Sulfasalazin

Der Wirkstoff Sulfasalazin ist ein Prodrug, das zur Behandlung der Colitis ulcerosa, des Morbus Crohn, der rheumatoiden Arthritis und der aktiven juvenilen idiopathischen Oligoarthritis angewendet wird. Das Arzneimittel wird in die Wirkstoffe Sulfapyridin und 5-Aminosalicylsäure (5-ASA, Mesalazin) gespalten. Die Wirkung beruht vor allem auf den antiinflammatorischen Effekten.

Sulfasalazin 500 mg Magensaftresistente Tabletten (Zum Einnehmen)
Sulfasalazin 500 mg Tabletten (Zum Einnehmen)

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Sulfasalazin wird angewendet zur:

  • Akutbehandlung und Rezidivprophylaxe der Colitis ulcerosa
  • Akutbehandlung des milden bis moderaten Morbus Crohn bei Befall des Kolons
  • Behandlung von Arthropathien bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
  • Behandlung der aktiven rheumatoiden Arthritis
  • Behandlung der aktiven juvenilen idiopathischen Oligoarthritis (Enthesitis-assoziierte Arthritis) ab dem 6. Lebensjahr, die unzureichend auf nicht-steroidale Antiphlogistika und/oder lokale Glukokortikoidinjektionen angesprochen hat
  • Behandlung der aktiven juvenilen idiopathischen Polyarthritis und polyarthritischen Spondylarthritis ab dem 6. Lebensjahr (Enthesitis-assoziierte Arthritis), die unzureichend auf nicht-steroidale Antiphlogistika angesprochen hat

Anwendungsart

Sulfasalazin ist als magensaftresistente Filmtablette auf dem deutschen Markt verfügbar.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Sulfasalazin ist ein Prodrug, das erst durch das bakterielle Enzym Azoreduktase zu seinen wirksamen Metaboliten Sulfapyridin und 5-Aminosalicylsäure (5-ASA, Mesalazin) gespalten wird. Für die Wirkung von Sulfasalazin scheint vor allem der Einfluss der Metaboliten auf die Leukotrien-Synthese, den Arachidonsäurestoffwechsel und die Lipoxygenierung am Ort des Entzündungsgeschehens verantwortlich zu sein. Der Beitrag der antimikrobiellen Wirkung zur Wirksamkeit ist ungeklärt. Diskutiert wird auch ein immunmodulierender Effekt.

Pharmakokinetik

Resorption

Nach oraler Einnahme wird Sulfasalazin zu etwa 20 Prozent im Dünndarm resorbiert.

Verteilung

Maximale Serumkonzentration sind nach 3 bis 6 Stunden erreicht. Die durchschnittliche Halbwertszeit nach einer Einzeldosis beträgt 5,7 Stunden, nach wiederholter Einnahme 7,6 Stunden. Die Proteinbindung beträgt über 95 Prozent.

Biotransformation und Elimination

Ein kleinerer Teil der resorbierten Substanz wird renal eliminiert, der Rest gelangt über die Galle zurück in den Dünndarm (enterohepatischer Kreislauf). Zwei Tage nach Einnahme fällt der Serumspiegel auf eine sehr niedrige Konzentration, da nun der größte Teil der verabreichten Sulfasalazin-Dosis den Dickdarm erreicht und durch Darmbakterien in seine Metaboliten Sulfapyridin und 5-Aminosalicylsaure (5-ASA) gespalten wird. Sulfapyridin wird resorbiert, teilweise acetyliert, hydroxyliert und glucuronidiert. Sulfapyridin wird dann zum größten Teil renal eliminiert. Nicht acetyliertes Sulfapyridin ist an Serumalbumin gebunden und erreicht nach 12 Stunden seine maximale Plasmakonzentration. Nach 3 Tagen ist im Serum kein Sulfapyridin mehr detektierbar. Langsam-Acetylierer entwickeln eine höhere Serumkonzentration an freiem Sulfapyridin und haben ein höheres Risiko für Nebenwirkungen.
Der resorbierte Teil der 5-Aminosalicylsäure wird als Acetyl-5-Aminosalicylsäure rasch mit dem Urin ausgeschieden. Ein größerer Teil wird über die Fäzes eliminiert.

