Antimykotika

Die Wirkstoffgruppe der Antimykotika umfasst Wirkstoffe, die zur Behandlung von Pilzinfektionen angewendet werden. Sie werden als systemisch oder topisch wirkende Wirkstoffe klassifiziert.

Antimykotika: Übersicht

Synonyme

Pilzmedikamente, Pilzmittel

Anwendung

Zu den Anwendungsgebieten der Antimykotika zählen:

Oberflächliche kutane Mykosen

  • Mykosen der Haut
  • Vaginalmykosen
  • Nagelmykosen (Onychomykose)
  • Mundsoor

Systemmykosen

Aufbau und Charakteristika von Pilzen

Pilze gehören zu den Eukaryonten und besitzen eine Zellwand. Sie werden eingeteilt in:

  1. Dermatophyten (Trichophyton spezies, Microsporum spezies, Epidermophyton spezies): Befallen vorwiegend Haut, Haare und Nägel
  2. Hefen (Candida spezies, Cryptococcus spezies, Malassezia furfur): Befall von Haut, Schleimhaut und inneren Organen möglich
  3. Schimmelpilze (Aspergillus spezies, Mucorales, Fusarium spezies, Scedosporium spezies): Produktion diverser Toxine, die aerogen oder über Lebensmittel aufgenommen werden (z. B. Aflatoxine)

Wirkung

Die Wirkmechanismen von Antimykotika umfassen:

  • die Hemmung der Pilzmembran- und Zellwandsynthese,
  • Veränderungen der Pilzmembranen,
  • Wirkungen auf Mikrotubuli und
  • die Hemmung der Nukleinsäuresynthese.

Viele der systemisch wirkenden Antimykotika sind für Säugetierzellen toxisch, insbesondere Amphotericin B. Topische Antimykotika weisen im Gegensatz dazu aufgrund der schlechten Absorption durch die Haut eine geringe systemische Toxizität auf.

Zu den systemisch wirkenden Antimykotika gehören u. a. die Polyene (Amphotericin B), Flucytosin, Imidazole und Triazole (Ketoconazol, Fluconazol, Itraconazol und Voriconazol) sowie Griseofulvin und Ciclopirox, Terbinafin und Caspofungin.

Topische Antimykotika umfassen u. a. die Imidazole (Clotrimazol, Econazol, Miconazol, Terconazol, Oxiconazol, Omoconazol, Sertaconazol, Sulconazol, Tioconazol), Haloprogin, Tolnaftat, Naftifin, Terbinafin. Andere topisch wirksame Antimykotika sind Haloprogin, Tolnaftat, Naftifin, Butenafin, Undecylensäure und Kaliumiodid.

Wirkstoffe

Allylamine

Allylamine hemmen die Synthese von Ergosterol durch Inhibition des Enzyms Squalenepoxidase. Beispiele für Allylamine sind:

Azol-Antimykotika

Azol-Antimykotika hemmen das Enzym Lanosterol-14α-Demethylase, das an der Synthese von Ergosterol beteiligt ist. Falsche Sterole lagern sich so in die Membran ein und stören deren normale Funktion und die Funktion membranstäyyndiger Enzyme wie z. B. der Chitinsynthetase, die für Zellwachstum und Teilung von Pilzen essenziell ist.

Topische Azol-Antimykotika

Systemische Azol-Antimykotika

Azol-Antimykotika besitzen ein ausgeprägtes Interaktionspotenzial    

  • Fluconazol: Starker Inhibitor von CYP2C9 und CYP2C19, mittelstarker Inhibitor von CYP3A4
  • Isavuconazol: Substrat von CYP3A4, mittelstarker Inhibitor von CYP3A4
  • Itraconazol: Substrat von CYP3A4, starker Inhibitor von CYP3A4
  • Posaconazol: Starker Inhibitor von CYP3A4
  • Voriconazol: Substrat von CYP2C19, mittelstarker Inhibitor von CYP2B6 und CYP2C9, starker Inhibitor von CYP3A4

