Trimipramin

Trimipramin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva. Er wird bei Depressionen verordnet und wirkt stimmungsaufhellend, angstlösend und schlaffördernd.

Anwendung

Tropfen oder Tabletten mit Trimipramin werden bei depressiven Syndromen eingesetzt, die mit den Leitsymptomen innere Unruhe, Angst und Schlafstörungen einhergehen. Der Wirkstoff wirkt anxiolytisch, beruhigend und schlaffördernd. Obwohl Trimipramin selbst keine Schmerzen lindert, wird der Wirkstoff auch bei chronischen Schmerzzuständen eingesetzt – er hilft den Patienten, sich von ihren Schmerzen zu distanzieren.

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Trimipramin gilt als atypisches Trizyklikum, da es nicht über eine Wiederaufnahmehemmung von Noradrenalin oder Serotonin wirkt. Der Wirkstoff hat Affinität zu den Rezeptoren 5-HT2 / 5-HT1, D2 / D1, ɑ1 / ɑ2, einen starken H1-Antagonismus und eine deutliche Affinität zu muskarinischen Acetylcholinrezeptoren. Trimipramin greift in die Signalvermittlung im Gehirn ein und erhöht die Wirkungsdauer stimmungsaufhellender Botenstoffe.

Pharmakokinetik

Nach oraler Einnahme der Tropfen oder Tabletten wird Trimipramin zu etwa 80% resorbiert und im Rahmen eines First-Pass-Effekts in der Leber über verschiedene Metabolisierungswege umgewandelt. Die vier wichtigsten Metaboliten sind das Didemethylderivat, das Iminodibenzylderivat, das Hydroxyderivat und das Monodemethylderivat. Letzteres ist der einzige nachweislich pharmakologisch aktive Metabolit. Die Bioverfügbarkeit von Trimipramin liegt bei 40%, variiert aber von Patient zu Patient. Etwa drei Stunden nach der Einnahme besteht der maximal Plasmaspiegel. Die vier Metaboliten werden vor allem renal ausgeschieden. Bei Patienten mit Niereninsuffizienz oder eingeschränkter Leberfunktion sind die pharmakokinetischen Parameter entsprechend erhöht. Bis zu zehn Prozent der westeuropäischen Bevölkerung weisen einen Defekt des Enzyms CYP2D6 auf – dann ist die Plasmahalbwertszeit stark erhöht, das Verteilungsvolumen jedoch reduziert.

Dosierung

Die Therapie beginnt mit 20 bis 25 mg Trimipramin pro Tag – eine Dosis, die dann bei Bedarf Schritt für Schritt gesteigert werden kann. 100 bis 150 mg Trimipramin sind bei mittelgradiger Depression notwendig, bei schwerer Depression können bis zu 400 mg des Wirkstoffs pro Tag zugeführt werden. Liegen Schlafstörungen vor, ist es sinnvoll, die Tagesdosis als Einmaldosis am Abend einzunehmen, um die schlafanstoßende Wirkung zu nutzen. Sind die Schlafstörungen nicht ausgeprägt, kann die Gesamtmenge auch über den Tag verteilt eingenommen werden (morgens, mittags, abends). Tabletten mit Trimipramin werden mit einem Glas Wasser unzerkaut während oder nach den Mahlzeiten eingenommen. Tropfen mit Trimipramin werden mit Wasser während oder nach den Mahlzeiten eingenommen.

Um eine wirksame Therapie zu erzielen, ist eine Trimipramin-Behandlung von vier bis sechs Wochen erforderlich. In diesem Zeitraum sollte sich die Stimmungslage normalisieren. Nach der ersten depressiven Phase ist eine vier- bis neunmonatige Erhaltungstherapie mit der wirksamen Dosis angebracht, um einen Rückfall zu vermeiden.

Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten Trimipramin nicht einnehmen.

Ältere Patienten

Ältere und Gebrechliche benötigen meist nur geringe Mengen Trimipramin, die dann in größeren Abständen eingenommen werden.

Absetzen von Trimipramin

Auch beim Absetzen von Trimipramin ist wie zu Beginn der Therapie ein langsames Verringern der Dosis erforderlich – das Medikament sollte keinesfalls abrupt abgesetzt werden.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen, die im Zusammenhang mit Trimipramin stehen, fallen unter die Kategorie „Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit“, da sie anhand der vorhandenen Daten nicht abschätzbar sind. Möglich sind folgende unerwünschte Wirkungen:

Störungen des Bluts

Blutbildveränderungen, weshalb regelmäßige Laborkontrollen erforderlich sind.

Endokrine Störungen

Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH), Erhöhung des Prolaktinspiegels, Gynäkomastie, Galaktorrhoe, sexuelle Funktionsstörungen.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Hyperglykämie – Trimipramin erhöht möglicherweise das Risiko für einen Diabetes mellitus.

Psychiatrische Störungen

Unruhe, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Verwirrtheitszustände, delirante Syndrome, Hypomanie, Manie.

