Lipidsenker

Lipidsenker sind Arzneimittel zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen. Sie reduzieren den Cholesterin- und/oder Triglycerid-Plasmaspiegel.

Synonyme

Antilipidämika

Anwendung

Cholesterin

Das Ziel der Therapie einer Fettstoffwechselstörung ist die Absenkung des mit den erhöhten Lipidwerten im Zusammenhang stehenden kardiovaskulären  Risikos.

Zur Lipidsenkung werden die folgenden Wirkstoffgruppen eingesetzt:

  • Statine (HMG-COA-Reduktase-Hemmer, CSE-Hemmer (Cholesterin-Synthese-Enzym-Hemmer))
  • Fibrate
  • Cholesterin-Resorptionshemmer
  • Ionenaustauscherharze
  • Nikotinsäure
  • Pflanzliche Lipidsenker

Wirkung

Die Wirkung der einzelnen Wirkstoffgruppen ist unterschiedlich.

Statine

Statine sind kompetitive Hemmer der HMG-CoA-Reduktase, dem Schlüsselenzym der Cholesterinbiosynthese. Durch das Absinken der intrazellulären Cholesterinkonzentration im Hepatozyten kommt es zu einer gesteigerten Transkription des LDL-Rezeptor-Gens und zu einer vermehrten LDL-Aufnahme aus der Blutbahn. Der LDL-Spiegel sinkt um bis zu 50% (dosisabhängig). Außerdem wird durch die CSE-Hemmer die HDL-Konzentration um bis zu 10% erhöht. In Abhängigkeit vom Ausgangswert sinkt auch die Triglycerid-Konzentration.

Fibrate

Fibrate besitzen einen geringen Einfluss auf die Cholesterin-Plasmakonzentration. Sie senken den Triglycerid-Blutspiegel um 30-50%.

Der Wirkungsmechanismus der Fibrate ist noch nicht genau geklärt. Fibrate steigern allerdings die Aktivität der Lipoproteinlipase, dadurch werden VLDL (Very-low-densitiy-Lipoproteine)und IDL (Intermediate-density-Lipoproteine) vermehrt zu LDL (Low-density-Lipoproteine) umgewandelt. Zusätzlich wird die VLDL-Freisetzung in der Leber verringert. Fibrate binden außerdem an nukleäre Transkriptionsfaktoren vom Typ der Peroxisomen-Proliferator-aktivierten Rezeptoren der Subgruppe  alpha (PPARα). Eine Reihe von Genen, die neben der Lipoproteinlipase für Apolipoproteine kodieren, wird durch PPARα vermehrt transkribiert, was die vielfältigen Effekte der Fibrate erklärbar macht.

Fibrate stellen in der Therapie der Fettstoffwechselstörungen Reservepräparate bei Statinunverdräglichkeit dar.

Cholesterin-Resorptionshemmer (Cholesterol-Resorptionshemmer)

Ezetimib ist  der einzige auf dem Markt befindliche Cholesterin-Resorptionshemmer. Ezetimib wird auch in Fixkombination  mit dem Statin Simvastatin eingesetzt.  Ezetimib blockiert selektiv das für die intestinale Resorption von Cholestrin verantwortliche Protein NPC1L1 (Niemann-Pick-C1-like-1-Protein), das auch an der Resorption von Phytosterolen beteiligt ist.

In diversen Nahrungsmitteln, wie bspw. Becel pro aktiv, sind die mit Cholesterin verwandten Sterole (Sterine) pflanzlichen Ursprungs enthalten. Durch Kompetition des Transportproteins senken sie ebenfalls die Cholesterin-Resorption und damit die Veresterung in den Epithelzellen. Sie führen zu einer mäßigen Senkung des Cholesterinspiegels.

Ionenaustauscher

Ionenaustauscherharze besitzen eine hohe Affinität zu Gallensäuren. Die Gallensäuren werden an das Ionenaustauscherharz gebunden und mit den Fäzes ausgeschieden.  Die Ausscheidung wird auf das bis zu Zehnfache gesteigert. Das Defizit an Gallensäuren wird dann durch Neusynthese aus Cholesterin ausgeglichen. Dadurch sinkt die intrazelluläre Cholesterinkonzentration in der Leber, die Zahl der LDL-Rezeptoren nimmt zu und es wird mehr LDL aus dem Blut aufgenommen.

Nikotinsäure

Die Nikotinsäure senkt dosisabhängig die Konzentration der freien Fettsäuren und den Triglycerid- und Cholesterinspiegel im Plasma.Die lipidsenkende Wirkung beruht auf einer Blockade der Triglyceridlipase und einer Abnahme der VLDL-Synthese in der Leber und damit geringerer LDL-Bildung.

Pflanzliche Lipidsenker

Knoblauchpräparate werden unterstützend bei Fettstoffwechselstörungen eingesetzt, obwohl eine blutfettsenkende Wirkung für Knoblauchzwiebel-Pulver nicht bestätigt werden konnte.

Nebenwirkungen

Informationen zu den Nebenwirkungen sind bei den einzelnen Wirkstoffgruppen beschrieben.

Wechselwirkungen

Informationen zu den Wechselwirkungen sind bei den einzelnen Wirkstoffgruppen beschrieben.

Kontraindikation

Informationen zu den Kontraindikationen sind bei den einzelnen Wirkstoffgruppen beschrieben.

Wirkstoffe

Statine

Cholesterin-Resorptionshemmer

Fibrate

Ionenaustauscherharze

Nikotinsäure und Derivate

  • Nicotinsäure

Pflanzliche Lipidsenker

  • Knoblauchzwiebel

 

Hinweise

Eine neue US-amerikanische Studie der Cleveland-Klinik zeigt, dass der PCSK9-Inhibitor Evolocumab dem Cholesterol-Resorptionshemmer Ezetimib bei dokumentierter Statin-Intoleranz überlegen ist, siehe auch Artikel "Evolocumab bei Statin-Intoleranz"

 

Autor: Ellen Reifferscheid (Apothekerin)

Stand: 06.03.2019

Quelle:

Steinhilber, Schubert, Zsilavecz, Roth "Medizinische Chemie", 2. Auflage 2010

AkDÄ "Arzneiverordnungen", 22. Auflage 2009

Schwabe, Paffrath, Ludwig, Klauber "Arzneiverordnungsreport 2018"

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