Echinocandine

Echinocandine inhibieren das Enzym 1,3-β-D-Glucansynthase, das an der Synthese des β-D-Glucan, einem wichtigen Pilzzellwandbestandteil, beteiligt ist. Beispiele für Echinocandine sind:

Morpholin-Derivate

Morpholin-Derivate inhibieren die C14-Sterol-Reduktase und die Sterol-Δ7/8-Isomerase, wodurch es zu einem Abbau des Ergosterols und einer Ansammlung von Ignosterol in den zytoplasmatischen Zellmembranen des Pilzes kommt.  Ein Beispiel für ein Morpholin-Derivat ist der Wirkstoff Amorolfin, der als Lack zur lokalen Behandlung von Onychomykosen angewendet wird.

Polyene

Polyen-Antimykotika wirken über eine irreversible Komplexbildung mit Ergosterol, wodurch Poren in der Membran gebildet werden und so kleine Moleküle wie Zucker, Nukleotide und auch Proteine aus der Zelle austreten und diese schließlich abstirbt.

Beispiele für Polyen-Antibiotika sind:

Weitere

Benzofuranderivate

Das Benzofuranderivat Griseofulvin ist ein Mykotoxin und wird zur systemischen Behandlung von Pilzinfektionen angewendet. Der exakte Wirkungsmechanismus von Griseofulvin ist noch nicht vollständig geklärt. Abnorme Metaphasen-Konfigurationen in proliferierenden Pilzzellen sprechen für einen direkten Angriff am tubulären Spindelapparat mit nachfolgender Mitosehemmung. Die Substanz wirkt ähnlich wie andere Spindelgifte (z. B. Colchicin). Außerdem führt Griseofulvin nach Aufnahme in die RNA-Fraktion über Komplexbildungen mit Purinen zu Proteinsynthese-Störungen und einer RNA-Synthesehemmung. Daraus ergeben sich Chitinbildungsstörungen in der Zellwand mit Schädigungen und Wachstumshemmung der Hyphen („Curling-Effekt").

Farbstoffe

Gentianaviolett (Kristallviolett) wirkt gegen einige grampositive Bakterien sowie Pilze, allerdings hemmt es die Wundheilung erheblich und wirkt im Tierversuch kanzerogen.

Pyridinon-Derivate

Über den Wirkmechanismus des Pyridonderivates Ciclopirox ist nur wenig bekannt. Es wird angenommen, dass ein Funktionsverlust bestimmter Katalase- und Peroxidase-Enzyme sowie verschiedener anderer Bestandteile des Zellstoffwechsels eine Rolle spielen. In einer Studie zur weiteren Aufklärung des Ciclopirox-Mechanismus wurden mehrere Saccharomyces cerevisiae-Mutanten gescreent und getestet. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass Ciclopirox seine Wirkung über eine Störung der DNA-Reparatur, Zellteilungssignalen und -strukturen (mitotische Spindeln) sowie einiger Elemente des intrazellulären Transports ausübt.

Pyrimidine

Das Pyrimidin-Derivat Flucytosin ist ein Antimykotikum mit systemischer Wirksamkeit. Flucytosin wird selektiv von Pilzen über die Cytosinpermease aufgenommen, desaminiert und als 5-Fluorouracil in die Zell-RNA eingebaut, wo es als falsche Base‘ wirkt und eine fehlprogrammierte Proteinbiosynthese induziert. Der Wirkstoff inhibiert außerdem die DNA-Synthese, da es die Thymidilat-Synthese blockiert.

Thiocarbamate

Das Thiocarbamat-Derivat Tolnaftat ist ein Antimykotikum zur topischen Anwendung.

Autor: Dr. Isabelle Viktoria Maucher (Apothekerin)

Stand: 16.11.2019

Quelle:
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