Dosierung

Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Arthropathien

Erwachsene

Je nach Schweregrad und Acetylierertyp beträgt die empfohlene Dosierung für Erwachsene im akuten Schub 3 bis 4 g Sulfasalazin täglich. Zur Rezidivprophylaxe sowie im chronischen Verlauf der Colitis ulcerosa beträgt die tägliche Dosierung 2 bis 3 g Sulfasalazin.

Kinder

Bei Kindern werden initial 40 bis 60 mg/kg Körpergewicht täglich gegeben. Die Erhaltungsdosis beträgt 30 bis 40 mg/kg Körpergewicht, verteilt auf 3 bis 4 Tagesdosen.

Aktive rheumatoide Arthritis

Erwachsene

  1. Woche: 500 mg einmal täglich
  2. Woche: 500 mg zweimal täglich (morgens und abends)
  3. Woche: 500 mg morgens und 1000 mg abends
  4. Woche: 1000 mg zweimal täglich (morgens und abends)

Nebenwirkungen

Viele Nebenwirkungen sind dosisabhängig und können durch Verringerung der Dosis gemildert oder vermieden werden. Weiterhin kann der Wirkstoffspiegel bei Langsam-Acetylierem erhöht sein, weshalb beim Auftreten von Nebenwirkungen empfohlen wird, den Acetylierer-Phänotyp bestimmen zu lassen.

Sehr häufig (≥ 1/10) treten unter der Behandlung mit Sulfasalazin folgende Nebenwirkungen auf:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Dyspepsie, Magenbeschwerden
  • bei Männern: reversible Oligospermie, vorübergehend eingeschränkte Zeugungsfähigkeit
  • Müdigkeit


Häufige (≥ 1 /100 bis < 1 /10) Nebenwirkungen unter der Behandlung mit Sulfasalazin sind:

  • Folsäuremangelanämie (häufig Megaloblastose und Makrozytose), Leukopenie
  • Appetitverlust
  • Schwindel, Störungen des Geschmackssinns
  • Husten
  • erhöhte Leberenzymwerte
  • Pruritus, Exantheme, Purpura
  • Arthralgie
  • Proteinurie
  • Fieber, Schläfrigkeit, Benommenheit, Konzentrationsstörungen, Schlaflosigkeit

Wechselwirkungen

Unter Einnahme von Sulfasalazin bestehen folgende Wechselwirkungen:

  • Folsäure ► verminderte Folsäurespiegel möglich aufgrund einer Hemmung der Resorption durch Sulfasalazin (CAVE Schwangerschaft)
  • Eisen ► Sulfasalazin und Eisen bilden Chelate. Dies führt zu einer Resorptionshemmung von Sulfasalazin, nicht aber von Sulfapyridin.
  • Calcium ► Bei gleichzeitiger Calciumglukonat-Therapie wurde beschrieben, dass Sulfasalazin verzögert resorbiert wurde
  • Digoxin ► Aufnahme von Digoxin kann gehemmt werden
  • Antibiotika (Ampicillin, Neomycin, Rifamycin, Ethambutol) ► Wirkung von Sulfasalazin kann verringert werden.
  • Anionenaustauscherharze wie Colestipol oder Colestyramin ► Sulfasalazin als auch seine Metaboliten werden im Darm gebunden
  • Orale Antikoagulanzien (Phenprocoumon oder Dicumarol) ► Abbau über die Leber kann beeinträchtigt werden. Regelmäßige Überwachung des Gerinnungsstatus ist notwendig.
  • Arzneimittel mit hoher Proteinbindung (z.B. Methotrexat, Phenylbutazon, Sulfinpyrazon) ► Wirkung dieser Arzneimittel kann verstärkt werden
  • Hämotoxische Arzneimittel ► Leukopenie, Anämie und/oder Thrombozytopenie können häufiger und intensiver auftreten bei gleichzeitiger Einnahme von Sulfasalazin
  • Ciclosporin ► verringerte Ciclosporinspiegel möglich aufgrund der Induktion von Cytochrom P450
  • Typhus-Lebendimpfstoff ► verringerte Immunreaktion nach Gabe von Typhus-Lebendimpfstoff ist möglich. Zwischen der Einnahme von Sulfasalazin und der Anwendung eines Typhus-Lebendimpfstoffs soll ein Abstand von mindestens 24 Stunden liegen
  • Hepatotoxische Arzneistoffe ► Leberfunktion muss sorgfältig überwacht werden
  • Sulfonylharnstoffe ► blutzuckersenkender Effekt kann verstärkt sein
  • Methenamin ► mögliche Ausbildung einer Kristallurie

