Tamoxifen

Tamoxifen ist ein Wirkstoff, der hauptsächlich zur Therapie von Brustkrebs (Mammakarzinom) eingesetzt wird. Der Arzneistoff wirkt als selektiver Modulator von Estrogenrezeptoren (SERM) und ist ein sogenanntes Antiestrogen. Tamoxifen wird über CYP2D6 in einen aktiven Metaboliten metabolisiert, weshalb bei Patienten mit nicht-funktionalen CYP2D6-Allelen nur eine reduzierte Wirksamkeit erzielt wird.

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Anwendungsgebiete

  • Adjuvante Therapie nach Primärbehandlung des Mammakarzinoms
  • Metastasierendes Mammakarzinom

Anwendungsform

Der Wirkstoff ist in Form von Filmtabletten und Tabletten auf dem deutschen Markt verfügbar.

Pharmakologie

Pharmakodynamik

Tamoxifen ist ein kompetitiver Inhibitor der Bindung von Östrogenen an zytoplasmatische Hormonrezeptoren. Infolgedessen kommt es zu einer Abnahme der Zellteilung in östrogenabhängigen Geweben.

Beim metastasierenden Mammakarzinom tritt in ca. 50 bis 60 Prozent der Fälle eine vollständige oder teilweise Remission vor allem von Weichteil- und Knochenmetastasen ein, wenn das Vorhandensein von Östrogenrezeptoren im Tumorgewebe nachgewiesen wurde.

Bei negativem Hormonrezeptorstatus, insbesondere der Metastasen, werden nur in ca. 10 Prozent der Fälle objektive Remissionen beobachtet.

Pharmakokinetik

  • Maximalen Serumspiegel werden 4 bis 7 Stunden nach oraler Einnahme erreicht.
  • Der Wirkstoff wird zu 98 Prozent an Plasmaeiweiße gebunden.
  • Die terminale Plasmahalbwertszeit beträgt im Mittel 7 Tage.
  • Tamoxifen wird in beträchtlichem Ausmaß (hauptsächlich über das Enzym CYP3A4) metabolisiert.
  • Über CYP3A4 wird Tamoxifen zu N-Desmethyl-Tamoxifen metabolisiert, das weiter über CYP2D6 zu dem aktiven Metaboliten 4-Hydroxy-N-Desmethyl-Tamoxifen (Endoxifen) verstoffwechselt wird.
  • Bei Patienten mit fehlendem CYP2D6 zeigt sich eine um etwa 75 Prozent niedrigere Konzentration an Endoxifen im Vergleich zu Patienten mit normaler CYP2D6-Aktivität.
  • Die Gabe von starken CYP2D6-Inhibitoren reduziert die zirkulierenden Endoxifenspiegel in gleichem Umfang.
  • Der Hauptmetabolit im Serum, N-Desmethyl-Tamoxifen, und weitere Metaboliten besitzen nahezu gleiche antiöstrogene Eigenschaften wie die Muttersubstanz.
  • Tamoxifen und seine Metaboliten akkumulieren in Leber, Lunge, Gehirn, Bauchspeicheldrüse, Haut und Knochen.
  • Die Ausscheidung erfolgt vorwiegend mit dem Stuhl in Form verschiedener Metaboliten

Nebenwirkungen

Zu den sehr häufig auftretenden Nebenwirkungen (≥ 1/100, bis< 1/10) zählen:

  • Übelkeit Häufig: Erbrechen, Diarrhoe, Verstopfung
  • Hautausschlag
  • Flüssigkeitsretention
  • Hitzewallungen, die zum Teil auf die antiöstrogene Wirkung des Tamoxifens zurückzuführen sind
  • Erschöpfung
  • Fluor vaginalis, Zyklusveränderungen bis hin zur völligen Unterdrückung der Menstruation in der Prämenopause
  • vaginale Blutungen

Zu den häufig auftretenden Nebenwirkungen (≥ 1/10) zählen:

  • vorübergehende Anämie
  • Benommenheit und Kopfschmerzen, Sensibilitätsstörungen (einschließlich Parästhesie und Dysgeusie)
  • Sehstörungen durch Katarakte (nur zum Teil reversibel)
  • Alopezie
  • Überempfindlichkeitsreaktionen
  • Myalgie
  • Pruritus vulvae, Vergrößerung von Myomen des Uterus, proliferative Veränderungen am Endometrium
  • Anstieg der Serumtriglyceride
  • ischämische zerebrovaskuläre Ereignisse
  • Wadenkrämpfe
  • thromboembolische Ereignisse, einschließlich tiefer Beinvenenthrombosen, mikrovaskulärer Thrombosen und Lungenembolien (die Häufigkeit von venösen Thromboembolien ist bei gleichzeitiger Chemotherapie erhöht)
  • Änderungen der Leberenzymwerte, Entwicklung einer Fettleber

Die vollständigen Angaben zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen können der Fachinformation entnommen werden.

Wechselwirkungen

  • Hormonpräparate (z.B. orale Kontrazeptiva) ► gegenseitige Wirkungsabschwächung möglich
  • Aromataseinhibitor Letrozol ► Plasmakonzentrationen von Letrozol um ca. 37 Prozent vermindert
  • Thrombozytenaggregationshemmer ► Blutungsgefahr
  • Antikoagulantien vom Cumarintyp ► Veränderung der Gerinnungsverhältnisse (Verlängerung der Prothrombinzeit)
  • CYP3A4-Induktoren (wie Rifampicin) ► Reduktion des Tamoxifenplasmaspiegels möglich
  • Inhibitoren von CYP2D6 (z.B. Paroxetin, Fluoxetin, Chinidin, Cinacalcet, Bupropion) ► Reduzierung des Plasmaspiegels von Tamoxifen

Kontraindikation

Tamoxifen soll nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Kindern
  • Schwangerschaft
  • Stillzeit

Schwangerschaft/Stillzeit

Tamoxifen sollte nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden.

Anwendungshinweise

  • Bei schweren Thrombozytopenien, Leukozytopenien oder Hypercalcämien ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich und bei Verordnung eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung notwendig.
  • Das Blutbild, das Serumcalcium sowie die Leberfunktion sollten während der Anwendung regelmäßig überprüft werden.
  • Es gibt Hinweise auf eine erhöhte Inzidenz thromboembolischer Ereignisse, einschließlich tiefer Venenthrombosen und Lungenembolien, während der Behandlung mit Tamoxifen. Die Häufigkeit ist bei gleichzeitiger Chemotherapie erhöht.
  • CYP2D6-Genotyp: Klinische Daten deuten darauf hin, dass bei Patienten mit Homozygotie der nicht-funktionalen CYP2D6-Allele eine reduzierte Wirksamkeit von Tamoxifen in der Behandlung des Brustkrebses bestehen kann. Die verfügbaren Studien wurden hauptsächlich an postmenopausalen Frauen durchgeführt.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
10540-29-1
Molare Masse:
371.51 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 143.0 H
Q0-Wert:
1.0
Kindstoff(e):
Tamoxifencitrat (CAS 54965-24-1)
  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden

15 Präparate mit Tamoxifen

Anzeige

Gelbe Liste Datenbank-Suche

Gelbe Liste Datenbanken

Pharma News

Ärztliche Fachgebiete

Orphan Disease Finder

Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen:

 

Newsletter