Gestagene

Gestagene sind weibliche Sexualhormone, die der Entstehung und Erhaltung einer Schwangerschaft dienen. Sie werden vor allem in hormonellen Kontrazeptiva, aber auch bei Menstruationsstörungen und in der Postmenopause eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Progesteron

Gestagene gehören zu den weiblichen Sexualhormonen und wirken gemeinsam mit Östrogenen auf nahezu alle weiblichen Reproduktionsvorgänge. Alle Gestagene unterdrücken dosisabhängig die Ovulation und hemmen die Tubenmotilität. Gestagene werden vor allem zur Kontrazeption eingesetzt. Dies kann als Mono- oder als Kombinationstherapie zusammen mit Östrogenen erfolgen. Des Weiteren werden Gestagene zusammen mit Östrogenen auch als Substitutionstherapie in der Postmenopause eingesetzt, um die Symptome zu lindern. Außerdem finden einige Gestagene Anwendung bei Störungen des Menstruationszyklus.

Gestagene in Kombination mit Östrogen als orale Kontrazeptiva

Levonorgestrel, Desogestrel, Chlormadinonacetat, Dienogest und Nomegestrol werden gemeinsam mit Östrogenen wie Estradiol und Ethinylestradiol  in hormonalen oralen Kontrazeptiva eingesetzt.

Gestagenmonopräparate

Unter den Gestagenmonopräparaten finden sich ein Depotpräparat sowie 4 orale Gestagenmonopräparate, die zur Kontrazeption eingesetzt werden.

Medroxyprogesteron wird als Depotgestagen zur Schwangerschaftsverhütung von längerer Dauer (3 Monate) bei Frauen eingesetzt, die andere Methoden der Kontrazeption nicht vertragen oder für die orale Kontrazeptiva nicht geeignet sind.

Oral eingesetzte Gestagenmonopräparate zur hormonalen Kontrazeption enthalten den Wirkstoff Dienogest. In der Notfallkontrazeption kommt neben dem selektiven Progesteronrezeptorantagonisten Ulipristal das reine Gestagen Levonorgestrel zum Einsatz.

Orale Progesteronpräparate

Orale Progesteronpräparate werden in der postmenopausalen Hormontherapie mit Östrogenen eingesetzt. Sie dienen der Endometriumprotektion bei nicht hysterektomierten Frauen. Außerdem wird orales Progesteron bei Lutealinsuffizienz eingesetzt.

Topisch angewandtes Progesteron

Als Vaginalgel angewandt dient Progesteron der Progesteronbehandlung zur Unterstützung der Lutealphase bei Erwachsenen im Rahmen einer assistierten Reproduktion. Progestogel, ein progesteronhaltiges Gel, wird zur Behandlung einer essentiellen prämenstruellen Mastodynie eingesetzt.

Chlormadinon

Chlormadinon ist bei Gestagenmangelzuständen (Amenorrhö, dysfunktionelle Blutungen und unregelmäßige Zyklen) zugelassen.

Dienogest

Dienogest wird ausschließlich zur Behandlung der Endometriose eingesetzt.

Wirkung

Gestagene hemmen die Östrogen-induzierte Proliferation des Endometriums und induzieren die Sekretionsphase. Alle Gestagene unterdrücken dosisabhängig die Ovulation und hemmen die Tubenmotilität. In der Schwangerschaft bewirkt Progesteron und 17α-Progesteron eine Ruhigstellung des Uterus.

Gestagene werden entweder als natürliches Progesteron oder als synthetische Gestagene eingesetzt, die sich vom natürlichen Gestagen ableiten. Allen Derivaten gemeinsam sind die unterschiedlichen Zusatzeffekte auf androgene und östrogene Hormonwirkungen.