Kontraindikation

Sulfasalazin darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder seinen Metaboliten
  • Überempfindlichkeit gegenüber Sulfonamiden oder Salicylaten
  • Erkrankungen der blutbildenden Organe
  • akuter intermittierender Porphyrie
  • schwerer Leberinsuffizienz
  • schwerer Niereninsuffizienz
  • Patienten mit Glucosee-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (Gefahr für das Auftreten einer hämolytischen Anämie)
  • vorbestehenden Blutbildveränderungen wie Leuko- oder Thrombozytopenie
  • Ileus
  • Erythema exsudativum multiforme (auch in der Anamnese)
  • Einnahme von Methenamin

Schwangerschaft/Stillzeit

Sulfasalazin sollte schwangeren Frauen nur bei eindeutiger Indikationsstellung und mit Vorsicht verabreicht werden, vor allem falls sie zum Langsam-Acetylierer-Phänotyp gehören.

Es liegen Berichte von Säuglingen mit Neuralrohrdefekten vor, deren Müttern während der Schwangerschaft Sulfasalazin erhalten hatten. Weiterhin kann Sulfasalazin zu Folsäuremangel führen oder einen Folsäuremangel verstärken, der durch die zugrundeliegende Krankheit oder Schwangerschaft bedingt ist. Da Folsäuremangel zum Zeitpunkt der Konzeption oder im ersten Trimenon der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für Neuralrohrdefekte in Verbindung gebracht wird, wird eine ergänzende Gabe von Folsäure während einer Sulfasalazin-Therapie für Frauen im gebärfähigen Alter sowie im ersten Trimenon der Schwangerschaft empfohlen.

Sulfasalazin und Sulfapyridin werden in geringen Konzentrationen in der Muttermilch festgestellt. Es ist daher Vorsicht geboten, insbesondere beim Stillen von frühgeborenen Kindern und solchen mit einem Mangel an Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase. Es liegen Berichte über Blutstuhl oder Durchfall bei Kleinkindern vor, die von mit Sulfasalazin behandelten Müttern gestillt wurden. Sulfasalazin sollte stillenden Müttern daher nur mit Vorsicht verabreicht werden.

Verkehrstüchtigkeit

Sulfasalazin kann zu einer Einschränkung der Reaktionsfähigkeit führen. Patienten, die während einer Therapie mit Sulfasalazin an Schwindelgefühl oder zentralnervösen Störungen leiden, sollten kein Fahrzeug führen, potenziell gefährliche Maschinen bedienen oder andere Tätigkeiten ausführen, die aufgrund eingeschränkter Reaktionsfähigkeit gefährlich werden können. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

Weitere Informationen sind der jeweiligen Fachinformation zu entnehmen.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
599-79-1
Molare Masse:
398.39 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 5.7 H
Q0-Wert:
0.9
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