Biguanide

Biguanide sind Medikamente, die für die Therapie eines häufig noch nicht insulinpflichtigen Diabetes mellitus angewendet werden. Sie gehören zur Gruppe der oralen Antidiabetika.

Inhaltsverzeichnis

Weitere Infos

Anwendung

Metformin

Biguanide werden zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt. Eine Anwendung bei Schwangerschaftsdiabetes oder bei Typ-1-Diabetes ist nicht zugelassen. Biduanide gehören zu den oralen Antidiabetika.

Es gibt nur noch sehr wenige Vertreter dieser Arzneimittelgruppe, in Deutschland wird nur Metformin bei Diabetes eingesetzt. Strukturell sind die Biguanid-Derivate dem Pflanzenalkaloid Galegin sehr ähnlich. Das aus der Pflanze Galega officinalis gewonnene Alkaloid wird schon seiteinigen hundert Jahren wegen seiner blutzuckersenkenden Wirkung medizinisch eingesetzt.

Wirkung

Die blutzuckersenkende Wirkung der Biguanide setzt erst einige Tage nach der oralen Einnahme ein. Der Mechanismen der Wirkung ist noch nicht vollständig geklärt. Es ist aber so, dass die Biguanid-Moleküle sich an die Zellmembran des Darmepithels anlagern und es zu einer deutlichen Verringerung des aktiven Glukose Transports vom Darmlumen in die Blutbahn kommt.

Biguanide reichern sich außerdem in den Hepatozyten an. Es kommt zu einer Verminderung der Atmungskette. Es wird weniger ATP in der Leber produziert. Außerdem sollen Biguanide die periphere zelluläre Insulinresistenz vermindern. Sie führen auch zu einer leichten Appetithemmung, weshalb sie sich besonders für adipöse Diabetiker eignen.

Da die blutzuckersenkende Wirkung erreicht wird ohne Einfluss auf das Insulin-Glukagon-System zu nehme, sind Biguanide besonders bei übergewichtigen Patienten als Alternative zu Sulfonylharnstoffen geeignet, da diese eine stark appetitanregende Wirkung haben. Der einzige momentan in Deutschland als Antidiabetikum verwendete Wirkstoff ist Metformin.

Nebenwirkungen

  • Laktatazidose
  • Gewichtsabnahme
  • Häufig gastrointestinale Störungen

Weitere Informationen zu den Nebenwirkungen finden Sie unter Metformin.

Wechselwirkungen

Metformin verstärkt die Blutzuckersenkung durch Insulin, orale Antidiabetika oder größere Mengen Alkohol (Cave: Laktatazidose). Vor und bis 48 Stunden nach Kontrastmittelgabe ist Metformin abzusetzen, da es durch die intravasale Anwendung von jodhaltigen Kontrastmitteln zu einer Laktatazidose und/oder akutem Nierenversagen kommen kann. ACE-Hemmer können zu einer Senkung des Blutzuckerspiegels führen und eine Reduktion der Metformin-Dosis notwendig machen. Auch Glukokortikoide, Beta-2-Sympathomimetika  und Diuretika verlangen eine Anpassung der Metformindosis. Weiterführende Informationen zu den Wechselwirkungen finden Sie unter Metformin.

Kontraindikation

Metformin hemmt den Abbau von Laktat und Ketonkörpern und ist deshalb bei allen Zuständen mit dem Risiko einer gesteigerten Laktat- oder Ketonkörperbildung oder deren gestörtem Abbau kontraindiziert. Das können eine periphere Hypoxie infolge einer kardialen oder respiratorischen Insuffizienz, Fieber, Schock, Sepsis, eine geplante Vollnarkose oder Alkoholabusus sein). Metformin sollte auch nicht bei schwangeren Frauen und Frauen, die gerne schwanger werden möchten, gegeben werden. Weitere Informationen zu den Kontraindikationen finden Sie unter Metformin.

Wirkstoffe

Metformin ist das praktisch einzige Arzneimittel, dass aus der Gruppe der Biguanid-Derivate als Antidiabetikum im Gebrauch ist. Ein anderes Arzneimittel aus der Klasse der Biguanide ist Proguanil. Proguanil wird aber nicht als Antidiabetikum sondern zur Malariaprophylaxe  und -therapie eingesetzt.

Buformin und Phenformin wurden Ende der 70er Jahre wegen schwerwiegenden Nebenwirkungen vom Markt gekommen. Bei ihrer Einnahme war es zu Todesfällen nach Laktatazidose  gekommen.

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 31.07.2019

Quelle:
  1. Mutschler, Geisslinger, Kroemer, Menzel, Ruth "Mutschler Arzneimittelwirkungen", 10 Auflage 2013
     
  2. AkDÄ "Arzneiverordnungen", 22. Auflage 2009
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