sparenden Mittel, Untergruppe Aldosteron-Antagonisten.

Andere Vertreter dieser Klasse sind:

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
52-01-7
Molare Masse:
416.59 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 1.3 H
Q0-Wert:
1.0
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