Störungen des Nervensystems

Tremor, Benommenheit, Schwindel, Dysarthrie, Parästhesien, Polyneuropathien, Krampfanfälle, extrapyramidale Störungen.

Störungen an Ohr und Auge

Akkommodationsstörungen, Tinnitus.

Störungen des Herz-Kreislauf-Systems

Orthostatische Hypotonie, Synkope, Tachykardie, Blutdrucksenkung, Herzrhythmusstörungen, Reizleitungsstörungen.

Störungen der Atemwege und des Brustraums

Allergische pulmonale Symptome, Pleuritis.

Störungen des Gastrointestinaltrakts

Mundtrockenheit, Obstipation, Verdauungsstörungen, Übelkeit.

Störungen von Leber und Galle

Erhöhung von Leberenzymen und Bilirubin.

Störungen der Haut

Hautrötungen, allergische Reaktionen, Haarausfall.

Störungen der Knochen

Erhöhtes Risiko von Knochenbrüchen bei älteren Patienten

Störungen von Nieren und Harnwegen

Miktionsstörungen, Harnverhalt.

Allgemeine Störungen

Müdigkeit, Gewichtszunahme, Schwitzen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen zeigt Trimipramin mit folgenden Substanzen:

  • Alkohol: Der gleichzeitige Konsum von Alkohol kann die Dämpfung des Nervensystems verstärken.
  • Baclofen: Bei gleichzeitiger Anwendung kann der Muskeltonus sinken.
  • anticholinergen Substanzen: Es kann zur Verstärkung peripherer und zentraler Effekte kommen.
  • sympathomimetische Amine: Deren Wirkung kann durch die gleichzeitige Einnahme von Trimipramin verstärkt werden.
  • MAO-Hemmer: Irreversible MAO-Hemmer sind 14 Tage vor dem Start der Trimipramin-Therapie abzusetzen. Auch nicht-selektive MAO-Hemmer sollten nicht mit Trimipramin kombiniert werden.
  • Serotonin-Wiederaufnahmehemmer: Da sie mit Trimipramin konkurrieren, steigt die Plasmakonzentration beider Wirkstoffe. Eventuell ist eine Dosisreduktion erforderlich.
  • Antihypertensiva: Deren Wirkung kann abgeschwächt werden.
  • Wirkstoffen, die das QT-Intervall verlängern: Die gleichzeitige Einnahme von Trimipramin ist zu verhindern.
  • Antiarryhythmika: Deren Wirkung kann verstärkt werden.
  • Neuroleptika: Die Plasmakonzentration von Trimipramin kann dadurch erhöht werden.
  • Antiepileptika: Trimipramin kann die Krampfschwelle senken, weshalb ggf. die Dosis der Antiepileptika angepasst werden muss.
  • Valproinsäure: Erforderlich sind eventuell eine klinische Überwachung und eine Dosisanpassung von Trimipramin.
  • Carbamazepin: Erforderlich sind eventuell eine klinische Überwachung und eine Dosisanpassung.
  • Lebensmitteln: Gerbsäure aus schwarzem Tee kann die Resorption vermindern. Auch Kaffee oder Fruchtsäfte zur Einnahme sollten vermieden werden.

Kontraindikation

Medikamente mit Trimipramin dürfen nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • akuter Toxikation durch Alkohol, Hypnotika, Analgetika oder Psychopharmaka
  • akuten Delirien
  • unbehandeltem Engwinkelglaukom
  • Harnentleerungsstörungen
  • kürzlich erlittenem Herzinfarkt
  • Pylorusstenose
  • paralytischem Ileus.

Schwangerschaft/Stillzeit

In der Schwangerschaft und während der Stillzeit darf Trimipramin nicht angewendet werden, da dazu keine Erfahrungen vorliegen. Im Tierversuch ergaben sich Hinweise auf Embryoletalität und Missbildungen. Ob Trimipramin in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt.

Verkehrstüchtigkeit

Das Reaktionsvermögen kann durch Trimipramin so verändert werden, dass die Teilnahme am Straßenverkehr und die Bedienfähigkeit von Maschinen eingeschränkt ist.

Weitere Details zu diesem Wirkstoff können Sie der jeweiligen Fachinformation entnehmen.

Wirkstoff-Informationen

CAS-Nummer:
739-71-9
Molare Masse:
294.42 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 24.0 H
Q0-Wert:
0.9
Kindstoff(e):
Trimipramin mesilat (CAS 25332-13-2), Trimipraminmaleat (CAS 521-78-8)

Autor: Sina Horsthemke (Medizinjournalistin)

Stand: 28.01.2019

Quelle:
  1. Fachinformation Trimipramin Sandoz® 25 mg Tabletten
  2. Fachinformation Stangyl® Tropfen Sanofi
  3. „Checkliste Arzneimittel A–Z“, Thieme Verlag, 7. Auflage 2017
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