Glukokortikoide

Glukokortikoide sind Steroidhormone mit einem breiten Anwendungsspektrum. Es gibt eine Vielzahl von synthetisch hergestellten Glukokortikoiden, die sich strukturell von dem Nebennierenrindenhormon Cortisol ableiten.

Synonyme

Glucocorticoide, Glukokortikosteroide

Anwendung

Nebenniere und Niere

Glukokortikoide wirken glukoneogenetisch, antiphlogistisch/antiinflammatorisch und immunsuppressiv. Sie werden dementsprechend bei zahlreichen Krankheiten systemisch oder lokal angewendet. Man unterscheidet die Substitutionstherapie (bei einer Nebennierenrindeninsuffizienz [Morbus Addison]), bei denen die natürlichen Glukokortikoide Cortisol und Cortison Mittel der Wahl sind sowie die pharmakodynamische Therapie für die diverse synthetische Derivate zur Verfügung stehen.

Wichtige Einsatzgebiete der pharmakodynamischen Therapie sind z. B.:

Wirkung

Aufgrund ihrer Steroidstruktur sind Glukokortikoide in der Lage die Zellmembran zu durchdringen. Im Zytoplasma binden sie an die spezifischen Glukokortikoid-Rezeptoren. Die aktivierten Glukokortikoid-Rezeptor-Komplexe translozieren in den Zellkern, wo sie an spezielle Elemente der DNA binden und im Folgenden die Transkription von Glukokortikoid-abhängigen Genen beeinflussen. Neben der glukoneogenetischen Wirkung, die auf einer erhöhten Synthese verschiedener Enzymproteine beruht, üben sie auch eine antiphlogistische, antiallergische und immunsuppressive Wirkung aus, die auf einer Hemmung der Synthese anderer Proteine beruht.

Die natürlichen Glukokortikoide zeichnen sich durch eine kurze Wirkdauer (biologische Halbwertzeit 8 - 12 Stunden) aus. Synthetische Glukokortikoide weisen eine längere biologische Halbwertzeit auf. Je nach Wirkdauer unterscheidet man hier mittellang wirksame Substanzen mit einer Halbwertzeit von 12 - 36 Stunden und lang wirksame Substanzen mit einer Halbwertzeit von 36 - 72 Stunden.

Nebenwirkungen

Bei der Substitutionstherapie mit adäquaten Dosen treten keine Nebenwirkungen auf.

Bei einer pharmakodynamischen Therapie treten unerwünschte Wirkungen vor allem bei langanhaltender Therapie und hohen Dosen auf. Da alle Zellen im Organismus den gleichen Glukokortikoid-Rezeptor exprimieren bedeuten hohe pharmakologisch erwünschte Wirkungen gleichermaßen unerwünschte Wirkungen. Dabei handelt es sich abhängig vom Behandlungsziel um physiologische (metabolische) und pharmakologische Wirkungen der Glukokortikoide:

  • Osteoporose
  • Wachstumsstörungen bei Kindern
  • Manifestierung/Entgleisung eines Diabetes mellitus
  • Immunsuppression
  • Erhöhtes Infektionsrisiko
  • Verstärkung von Magenulzera (insbesondere in Kombination mit NSA)
  • Cushing-Syndrom
  • Hypertonie
  • Störungen des Salz- und Wasserhaushaltes
  • Wundheilungsstörungen
  • Myopathie/Muskelatrophie (i.d.R. reversibel)
  • Hautatrophie
  • Katarakte im Auge
  • Steroidakne
  • Erhöhte Thromboseneigung
  • Psychische und neurologische Störungen.

Nach Glukokortikoidentzug sind folgende unerwünschten Wirkungen möglich:

  • Nebennierenrindeninsuffizienz (reversibel)
  • Exazerbation der Grundkrankheit
  • Kortikoidentzugssyndrom.

Wechselwirkungen

Unter der Therapie mit Glukokortikoiden kommt es zu einer Minderung der Wirkung von Antikoagulanzien und oralen Antidiabetika. Die Gefahr gastrointestinaler Blutungen besteht bei gleichzeitiger Gabe von nichtsteroidalen Antirheumatika, insbesondere bei Salicylsäure-Derivaten.

K+-Verluste, die durch Glukokortikoide entstehen, verstärken die Wirkung von Herzglykosiden.

Barbiturate, Phenytoin und Rifampicin führen über eine Enzyminduktion zu einer Minderung der Glukokortikoid-Wirkung.

Kontraindikation

Kontraindikationen gibt es nur für die pharmakodynamische Therapie, nicht aber für die Substitutionstherapie, da hier bei richtiger Dosierung keine unerwünschten Nebenwirkungen auftreten.

Bei vitalen Indikationen werden auch schwerste Nebenwirkungen in Kauf genommen. Daher gibt es für die pharmakodynamische Therapie nur relative Kontraindikationen. Dazu gehören:

  • Osteoporose
  • Ulkusanamnese
  • Infektionskrankheiten (besonders Tuberkulose, Pilz- und Virusinfektionen)
  • Schwer einstellbare Hypertonie
  • Diabetes mellitus
  • Glukokortikoidinduzierte Myopathie
  • Schwangerschaft (insbesondere Frühschwangerschaft).

Glukokortikoide sollten darüber hinaus nicht 8 Wochen vor bis 2 Wochen nach Schutzimpfungen verabreicht werden.

Grundsätzlich sollte bei jeder Glukokortikoidtherapie eine individuelle Nutzen-Risiko-Analyse erfolgen.

Wirkstoffe

Zu den natürlichen Glukokortikoiden gehören:

  • Cortisol
  • Cortison.

Zu den synthetischen Glukokortikoiden gehören u. a. folgende Wirkstoffe:

Autor: Dr. Daniela Leopoldt (Pharmazeutin)

Stand: 04.01.2019

Quelle:
  1. Aktories K. et al., Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 2017, 12. Auflage
     
  2. Mutschler E. et al., Mutschler Arzneimittelwirkungen. 2013, 10. Auflage


 

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