  • Antiestrogene Gestagene wie beispielweise Progesteron oder Dienogest werden bei Akne, aber auch Seborrhoe und Hirsutismus eingesetzt.
  • Gestagene mit androgener Partialwirkung, wie die 19-Nortestosteron-Derivate Norethisteron, Levonorgestrel, Gestoden, Norgestimat, Lynestrol und 3-keto-Desogestrel wirken sich positiv auf Libidostörungen aus.
  • Gestagene mit antiandrogener Wirkung, also Chlormadinonacetat, Megestrolacetat, Drospirenon und Dienogest, wirken positiv bei Akne.
  • Gestagene mit ausgeprägter antimineralcorticoider Wirkung, wie das vom Spironolacton abgeleitete Drospirenon, führen zu keiner Gewichtszunahme durch Wasser- und Salzretention, wenn sie in Kontrazeptiva eingesetzt werden.

Nebenwirkungen

Bei zyklusgerechter Anwendung sind Nebenwirkungen in niedrigen Dosen selten. Bei längerer Anwendung kann es zu Ovulationshemmung, psychischen und körperlichen Störungen wie Libidoverlust, Kopfschmerzen und Übelkeit, Erbrechen, Spannungsschmerzen in der Brustdrüse kommen. Wie bei den günstigen Effekten wird auch das Nebenwirkungsspektrum der einzelnen Gestagene von den Partialwirkungen beeinflusst.

  • Gestagene mit estrogener Partialwirkung, wie Norethisteron und Lynestrenol, verursachen oft Brustspannen und Ödeme.
  • Gestagene mit androgener Partialwirkung, wie die 19-Nortestosteron-Derivate Norethisteron, Levonorgestrel, Gestoden, Norgestimat, Lynestrol und 3-keto-Desogestrel können zu Haarausfall führen. Sie bilden Risikofaktoren für Herz und Kreislauf und können den Lebermetabolismus und die Blutgerinnung negativ beeinflussen.
  • Gestagene mit antiandrogener Wirkung, also Chlormadinonacetat, Megestrolacetat, Drosiprenon und Dienogest können zu Libidoproblemen und Stimmungsschwankungen führen.
  • Die 17α-Hydroxyderivate Chlormadinon, Medroxyprogesteron und Megestrolacetat besitzen aufgrund ihrer strukturellen Ähnlichkeit mit Cortisol glucocorticoide Wirkung. Sie können zu Ödemen führen.

Wechselwirkungen

Enzyminduktoren, wie Barbiturate, Carbamazepin, Phenytoin, Rifampicin oder Johanniskrautextrakte beschleunigen die Biotransformation der Gestagene und können daher die empfängnisverhütende Wirkung verringern.

Kontraindikation

Kontraindikationen für alle Gestagene sind schwere Leberschäden, Hyperbilirubinämie sowie thromboembolische Erkrankungen. Gestagene mit androgenen Eigenschaften sind in der Schwangerschaft kontraindiziert, da sie zu einem Maskulinisierung weiblicher Feten führen können. Analog dürfen Gestagene mit antiandrogener Wirkungskomponente dürfen wegen der Gefahr einer Feminisierung männlicher Feten in der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden.

Wirkstoffe

Die verschiedenenen therapeutisch eingesetzten Gestagene lassen sich in folgende Gruppen unterteilen.

Progesteron-Derivate

17α-Hydroxyderivate

  • Chlormadinonacetat
  • Medroxyprogesteronacetat
  • Megestrolacetat

Spironolacton-Derivate

  • Drospirenon

19-Nortestosteron-Derivate

  • Norethisteron
  • Levonorgestrel
  • Gestoden
  • Dienogest
  • Norgestimat
  • Lynestrenol
  • 3-keto-Desogestrel

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 24.01.2019

Quelle:

Steinhilber, Schubert, Zsilavecz, Roth "Medizinische Chemie", 2. Auflage 2010

AkDÄ "Arzneiverordnungen", 22. Auflage 2009

Schwabe, Paffrath, Ludwig, Klauber "Arzneiverordnungsreport 2018"

 

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